Mulmiges Gefühlt fährt mit
Am Tag nach dem Zugunglück

Routine am Bahnhof: Am Tag nach dem Zugunglück von Bad Aibling war bei den Bahn-Kunden aus der Region alles wie gewohnt. In der benachbarten Gaststätte ging es am Mittwochmittag in den Gesprächen nicht etwa um die Toten und Verletzten, sondern eher um den DFB-Pokal-Auftritt des FC Bayern München am Abend. Bilder: tk (3)

Zehn Tote, mehr als 80 Verletzte. Der Schock sitzt noch immer tief. Auch bei Dieter Dörner. Der Kreisheimatpfleger verzichtete am Faschingsdienstag am Stammtisch auf eine Verkleidung, setzt sich heute aber dennoch ruhigen Gewissens in den Zug nach Nürnberg. Doch nicht alle Amberger Bahnreisenden reagieren so gelassen.

"Mir ist schon ein bisschen mulmig", sagt Werner Eichermüller, bevor er sich am Tag nach der Katastrophe in das Abteil setzt, in dem er nach Regensburg fährt. Von dort geht es für den 69-Jährigen weiter nach Niederbayern zu einem privaten Termin. Das Problem: Der Amberger weiß, dass die Route unterwegs teilweise eingleisig verläuft - so wie bei Bad Aibling. "Ausgerechnet heute" macht sich Eichermüller dennoch auf den Weg. Je mehr er über das Zugunglück nachdenkt, desto mehr schwinden seine Bedenken: "Ich gehe davon aus, dass sie jetzt besonders aufpassen. Gerade heute."

Ins Grübeln gekommen


Mit in der Bahn Richtung Bezirkshauptstadt sitzt David Mora-Bartha, 20 Jahre alter Spanier, der seine Heimat in Alicante wegen fehlender beruflicher Perspektiven verlassen hat, um sich in Amberg beim Kolping-Bildungswerk fit für den deutschen Arbeitsmarkt machen zu lassen. Ins Grübeln sei er wegen des Unglücks nur kurz gekommen, aber: "Ich mache mir da keine großen Sorgen."

Das gilt auch für Dieter Dörner. Der Zug nach Regensburg hatte am Mittwoch kaum den Bahnhof verlassen, als sich der Kreisheimatpfleger ein Ticket nach Nürnberg kaufte. Dort will der 75-Jährige heute die Bilder fotografieren, die er für einen seiner nächsten Vorträge benötigt. Auf die Idee, wegen Bad Aibling mit dem Auto zu fahren, ist Dörner gar nicht erst gekommen: "Weil ich sonst keinen Parkplatz finde." Er bevorzugt die Bahn, "weil sie immer noch das sicherste Verkehrsmittel ist". Auf den Straßen würden viel mehr Menschen getötet als auf den Gleisen.

In Gedanken bei Opfern


Dennoch geht das Schicksal der Toten, Verletzten und Angehörigen Dörner nahe. Der Kreisheimatpfleger hat Verständnis dafür, dass einige Parteien ihre politischen Veranstaltungen absagten oder zumindest im Programm abspeckten. Er selbst war am Dienstag wie gewohnt bei seinem Stammtisch, aber nicht maskiert, wie es ursprünglich geplant war.

Ich gehe davon aus, dass sie jetzt besonders aufpassen. Gerade heute.Werner Eichermüller, Fahrgast aus Amberg


Ich mache mir da keine großen Sorgen.David Mora-Bartha auf dem Weg nach Regensburg
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