Nagetiere zwischen Taxistand und Gleisen
Rattenplage am Bahnhof

Symbolbild: dpa
 
Tagsüber sind sie eher selten zu sehen. Wenn es aber dunkel wird, tummeln sich Ratten zwischen Taxistand und Gleisen. Die Bahn hat ein Problem bei der Müllentsorgung eingeräumt. Bild: Steinbacher
Amberg: Bahnhof |

Keine öffentlichen Toiletten, Barrierefreiheit Fehlanzeige: Dass der Bahnhof nicht die beste Visitenkarte der Stadt abgibt, darüber sind sich die Amberger einig. Jetzt aber kommt ein neuer Minuspunkt hinzu - einer mit Ekel-Faktor.

"Ich habe meinen Augen nicht getraut", erzählt Bahn-Fahrer Thomas Pollanka. "Die Ratten sind vor meinen Füßen herumgesprungen." Der Berufspendler hatte am vergangenen Mittwoch gegen 22 Uhr vor dem Bahnhof auf ein Taxi gewartet.

"Da hat es mich wirklich gegraust." Auf dem Parkplatz, in den in der Nähe aufgestellten Blumentrögen aus Beton, unter der Rampe vor dem Blumenladen - überall hätten sich die Nagetiere getummelt. "Ich konnte das zuerst gar nicht glauben. Aber ich hab nicht doppelt gesehen. Ich war stocknüchtern", sagt Pollanka. Egal, ob jemand Angst vor diesen Tieren hat oder nicht, es sei einfach ein untragbarer Zustand sowohl für die Stadt Amberg, als auch für das Unternehmen Bahn, findet der Zugpassagier. "Das kann man so nicht hinnehmen."

Abfälle das Problem


Die Stadt ist sensibilisiert. "Um die Rattenpopulation im Rahmen zu halten, führt eine Fachfirma im Auftrag der Stadt zweimal pro Jahr - in aller Regel im Mai und im Oktober - eine Bekämpfungsaktion durch", erklärt Stadt-Sprecherin Susanne Schwab. Dabei hätten die Fachleute natürlich die bevorzugten Lebensräume der Nager im Visier. Dazu gehörten die städtische Kanalisation sowie die Flussläufe. "Außerdem werden Befallsmeldungen vonseiten der Bevölkerung registriert und - jeweils in Absprache mit den Gebäude- und Grundstückseigentümern - kostenlos in die Aktion mit aufgenommen", sagt Schwab. Grundsätzlich sei jedoch jeder Eigentümer für sein Gebäude oder Grundstück selbst verantwortlich und müsse, falls vermehrt Ratten auftreten, in Eigeninitiative und auf eigene Rechnung Bekämpfungsaktionen durchführen lassen. Schwab: "Dies gilt auch für den Bahnhof." Auch bei der Bahn sind die Verantwortlichen zwischenzeitlich hellhörig geworden. "Uns ist das Problem bekannt", erklärte ein Sprecher der DB Mobility Logistics AG in München auf Nachfrage. "Wir sind gerade dabei, gemeinsam mit den Mietern des Bahnhofs die Müllentsorgung zu verbessern. Zuletzt kam es leider vor, dass Abfälle nicht ordnungsgemäß verstaut und entsorgt wurden, was Tiere anlockte."

Ganz große Lösung


Zum Großprojekt Bahnhofsumbau äußerte sich der Bahn-Sprecher nicht. Wie berichtet, gab es zuletzt Überlegungen seitens der Politik, die Station abzureißen und komplett neu zu errichten. Oberbürgermeister Michael Cerny hatte dafür plädiert, bei einem Neubau das komplette Umfeld, angefangen von der Post bis zum Busbahnhof und dem gegenüberliegenden Multifunktionsplatz, zu überplanen.

Ich konnte das zuerst gar nicht glauben. Aber ich hab nicht doppelt gesehen. Ich war stocknüchtern.Bahn-Pendler Thomas Pollanka


Prinzen und Rattenfänger
Angemerkt von Uli Piehler

Viele Märchen beginnen ja mit einer gehörigen Portion Elend. Bei Hänsel und Gretel ist das so, bei Aschenputtel und auch bei der Story über den Tellerwäscher, der später einmal zum Millionär wird. Der beklagenswerte Zustand des Amberger Bahnhofs ist eine so unendliche Geschichte, dass es höchste Zeit ist, sie nach Grimmscher Manier umzuschreiben. Der Anfang ist ja nun gemacht. Mit der Rattenplage sind wir vollends in der Gosse angekommen. Es kann nur noch besser werden.

Was Amberg jetzt braucht, sind echte Rattenfänger. Keine rechten. Sondern solche vom Schlage eines Flötisten aus Hameln, eines märchenhaften Matadors, der die Tiere mit sanften Melodien aus ihren Löchern lockt, sie ekstatisch betört und dann im Gänsemarsch den Kaiser-Ludwig-Ring entlangführt. Am besten weit vor die Tore der Stadt. Vielleicht sogar bis hinter die Grenzen der Oberpfalz. Da gäbe es auch marode Bahnhöfe mit vielen Rampen und Ballustraden und sicherlich bereits den einen oder anderen Artgenossen.

Sollte sich kein solcher Märchenheld finden, gäben wir uns natürlich auch mit einem privaten Investor zufrieden. Mit jemandem, der die Station abreißt und neu wieder hinstellt. Ohne Ratten, versteht sich. Dafür barrierefrei und mit einem ordentlichen WC, einem Parkhaus, Fahrradstellplätzen und einer schicken Unterführung Richtung Schwaigerstraße. Es muss gar kein flötender Rattenfänger sein, ein Prinz tät's auch.
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