Müll-Chaos am Amberger Bahnhof
Leerung "in den nächsten Tagen"

Vom Wind durch die Stadt gewehter Müll wird gerne der Nachlässigkeit und Achtlosigkeit von Passanten angelastet. Hier eine Art unappetitlicher Gegenbeweis. Bild: Kosarew
Amberg: Bahnhof |

Die Bahn versprach Abhilfe. Das war vor drei Wochen. Die Osterfeiertage setzten offenbar eins drauf. Die Probleme mit der Entleerung von Mülleimern auf dem Bahnhofsareal könnten offener kaum zutage treten als am zurückliegenden, verlängerten Wochenende. Auch am Dienstag um die Mittagszeit war noch nichts geschehen.

Der überquellende Abfalleimer zwischen den Parkplätzen und dem eigentlichen Bahnhofsgebäude kann kaum der oft unterstellten Nachlässigkeit und Achtlosigkeit von Passanten angelastet werden. Sie würden ihren Verpackungsmüll offensichtlich gerne ordentlich loswerden. Sonst wäre das Müllbehältnis ja nicht übervoll. Zudem scheinen die weggeworfenen Abfälle überwiegend aus den gastronomischen Betrieben des Bahnhofs zu stammen. Für deren Entsorgung sehen sie sich aber offenbar nicht in der Pflicht.

Die Stellungnahme der Bahn grenzt an Zynismus: "Möglicherweise hat die Entleerung zuletzt nicht ganz optimal funktioniert", kündigte eine Sprecherin eine Entleerung "in den nächsten Tagen" an.

Angemerkt: Augen zu und beschönigen

Von Michael Zeißner

Lange wird nicht gefackelt. Nach wenigen Minuten ist ein 23-Euro-Knöllchen fällig. Kein richtiges, wie bei einer Ordnungswidrigkeit. Hier geht es um eine zivilrechtliche Vertragsstrafe, weil jemand auf dem Bahnhofs-Parkplatz länger als bezahlt stehen geblieben ist. Das ist das Geschäftsmodell der von der Bahn mit der Überwachung beauftragten Contipark GmbH.

Nicht dazu gehört offenbar das Leeren von Papierkörben. Es könnte auch sein, dass dafür jemand ganz anderer verantwortlich ist, weil der seit Tagen überquellende Abfallbehälter auf den wenigen Metern zwischen Bahnhofs-Blumengeschäft und Taxiständen in ein weiteres Subunternehmen ausgelagert wurde. Die Stadt winkt jedenfalls ab, nicht unsere Baustelle.

Anfang des Monats wurde ruchbar, dass genau dort derzeit Ratten fröhliche Urstände feiern. „Uns ist das Problem bekannt“, schrieb die Bahn vor drei Wochen. Es werde daran gearbeitet, Abhilfe zu schaffen. Verantwortung über Subunternehmen zu entsorgen, klappt offenbar viel besser, als die Entsorgung der Abfälle von Bahnhofspassanten. Was braucht es noch mehr als eine Rattenplage, um von einem handfesten Missstand sprechen zu dürfen, und nicht davon, dass etwas „möglicherweise (...) nicht ganz optimal funktioniert“ hat?, wie es die Bahn formuliert.
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