Nachfrage nach Kleinem Waffenschein gestiegen
Reizgas unterm Christbaum

Begehrte Ware: Die Nachfrage nach Schreckschusspistolen ist auch in Amberg gestiegen. Bild: Hartl

Zu Lebkuchen und Stern von Bethlehem gesellt sich mitunter Pfefferspray und Schreckschusspistole: Auch in Amberg decken sich immer mehr Menschen mit Waffen ein.

In ganz Deutschland ist die Nachfrage nach dem Kleinen Waffenschein (KWS) sprunghaft angestiegen. Auch Amberg und der Landkreis machen da keine Ausnahme. Laut Georg Weigert vom Ordnungsamt verfügen derzeit 218 Amberger über dieses Dokument, das das Mitführen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen in der Öffentlichkeit erlaubt. Verzeichnete die Stadt in den vergangenen Jahren jeweils nur eine Handvoll Neuanträge waren es heuer bereits 19. Ähnlich die Entwicklung im Kreis: Bislang haben in diesem Jahr 30 Landbewohner die Bescheinigung beantragt, nach 20 und 17 Anträgen in den Vorjahren.

Nicht erst seit Paris


"Die Nachfrage ist sehr groß", bestätigt ein Verkäufer im Waffengschäft Christl den Trend. Besonders die kleinen Abwehrwaffen - vom Reizgasspray bis zur Gaspistole - seien begehrt. "Und das ist nicht erst seit den Terroranschlägen von Paris so. Der Trend hat schon ein paar Monate früher eingesetzt", erläutert der Mann hinter der Verkaufstheke. Über die genauen Gründe für den Boom mag er nicht spekulieren.

Hierzu haben sich bereits Vertreter der Polizeigewerkschaft deutlicher geäußert. Deren Bundesvorsitzender Rainer Wendt macht sich wegen der Zunahme des privaten Waffenbesitzes Sorgen. Grund für den Kauf von Waffen sei offensichtlich die "allgemeine Angst, in diesen unsicheren zeiten nicht genug geschützt zu sein", erklärte er in einem dpa-Interview. Dass Kleinwaffen bei Angriffen helfen, sei aber oft ein Trugschluss. In der Praxis seien sie zumeist tief in der Tasche vergraben und im Ernstfall nicht griffbereit. Zudem verhielten sich Menschen oft unvorsichtiger, wenn sie Waffen mitführten.

Waffenhauptstadt


Die Oberpfälzer sind waffenmäßig ohnehin bereits übermäßig bestückt - auch was die wirklich gefährlichen Gewehre und Pistolen anbelangt, für die man den normalen Waffenschein benötigt. Die Wochenzeitung Die Zeit kürte Amberg 2014 gar zur deutschen Hauptstadt der Waffenbesitzer. Mit 113 solchen Schießgeräten pro 1000 Einwohner führte die Kommune das bundesweite Ranking der kreisfreien Städte vor Pirmasens (110) und Zweibrücken (93) an. Georg Weigert liefert auch dazu den aktuellen Ist-Stand: Derzeit gibt es in der Stadt 537 registrierte Personen für insgesamt 3741 Waffen. Die Bandbreite der Verwendung reicht dabei von der Jagd über den Schützensport bis hin zu Sammlerleidenschaft und Erbstücken.

Über den Grund, warum ausgerechnet Amberg die bundesweite Waffen-Rangliste anführt, lässt sich streiten. Die acht Schützenvereine könnten eine Rolle spielen, aktive Sammler oder eben auch gut ausgestattete Jäger. Jedenfalls wirkt sich die hohe Waffen-Rate offenbar nicht auf die Kriminalitätsstatistik in Amberg aus. (Angemerkt)

WaffenscheinWer Schusswaffen und Munition erwerben will, benötigt hierfür eine Waffenbesitzkarte (WBK). Die Waffenbesitzkarte berechtigt lediglich zum Erwerb und Besitz der darin eingetragenen Waffen, nicht dazu, diese in der Öffentlichkeit mitzuführen. Hierfür ist ein Waffenschein notwendig, der von der zuständigen Kreisverwaltungsbehörde ausgestellt wird - also für Landkreisbürger vom Landratsamt und für Amberger von der Stadtverwaltung. Als Öffentlichkeit definiert der Gesetzgeber alle Bereiche außerhalb der Wohnung, den Geschäftsräumen, des "eigenen befriedeten Besitztums" oder einer Schießstätte. Voraussetzungen für die Erteilung eines Waffenscheines ist die vom Ordnungsamt festgestellte Zuverlässigkeit. Außerdem die persönliche Eignung, Sachkunde, das konkrete Bedürfnis und eine Versicherung. Für Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen ist ein sogenannter Kleiner Waffenschein erforderlich. Er ist leichter zu bekommen: Zuverlässigkeit und persönliche Eignung reichen. (upl)
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