Nachgefragt: Fahrer ist bewusstlos - was tun?
Schnell und richtig handeln

Arbeiter reparierten am Dienstag die beschädigte Mauer am OTV-Gebäude. Bild: Steinbacher

Das Horrorszenario für jeden Beifahrer: Der Fahrzeuglenker hat plötzlich gesundheitliche Probleme und wird ohnmächtig, wie am Samstag bei dem Unfall am OTV-Kreisel passiert. Der Beifahrer muss dann möglichst schnell reagieren, um Schlimmeres zu verhindern. Fahrlehrer Heinz Barth aus Amberg erklärt im Interview, wie der Sozius richtig handelt.

Herr Barth, was soll ein Beifahrer tun, wenn der Fahrer ohnmächtig wird?

Heinz Barth: In so einer Stresssituation kommt es drauf an, dass man schnell und richtig handelt. Dabei kann entscheidend sein, ob der Beifahrer selbst auch einen Führerschein hat, sich mit der Technik im Auto auskennt und die Verkehrslage überblickt. Ich persönlich würde die Handbremse ziehen, ins Lenkrad greifen und versuchen, im spitzen Winkel an ein Hindernis zu fahren, um das Auto zu stoppen. Das funktioniert normalerweise auch mit einer elektronischen Handbremse.

Bringt es was, den Motor auszuschalten?

Das geht nicht so einfach. Es dauert lange, bis man den Schlüssel umgedreht hat. Und wenn es blöd läuft, kann es sein, dass die Lenkradsperre einrastet und man das Lenkrad nicht mehr bewegen kann.

Und den Gang lösen?

Das gibt erst Schwung, das Auto wird momentan schneller. Aber die angezogene Handbremse wirkt dadurch besser, da der Motorantrieb fehlt. Das Auto kommt schneller zum Stehen. Aber es ist schwierig, den Gang zu lösen. Ich bin skeptisch, dass das in so kurzer Zeit gelingt.

Wie viel Zeit hat der Beifahrer denn, um zu reagieren?

Selbst wenn das Auto innerorts mit 50 Kilometer pro Stunde unterwegs ist, geht alles sehr schnell. Innerhalb von einer Sekunde fährt es dann 15 Meter. Bis der Beifahrer reagiert, dauert es locker acht bis neun Sekunden. Er muss die erste Schrecksekunde überwinden und wenn er dann noch überlegt, bevor er reagiert, ist das Auto schon 120 Meter weiter gefahren.

Kann der Beifahrer dann überhaupt was ausrichten?

Theoretisch ja. Praktisch habe ich meine Zweifel.

Wie können sich Autofahrer für so eine Situation wappnen?

Es wäre gut, sowas mal durchzuspielen. In der Fahrschule machen wir das nicht, aber bei einem Fahr-Sicherheitstraining könnte man das tun. Das wäre eine gute Sache, für junge und für erfahrene Autofahrer.
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