Nachfahrin lüftet unbekannte Geschichte des alten Schieferl-Bräu
Ururopa lebt im Biergarten fort

Nicht nur zu festlichen Anlässen musizierten die Schieferls in ihrer Wohnung über der Gaststätte (linkes Bild). Solche historischen Fotos, aber auch Porträts ihrer Ahnen und andere Erinnerungen hat Carla Maiwald (rechts) aufbewahrt. Fürs AZ-Foto nahm sie eine Bierflasche der alten Brauerei samt Glas mit in ihren kleinen Schieferl-Biergarten in Viehberg. Bild: Steinbacher
 

"Willkommen in der Idylle bei Maiwald": Das steht am Gartentor und nicht nur dahinter öffnet sich mit dem grünen Paradies eine echte Überraschung. Die steckt schon in den Holzbohlen der Tür selbst. Sie stammt nämlich aus Ambergs einstigem Brau- und Gasthaus Schieferl in der Georgenstraße 54.

Genauer gesagt ist es die wohl im 19. Jahrhundert gezimmerte Tür zur Wohnung des Wirtsleute-Ehepaars. Die befand sich im Obergeschoss der Gaststätte - ein Bereich, der ebenso wie das dazugehörige Hinterhaus noch lange von Nachfahren der Schieferl-Brauerei- und Lokalinhaber bewohnt wurde. Auch Carla Maiwald, eine Urur- und Urenkelin der einstigen Betreiber, hat hier gelebt und eben diese Tür gerettet. Sie ziert heute den Eingang ihres Gartens am Haus in Viehberg.

Dort steht aber nicht nur diese Reminiszenz an die alte Familientradition, sondern auch ein kleiner Schieferl-Biergarten. So nennt zumindest Carla Maiwald die Ecke, die sie mit einem alten Tisch, Stühlen, Fenster und Firmenschild aus dem einst tatsächlich existierenden Biergarten ausgestattet hat. Wie die Viehbergerin erzählt, war der allerdings nicht direkt ans Gasthaus an der Georgenstraße angeschlossen - da war außer im Innenhof nicht genügend Platz -, sondern hatte seinen eigenen Standort an der Kugelbühlstraße. Hier, wo später auch mal eine Hutfabrik angesiedelt war, lud der Schieferl-Garten am Rande der Altstadt zum Trinken, Essen und Verweilen ein.

Carla Maiwald weiß Fakten


Das hat die Anfang der 50er-Jahre geborene Carla Maiwald natürlich nicht mehr selbst erlebt, aber sie kennt die Geschichten darüber und etliche Fakten. Das ist insofern interessant, weil von der Schieferl-Brauerei und -Gaststätte in Amberg nicht allzu viel überliefert ist. Selbst die Jahreszahlen, wann dieser Familienbetrieb floriert haben soll, sind kürzlich wieder durcheinandergeraten.

Das Stadtmuseum hatte der AZ zur Ankündigung seiner Mitte Juni eröffneten Bierausstellung das Foto eines alten Schieferl-Firmenschilds gesandt. In der veröffentlichten Bildunterschrift stand dann, dass das Unternehmen um 1910 bis 1920 existiert habe. Dieser Zeitraum ist aber viel zu kurz gefasst, teilte Carla Maiwald der Redaktion mit. Obwohl sie selbst kein genaues Entstehungsjahr ermitteln konnte, geht die ehemalige Ambergerin davon aus, dass der Familienbetrieb schon vor Mitte des 19. Jahrhunderts bestanden haben wird.

Es geht zurück bis vor 1850


Gegründet und geführt wurde er nämlich von ihren Ururgroßeltern Robert und Maria Schieferl. Diese beiden bekamen 1868 einen Sohn, der 1891 heiratete. Vermutlich mit der Hochzeit ging das Unternehmen an Sebastian und Anna Schieferl über, Uropa und Uroma von Carla Maiwald. Das Ehepaar stellte zwar nach der Jahrhundertwende den Brauereibetrieb ein, behielt aber das Gasthaus, den Schieferl-Bräu, noch viele Jahre. Zu dieser Info fehlen der heute 64 Jahre alten Nachfahrin zwar exakte Jahreszahlen, aber sie kann die Entwicklung anhand der Wirtsnachfolge beschreiben. Demnach übernahmen nach ihren Urgroßeltern ein Mann namens Teljaga und nach ihm der heute noch bekannte Charlie Winkler den Schieferl-Bräu. Letzterer erhielt später das Angebot, die Malteser-Gaststätte zu betreiben und dürfte mit diesem Wechsel der letzte Schieferl-Wirt gewesen sein.

Carla Maiwalds Oma und Mutter wohnten aber über diese Zeit hinaus noch länger in der Georgenstraße 54 beziehungsweise in den unter jener Adresse laufenden hinteren Gebäuden. Die Viehbergerin ist sogar hier geboren und kehrte selbst nach ihrem Umzug mit den Eltern in den Kohlenpott regelmäßig an den Familienstammsitz zurück.

Ferien bei Schieferl-Oma


"Die Schulferien habe ich immer bei der Oma verbracht", schildert sie ihre Kindheit, bevor ihre Mutter mit der Amberg-Rückkehr Ende der 60er-Jahre in der Pfistermeisterstraße ein neues Haus suchte und fand. Doch auch bis in die 1990er-Jahre lebte noch ein Onkel von Carla Maiwald in der Georgenstraße 54, die so durch die Nachfahren noch lange mit dem Namen Schieferl verbunden war.
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