Multikulti im Kindergarten
Sprache als Schlüssel zum Erfolg

Ein Häschen-Spiel führten die Kinder den Besuchern (von links) Günter Koller, MdB Alois Karl, MdL Dr. Harald Schwartz und Oberbürgermeister Michael Cerny vor. Kindergartenleiterin Anita Rupprecht zeigte den Gästen die Einrichtung und sprach über ihre Erfahrungen mit dem Bundesprojekt "Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist". Bild: Hartl

48 Kinder, 17 Nationen: Multikulti ist im Kindergarten Marienheim seit Jahren kein Fremdwort. Deshalb nimmt die Einrichtung auch am Bundesprogramm "Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist" teil - und zwar mit großem Erfolg.

Welche Erfahrungen der Kindergarten und dessen Träger, der Caritas-Kreisverband Amberg-Sulzbach, mit diesem Projekt gemacht hat, ließen sich gestern CSU-Bundestagsabgeordneter Alois Karl und sein Landtagskollege Dr. Harald Schwartz schildern. Seit 2011 ist das Marienheim mit von der Partie, zunächst im Vorgängerprojekt "Sprache und Integration", das von 2011 bis 2015 lief, jetzt im aktuellen Programm. Die Förderung beträgt laut Günter Koller pro Jahr 25 000 Euro. "Das Geld ist bei uns sehr gut angelegt", erklärte er. Das sahen die Abgeordneten Karl und Schwartz, aber auch Oberbürgermeister Michael Cerny genauso.

Alle beim Martinszug dabei


Kinder mit einer anderen Muttersprache zu integrieren, das sei schon eine Aufgabe, sagte Karl anerkennend und dankte dafür Kindergartenleiterin Anita Rupprecht und deren Team: "Sie leisten eine gute Arbeit." Koller führte aus, dass das Marienheim ein katholischer Kindergarten ist, der sich an den kirchlichen Jahreskreis orientiere. "Da hat es noch kein einziges Problem gegeben", erklärte er. Noch nie hätten Eltern gesagt, ihr Kind nehme zum Beispiel nicht am Martinszug teil. "Nein, das war noch nie der Fall", bekräftigte Rupprecht. "Alle gehen gerne mit." Jeder Kindergartentag beginnt ihren Worten nach mit dem Morgengebet, auch dies habe noch niemand verweigert. "Glaube ist auch ein Stück unserer Kultur", sagte sie. Im Marienheim sei bereits ein unbegleiteter minderjähriger Flüchtling gewesen, um dort ein Praktikum zu machen. "Und vor zwei Wochen hatten wir eine indische Praktikantin bei uns."

Für OB Cerny ist das Projekt "Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist" auch ein Beitrag, um Kindern beste Startchancen ins Leben zu geben. "Zweisprachig zu sein, ist durchaus von Vorteil, vor allem später für das Berufsleben." Schwartz führte die aktuelle Diskussion in Bayern über das Integrationsgesetz an. "Ein wesentlicher Faktor ist das Erlernen der Sprache", unterstrich er. "Integration kann nur in den Städten und Gemeinden erfolgen, nicht im Maximilianeum oder im Bundestag", erklärte Karl. "In Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen", ergänzte Cerny. Die Kinder seien sehr wissbegierig, so Rupprechts Erfahrung.

Bei all der Förderung müsse man aber auch darauf schauen, dass die Eltern vernünftige Deutsch-Kurse bekommen, meinte Cerny. Denn sonst sei das Kind eine Art Privatdolmetscher, sei es beim Arztbesuch oder beim Einkaufen. "Die Gefahr ist groß, dass sich die Eltern auf das Kind verlassen, das wäre integrationshemmend", führte der Oberbürgermeister aus.

Ein paar Zeilen an Schwesig


Karl kündigte an, ein paar Zeilen an die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig zu schreiben und ihr von den Erfahrungen zu berichten, die das Marienheim mit dem Programm "Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist" gemacht hat. "Damit das Programm nicht eingedampft wird", sagte Karl und kündigte an, sich für die Fortführung auch im Haushaltsausschuss einsetzen zu wollen.
Die Gefahr ist groß, dass sich die Eltern auf das Kind verlassen, das wäre integrationshemmend.OB Michael Cerny
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