Nachhilfelehrer spurlos verschwunden
Schüler stehen im Regen

Das Lehrinstitut für Orthographie und Schreibtechnik (LOS) unterhält zahlreiche Niederlassungen in ganz Deutschland. Bis September 2015 gab es auch eine in Amberg. Der Kopf der Einrichtung in der Sulzbacher Straße ist nun spurlos verschwunden. Bild: Hartl
Amberg: Lehrinstitut LOS | .
Aktualisierung: Das Rätsel um den verschwundenen Lehrer ist gelöst. Der 62-Jährige ist an Herzversagen verstorben.
Weitere Informationen im Artikel "Rätsel um vermissten Lehrer gelöst"


Was bisher geschah:

Der Briefkasten quillt über, niemand geht ans Telefon. Wo ist der Nachhilfelehrer hin? Das fragen sich nicht nur die Kinder, die in der vergangenen Woche vor verschlossenen Türen warteten, sondern auch die Eltern, die bis zu 1800 Euro Honorar gezahlt haben.

"Wir wissen nicht, was da los ist", sagt Dr. Markus Eckert aus Sulzbach-Rosenberg. Er hatte seinen neunjährigen Sohn zu einem Kurs an das Lehrinstitut für Orthographie und Sprachkompetenz (LOS) geschickt. Die Unterrichtsräume befinden sich in dem hellblauen Bürogebäude unweit der Luitpoldhütte in der Sulzbacher Straße. Vor einigen Tagen stand der Bub spätnachmittags, als es schon dunkel wurde, dort buchstäblich im Regen.

Briefkasten quillt über


"Wir haben ihn hingefahren wie immer", erzählt Eckert. Als der Schüler das Treppenhaus betreten habe, sei er weggefahren. "Gott sei Dank ist eine andere Mutter mit hinaufgegangen, sonst wären mein Sohn und die Kinder eineinhalb Stunden allein vor der Tür gestanden." Der Lehrer ist von heute auf morgen verschwunden. Der Briefkasten quillt über, am Telefon meldet sich keiner, und in der LOS-Zentrale in Saarbrücken kann auch niemand sagen, wo der Mann abgeblieben ist. "Wir arbeiten bereits seit September vergangenen Jahres nicht mehr mit ihm zusammen", erklärt Gerd Bohr, der als Geschäftsführer der LOS-Institute für alle Standorte in Deutschland verantwortlich ist. Auch bei ihm hätten sich schon besorgte Eltern aus Amberg gemeldet. Doch er habe den Anrufern keine weiteren Auskünfte geben können. Warum die Geschäftsbeziehung im Herbst 2015 endete, dazu wollte sich Bohr "aus datenschutzrechtlichen Gründen" nicht äußern. Der Verschwundene unterhielt unter dem LOS-Label zwei Standorte: den in Amberg und einen weiteren in Rothenstadt bei Weiden. Dort soll der Betrieb bereits seit Ostern 2015 ruhen. Für Weiden gibt es auch einen Telefonbucheintrag, bei dem eine Wohnadresse genannt ist. Doch laut Auskunft der Stadt war der Mann dort nie gemeldet. Jetzt fragen sich die Eltern natürlich, was mit dem Lehrer geschehen ist. In ihrem Kreis machen Gerüchte die Runde, wonach der Mann gestorben sei. Die Rede ist auch von einer Auswanderung. Er habe sich in Tschechien ein Haus gekauft, um sich zur Ruhe zu setzen, heißt es.

Wo bleibt das Geld?


Letztendlich stellt sich auch die Frage, was nun mit dem Geld passiert, das im Voraus bezahlt worden ist. "Wir wissen noch nicht, was wir jetzt tun", sagt Vater Eckert. "Wir werden weiter versuchen, ihn zu erreichen."

Wir arbeiten bereits seit September vergangenen Jahres nicht mehr mit ihm zusammen.LOS-Geschäftsführer Gerd Bohr
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