Nach der Reformation von vor 500 Jahren
Ganz anderer Blick auf Luther

Dr. Martin Hoffmann näherte sich in seinem Vortrag den Luther-Sichtweisen aus heutiger Sicht. Bild: hfz

Die Frage mit Blick auf die lutherische Reformation von vor 500 Jahren lautet: Was bedeuten die Ereignisse des 16. Jahrhunderts für uns heute?

Amberg. Das Evangelische Bildungswerk und die Katholische Erwachsenenbildung hatten Dr. Martin Hoffmann aus Röthenbach bei Nürnberg eingeladen, um abseits der offiziellen Gedenkfeiern Luther und die von ihm ausgelöste Bewegung aus einer anderen Perspektive zu beleuchten. Vor etwa fünf Jahren war er beteiligt, als sich eine Gruppe von 40 Theologen aus verschiedenen Ländern bildete. Mit dem Ziel, auszuloten, inwieweit die Reformation einen Beitrag zur Lösung der weltweiten Krisen leisten kann: Gewalt und Krieg, Flucht und Vertreibung, Rechtspopulismus und Terror, obszöner Reichtum und bittere Armut.

Dr. Martin Hoffmann überraschte seine Zuhörer zunächst mit der Mitteilung, dass Karl Marx in seinem Standardwerk "Kapital" Luther als den größten deutschen Nationalökonom würdigte. Offensichtlich hatte Luther ein feines Gespür für die Wirkmechanismen dieser neu heraufziehenden Wirtschaftsform.

Wucher anno 1524


Auf sie kam er nicht nur in denjenigen Schriften zu sprechen, die sich ausdrücklich mit "Kaufhandlung und Wucher" - so eine Arbeit aus dem Jahr 1524 - beschäftigten. Immer wieder stieß Luther kritisch auf diese Form des Wirtschaftens, als deren Triebkräfte er Geiz, Habsucht und Profitmaximierung erkannte. Sie berühren aber nach den Worten des Referenten auch den Wesenskern des christlichen Glaubens, wenn das Geld als alles bestimmende Macht an die Stelle Gottes tritt, so dass die vermeintliche Sicherheit des Geldes das Vertrauen auf den in Christus offenbaren Gott zu verdrängen droht.

Darüber hinaus machte Hoffmann deutlich, dass Luther mit der Systemlogik der römisch-katholischen Heilslehre seiner Zeit indirekt auch die ähnliche Systemlogik des Kapitalismus kritisierte. Der angstgetriebene Tausch von guten Werken gegen Heil zwischen dem Gläubigen und Gott ähnele dem Warentausch auf dem Markt. Ihm setzte Luther die ungeschuldete und bedingungslose Annahme des Sünders durch Gott entgegen. Sie befreit den gerechtfertigten Menschen vom Tauschhandel in religiösen Dingen, aber auch von der zwanghaften Selbstdurchsetzung im ökonomischen Wettbewerb. Die Not des Nächsten wird zum Kriterium einer lebensdienlichen Wirtschaft. Auch ermutige nach Luther das Kreuz Christi dazu, das Leben nicht nach der unerbittlichen Logik ökonomischer Effizienz zu beurteilen, vielmehr humanes Leben von dessen gefährdeten und beschädigten Rändern her zu suchen.

Globalisierter Kapitalismus


In der Diskussion wurde deutlich, dass die Frage nach einer umfassenden. Alternative für den globalisierten Kapitalismus schwer zu beantworten ist. Zumal sozialistische Konzepte, zumindest in ihren herkömmlichen Formen, besonders durch die Entwicklungen in der Sowjetunion in ein schlechtes Licht geraten sind. Angesichts der bedrohlichen Zukunftsaussichten bleiben laut Hoffmann Hoffnungen auf Initiativen und Ansätze auf lokaler und regionaler Ebene, durch globalisierungskritische Bewegungen wie Attac und Campact. Aber auch Entwicklungsprojekte, die oft von kirchlichen Trägern vorangetrieben werden. Das Vertrauen auf Gottes Treue zu seiner Schöpfung und die Hoffnung auf sein Reich ermutigen demnach zu verstärktem zivilgesellschaftlichen Engagement.
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