Narkose im Alter
Kleines Restrisiko bleibt immer

Dr. Wolfgang Funk referierte beim "Ratgeber Gesundheit" im Klinikum St. Marien über Anästhesie. Eine Narkose sei auch bei älteren Menschen relativ einfach und ohne große Komplikationen machbar. Bild: Mariella Kramer

Was ist bei der Narkose älterer Menschen zu beachten? Ist die Häufigkeit von Komplikationen bei operativen Eingriffen größer? Und wenn ja, wie können die Risiken möglichst gering gehalten werden? Antworten gab es beim "Ratgeber Gesundheit" im Klinikum.

Amberg. (tk) Privatdozent Dr. Wolfgang Funk hatte sich für seinen Vortrag diesen Titel ausgesucht: "Narkosen und Teilnarkosen: Auch bei Älteren und Hochbetagten eine sichere Sache". Die Frage zur Definition von "alt" klärte der Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin in einer Pressemitteilung aus St. Marien: "Mit 60 Jahren wird man älter, mit 75 wird man alt und mit 90 gilt man als hochbetagt."

Für die Narkose selbst sei nicht das tatsächliche, sondern das biologische Alter entscheidend. Und das errechne sich nicht nach dem Geburtsdatum, sondern lasse sich anhand von Lebensstil und Vorerkrankungen festmachen. Bei Menschen, die bereits einen Herzinfarkt hatten, erhöhe sich das biologische Alter und damit das Narkoserisiko. Gleiches gelte für Patienten mit Vorerkrankungen der Lunge, Niere oder des Gehirns. "Das wichtigste Organ für die Steuerung einer Narkose ist allerdings die Leber. Die gleichen Enzyme, die Alkohol abbauen, bauen auch einen Teil der Narkosemittel ab." Entgegen der landläufigen Meinung ist Narkose laut Funk kein schlafähnlicher, sondern ein komatöser Zustand. Unwillkürliche Bewegungen oder Blasen- und Mastdarmentleerungen - eine große Angst vieler Patienten - gebe es in Narkose nicht. Auch Übelkeit und Schmerzen ließen sich auf ein Minimum reduzieren: "Ziel ist es, sie schnell einschlafen, tief schlafen und schnell wieder aufwachen zu lassen. Das gelingt uns dank der exzellenten Steuerbarkeit der modernen Medikamente. Sie wirken mittlerweile so punktgenau, dass wir Sie drei bis fünf Minuten nach einem operativen Eingriff wieder aufwachen lassen können. Vor 30 Jahren - zu Beginn meiner Karriere - dauerte das noch bis zu zwölf Stunden." Insgesamt 25 Messwerte muss der Narkosearzt während des Eingriffs im Auge behalten. Geht ein Wert zu weit nach oben oder unten, ertöne sofort ein Signalton "und wir können umgehend reagieren". Natürlich gebe es immer ein kleines Restrisiko, aber dank der Entwicklung innerhalb der Anästhesie der vergangenen 20 Jahre könnten Ärzte heute Narkosen auch für 80- oder 90-jährige Patienten sicher gestalten, sagte Funk.

Jeder habe es selbst in der Hand, das geringe Restrisiko weiter zu mindern: "Wenn Sie wissen, dass eine Operation ansteht, sollten Sie so früh wie möglich zu Ihrem Hausarzt gehen und fragen, ob Sie noch richtig medikamentös eingestellt sind. Und vielleicht machen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Arzt Gedanken über die Ernährung." Viele Hochbetagte seien mangelernährt. Außerdem wichtig: der generelle Verzicht auf Schlaf- und Betäubungsmittel.
Mit 60 Jahren wird man älter, mit 75 wird man alt und mit 90 gilt man als hochbetagt.Dr. Wolfgang Funk


Nächster TerminDer nächste "Ratgeber Gesundheit" findet am Dienstag, 10. Mai, um 18 Uhr im Klinikum statt. Dann sprechen der Chefarzt der Klinik für Neurologie, Dr. Frank Huber, und Oberarzt Dr. Thorsten Heider über das Thema "Von Zecken übertragene Erkrankungen: Mythos und Wirklichkeit".
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.