Mutter sitzt an der Kasse, Sohn passiert, ohne zu zahlen
Ware, die zum Himmel stinkt

Wenn die Mutter im Supermarkt an der Kasse sitzt, und ihr Sohn von dort kostenlos Ware mitnimmt, dann ist ein solcher Vorgang mehr als merkwürdig. Gleichwohl beharrte der 25-Jährige jetzt vor dem Amtsgericht darauf: "Ich fühle mich unschuldig."

Der junge Mann kam kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres innerhalb weniger Stunden drei Mal in den Supermarkt am Stadtrand. Er packte Getränke in seinen Einkaufswagen, hatte in einem Fall einen Sack mit 17 Schachteln Zigaretten dabei. Alles ohne Bezahlung und an der Kassiererin vorbeigeschoben. Dabei handelte es sich, wie Amtsrichter Peter Jung jetzt erfuhr, um die Mutter des 25-Jährigen. Eingescannt und damit rechnungspflichtig gemacht wurden die eingekauften Sachen nicht.

In dem Prozess ging es nicht nur um Cola, Softdrinks und Glimmstängel zum Nulltarif. Die Mutter hatte ihrem Sohn auch zwei offenbar gefälschte Leergutbons gegeben, die er bei einer anderen Kassiererin in Bargeld einlöste. Tat er das alles arglos? "Sie hat gesagt, dass sie alles bezahlt", ließ der Angeklagte wissen und unterstrich wiederholt, er habe sich da voll auf seine Mutter verlassen.

Mutter im Zeugenstand


Die 48-Jährige, zwischenzeitlich aus begreiflichen Gründen nicht mehr im SB-Markt tätig, war als Zeugin geladen. Gegen sie ist unterdessen ein Strafbefehl ergangen, gegen den die Frau Einspruch eingelegt hat. Weil, wie sie sagte, "ich nicht damit einverstanden bin." Obwohl mit einem Zeugnisverweigerungsrecht ausgestattet, machte sie Angaben und nahm alle Schuld auf sich. Das hörte sich dann so an: "Mein Sohn ist finanziell nicht gut gestellt. Deswegen habe ich ihm gesagt, dass er sich Getränke holen kann und ich sie bezahle." Und die Zigaretten? "Die waren für mich. Ich habe sie ihm mitgegeben." Bezahlt wurde von den insgesamt 140 Euro, wie die Frau zugab, nichts. "Vergessen halt. An sich wollte ich es ja."

Eigentlich war die Verhandlung nur auf 15 Minuten angesetzt. Doch sie dauerte zweieinhalb Stunden. Bis zum Schluss blieb der 26-Jährige dabei: "Ich war der Meinung, sie begleicht das." Und die ihm von der Mutter ausgehändigten Pfandbons im Wert von nahezu 50 Euro, die er sich in Bargeld auszahlen ließ? Auch das, versicherte der Mann, habe ihn nicht weiter irritiert. Zumal er Geld gebraucht habe, um sich Essen zu kaufen. "Schwer zu glauben", konterte Richter Peter Jung und fügte hinzu: "Das stinkt zum Himmel."

Für Geldauflage eingestellt


Zum Schluss wurde das ungewöhnliche Verfahren mit Zustimmung von Staatsanwältin Franziska Wilhelm gegen eine Geldauflage von 500 Euro eingestellt. Seltsam allerdings: Am gleichen Tag hätte eine Verhandlung gegen ein weiteres Mitglied der Familie stattfinden sollen. Auch dabei ging es um angeblich gefälschte Leergutbons, die von der Frau im Supermarkt eingelöst worden sein sollen. Den dafür von einem Richter unterzeichneten Strafbefehl hatte sie kurz vor Prozessbeginn akzeptiert.

Sie hat gesagt, dass sie alles bezahlt.Der angeklagte Sohn über seine Mutter, einst Kassiererin in dem betroffenen Supermarkt
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