Nach Motorwelten-Familienfest: Verein „Amberger Kinder helfen“ verteilt 10 500 Euro an drei ...
Kampf ums nackte Überleben gewinnen

Ein Familienfest, zwei Tage Trubel auf dem LGS-Gelände, drei Spendenschecks. Anne Wagner (links) und Katharina Ostermann (rechts), die Vorsitzenden des Vereins "Amberger Kinder helfen" übergaben 10 500 Euro. Ab Zweitem von links: Mitorganisator Alain Beaudet, Waltraud Frieser (SkF), Dieter Möller, Mitorganisatorin Kirsten Prax und Christine Seidel. Bild: tk

Statistiken belegen: Jede vierte Frau ist schon mal Opfer häuslicher Gewalt geworden. Betroffen sind alle Altersklassen und gesellschaftliche Schichten. Nur ein Drittel sucht Hilfe. Zum Beispiel beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), der in Amberg eine eigene Notrufnummer (09621/2 22 00) betreibt und eine nach außen anonyme Unterkunft im Stadtgebiet bietet, in der sich die geschlagenen, misshandelten und missbrauchten Frauen sicher fühlen können. "Oft kommen sie mit nicht mehr als einer Plastiktüte zu uns, in der das Allernötigste drin ist. Bei den Kindern sieht es häufig auch nicht viel besser aus", berichtete Waltraud Frieser, die für den SkF eine 5000-Euro-Spende des Vereins "Amberger Kinder helfen" entgegennahm. Die Vorsitzenden Katharina Ostermann und Anne Wagner hatten im August mit ihrer Helferschar ein Familienfest auf der Drahthammer-Wiese auf die Beine gestellt (wir berichteten). Der Titel: "Motorwelten: Klassik trifft Power - vom Oldtimer bis zur Königsklasse". Mit dem Geld will der SkF laut Frieser Frauen und Mütter unterstützen, die in der Unterkunft Schutz suchen.

Christine Seidel ist ebenfalls für den Sozialdienst tätig und arbeitet zudem für die Lebenshilfe. Aus beiden Einrichtungen weiß die Ambergerin, dass es in der Stadt viele Familien gibt, " die ums nackte Überleben kämpfen". In erster Linie meint Seidel damit Alleinerziehende, die ihre Arbeit aufgegeben haben, um sich um ihr behindertes Kind kümmern zu können. "Die leben von Hartz IV, weil es oft gar nicht anders geht", wusste Seidel. "An solche Menschen wären wir alleine gar nicht rangekommen", sagte Ostermann, denn die Betroffenen seien oft zu stolz und zu bescheiden, um sich als bedürftig zu outen. Christine Seidel nannte bei der Übergabe der zweiten 5000 Euro ein Beispiel. Weil sein jüngerer Bruder rund um die Uhr betreut werden muss und das nötige Geld fehlt, hat ein 13-Jähriger das Fahrrad nicht bekommen, das er sich wünscht. Schon vor der Spendenübergabe meldete Seidel: "Das Fahrrad hat er gekriegt. Sein Gespartes konnte er behalten." Den dritten Scheck nahm Dieter Möller, Pflegevater von Renata, entgegen. Die Siebenjährige ist auf den Rollstuhl angewiesen und freut sich über 500 Euro. Von dem Geld werden therapeutische Reitstunden bezahlt. Für das Mädchen hatten Wagner und Ostermann im Sommer 2015 ein Benefizspiel organisiert, für das der dreifache tschechische Fußballmeister Viktoria Pilsen nach Haselmühl gekommen war (wir berichteten).

Oft kommen sie mit nicht mehr als einer Plastiktüte zu uns, in der das Allernötigste drin ist.Waltraud Frieser (SkF)
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