Music & Spirit: Frischer Wind in alten Mauern
Bombastische Pracht des Barock zur Premiere

Der noch junge OTH-Chor brillierte bei der Premiere des geistlichen Konzertabends. Leiter Andreas Feyrer (rechts) hatte zur Verstärkung ein kleines Orchester in die Paulanerkirche mitgebracht. Bild: Huber

Gut besucht, super Musik und tolle Atmosphäre: Die Premiere ist gelungen! Erstmals in der Geschichte der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden fand in der Paulaner-Kirche ein geistlicher Konzertabend statt. Veranstalter war die ökumenische Hochschulseelsorge in enger Kooperation mit der OTH selbst. Das Versuchsprojekt wurde zu einem kleinen Höhepunkt im Kulturkalender der bald 22-jährigen Hochschulstadt.

Mit einem fulminanten Auftakt begrüßten Bläser und Orgel die zahlreichen Gäste: Gerhard Fehrl (Amberg) intonierte an den knapp 3000 Pfeifen zusammen mit dem CVJM-Posaunenchor Rosenberg als festliche Intrade ein "Rigaudon" von André Campra (1660-1744). Darüber hinaus freute sich Dr. Markus Lommer von der Katholischen Hochschulgemeinde über das Mitwirken des jungen Amberger OTH-Chors. Dessen Leiter Andreas Feyrer hatte zur Verstärkung ein kleines Orchester mitgebracht.

Das unter Feyrers präzisem Dirigat sehr harmonische Miteinander von Singstimmen und Instrumenten geriet zur Überraschung des Abends: Sowohl bei zwei Eigenkompositionen des Chorleiters wie auch bei den beiden Filmsongs von Stefan Nilsson überzeugten die Studierenden durch glänzende Intonation, herzerfrischende Musizierfreude und begeisternde künstlerische Ausdruckskraft. So klangen nicht nur "Gabrielas" und "Lenas Song", sondern ebenso "Gloria" und "Sanctus/Benedictus" aus einer neuen Messe von Feyrer gleichsam "Wie im Himmel".

Den programmatischen "Frischen Wind in alte Mauern", den die Veranstaltung im Titel versprochen hatte, brachten die Rosenberger CVJM-Akteure in zwei jeweils unterschiedlich akzentuierten Bläser-Blöcken: Bach und Händel sowie ihr nicht ganz so bekannter Zeitgenosse Georg Gottfried Wagner (1698-1756) repräsentierten die bombastische Pracht des Barock. Dagegen standen drei Stücke von in den 1960ern geborenen Komponisten (Ralf Grössler, Thomas Riegler und Dieter Wendel) für modernen Pep: teils jazzig aufgefrischt, teils Tango mit Choral verbindend, alles in allem Glaubens- und Lebensfreude schwungvoll in perfektes Blech gestoßen. Zu drei Bibeltexten, mit klarer Stimme, rezitiert von Hochschulpfarrerin Heidrun Bock (evangelische Studierenden-Gemeinde), improvisierte der nebenberufliche Organist Gerhard Fehrl überaus eindrucksvolle Klangbilder. Dabei wurde er stellenweise musikalisch unterstützt von Mesner Kurt Wenzel, dessen engagierte Präsenz für das Gelingen der gesamten Veranstaltung und ihrer intensiven Vorbereitung vor Ort unentbehrlich war.

Doch auch das Publikum musste ran: zwei gemeinsame Lieder enthielt das Programmblatt. Gar nicht übel, wie die Gäste des Abends "Herr der Ewigkeit" und "Komm, Heiliger Geist" stimmstark mitsangen und so den altehrwürdigen Kirchenraum in ein pulsierendes Klanggebäude verwandelten. Bevor dann die Bläser (im Altarraum) und der Organist (auf der Empore) mit einem doppelchörigen Werk des Barockmeisters Johann K. F. Fischer auch noch Stereo-Effekt in die Luft zauberten, dankte Lommer allen aktiv Beteiligten und genießenden Gästen für ihren je eigenen Beitrag zu einem einmaligen Erlebnis. Neuauflage? Dringend erwünscht!
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