Nach Vergewaltigung einer 13-Jährigen
Gericht schirmt Sexualtäter ab

Türen zu, die Öffentlichkeit ist ausgeschlossen. Die mutmaßliche Vergewaltigung auf der Kräuterwiese, begangen an einer 13-Jährigen, wird vor der Jugendkammer des Landgerichts ohne Zuhörer verhandelt. Auf der Anklagebank sitzt ein junger Mann, der als Sexualtäter eine Vorgeschichte hat.

Noch bevor Staatsanwältin Michaela Frauendorfer ihre Anklageschrift verlesen hatte, kam ein Antrag von Verteidiger Dr. Georg Karl (Regensburg). Der Anwalt verlangte den Ausschluss der Öffentlichkeit für die gesamte Prozessdauer und hatte Erfolg damit.

Dies geschah, obwohl sich Staatsanwältin Frauendorfer widersetzt und der unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Harald Riedl tagenden Jugendkammer empfohlen hatte, Zuhörer nur während der Vernehmung von Minderjährigen aus dem Sitzungssaal zu entfernen.

Die Richter berieten nahezu eine halbe Stunde lang. Dann verkündete Richter Riedl den Beschluss, die Öffentlichkeit für die Dauer der gesamten und vorläufig auf fünf Tage angesetzten Verhandlung auszuschließen. Harald Riedl begründete diese Entscheidung damit, dass der Beschuldigte ein Heranwachsender und das mutmaßliche Opfer im Kindesalter sei. "Von daher überwiegen deren Persönlichkeitsrechte das Interesse der Öffentlichkeit." Zumal es um Einzelheiten aus dem Intimbereich der Betroffenen gehe. Gleichwohl wird die Verkündung des Urteils und dessen Begründung öffentlich sein. Wann das stattfindet, lässt sich bisher nicht abschätzen.

Opfer war 13 Jahre alt


Nach dem Ausschluss der Zuhörer kann nur vermutet werden, was Staatsanwältin Frauendorfer dem 19 Jahre alten und seit Sommer vergangenen Jahres in U-Haft sitzenden Angeklagten vorwarf. In der Nacht zum 25. Juli trafen sich Jugendliche und Heranwachsende auf der Kräuterwiese. Das hatten sie wohl schon öfter getan, wobei dann an diesem fraglichen Abend auch eine damals 13-Jährige aus dem Landkreis Schwandorf erschien. Das Mädchen, so hieß es seinerzeit, hatte wohl der Mutter erzählt, es würde bei einer Freundin übernachten.

In Gebüsch geschleppt


Gegen 1.45 Uhr kam es nach den Ermittlungen der Kripo zu einem mutmaßlichen Sexualverbrechen. Der 19-Jährige soll sein 13 Jahre altes Opfer in ein Gebüsch geschleppt und dort vergewaltigt haben. Junge Leute aus dem Partykreis bekamen das offenbar mit und holten die Polizei. Ab dann liefen umfangreiche Ermittlungen. Der Verdächtige, im Landkreis wohnhaft, wurde festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Nun sitzt er wegen Vergewaltigung und schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes vor der Jugendkammer.

Der junge Mann war zuvor schon bei den Behörden bekannt. Wenige Monate vor dem mutmaßlichen Verbrechen auf der Kräuterwiese hatte er nach mehrtägiger Verhandlung von der Jugendkammer des Landgerichts zwei Jahre Haft zur Bewährung erhalten. Der Vorwurf damals: Zusammen mit einem Mittäter, der ebenfalls eine zweijährige Bewährungsstrafe erhielt, war der seinerzeit 18-Jährige über eine junge Frau hergefallen. Das schwer alkoholisierte und damit willenlos gemachte Opfer war ebenfalls sexuell missbraucht worden. Auch dieser Übergriff wird jetzt vor den Richtern zweifellos eine bedeutende Rolle spielen.

Zum dem Prozess sind zahlreiche Zeugen geladen. Im Gerichtssaal sitzt auch der Psychiater Thomas Lippert (Nürnberg). Er hatte den mutmaßlichen Täter bereits im ersten Verfahren begutachtet und tat es nach dem Vorfall auf der Kräuterwiese erneut.

Die Interessen des Opfers vertritt Rechtsanwalt Jörg Jendricke. Auch er hatte sich dem generellen Ausschluss der Öffentlichkeit widersetzt und eine solche Vorgehensweise nur für die Vernehmungsdauer seiner Mandantin beantragt.
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