Neubau der psychiatrischen Tagesklinik in Amberg schreitet voran
Silvester im Trockenen

(Foto: Wolfgang Steinbacher)

An der Wiltmaisterstraße geht es jetzt schnell: Für den Neubau der psychiatrischen Tagesklinik rollen die Fertigteile an. Bis Jahresende soll auch das Dach dicht sein.

"Nach den ersten Wochen waren wir leicht in Verzug", erklärt die Sprecherin der Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (Medbo), Lissy Höller. "Jetzt liegen wir aber wieder im Plan." Auf der Baustelle an der Ecke Wiltmaister-/Marienstraße herrscht Hochbetrieb. Täglich sind mehr als 20 Arbeiter im Einsatz. Binnen weniger Tage sind nun auch die Betonteile für den ersten Stock zusammengebaut worden, ein weiteres Geschoss folgt. Probleme hatte es kurz nach dem Spatenstich Mitte Juni mit dem Untergrund gegeben. Die Baufirma musste zusätzliche Fundamentstützen in den Boden einbringen, um bei der Statik auf Nummer sicher zu gehen. "Im nächsten Jahr liegt der Schwerpunkt auf dem Innenausbau", sagt Höller.

Die Medbo gehe fest davon aus, dass das Gebäude im Dezember 2017 fertiggestellt sei, so dass der Umzug zum Jahresende und die Eröffnung im Januar 2018 erfolgen kann. Der Bezirk Oberpfalz investiert rund 6,8 Millionen Euro in den Neubau, der zwei Tageskliniken (für Kinder und Jugendliche sowie für Erwachsene) unter einem Dach vereint. Der Freistaat Bayern übernimmt 3,5, die Medbo 2,7 Millionen Euro. Der Bezirk gibt dann auch noch rund 650 000 Euro für eine Schule aus, die die die schulpflichtigen Patienten besuchen können. Damit soll sichergestellt werden, dass sie den Anschluss an den Unterricht nicht verlieren. Die Klinik für Kinder und Jugendliche soll 12 Plätze vorhalten, die für Erwachsene 20.

An den beiden Tageskliniken arbeiten künftig 49 Vollzeitkräfte.

Nach den ersten Wochen waren wir leicht in Verzug. Jetzt liegen wir aber wieder im Plan.Lissy Höller, Sprecherin der Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (Medbo)


Angemerkt von Uli Piehler

Krank sein ist keine Schande


Dass der Bezirk Oberpfalz den alten Infektionsbau abreißen ließ und fast sieben Millionen für eine neue psychiatrische Tagesklinik ausgibt, ist ein Glücksfall für das Klinikum St. Marien und die Stadt. Der Medizin-Standort Amberg kann damit eine klaffende Lücke schließen, die schon seit Jahrzehnten klafft. Und er nähert sich einem Angebot an, das fast nur noch Universitätskliniken vorhalten können.

Psychische Erkrankungen standen viel zu lange in der Schmuddelecke der Medizin. Sich am Blinddarm operieren zu lassen - ja, das traute sich jeder zuzugeben. Aber depressiv zu sein und deswegen gar ins Krankenhaus zu müssen? Da setzte bestenfalls Schweigen ein. Wer nach Regensburg "eingeliefert" wurde oder gar nach "Karthaus" kam - vor 100 Jahren hieß das Bezirksklinikum "Königliche Kreisirrenanstalt Karthaus" - der war stigmatisiert.

Der Bezirk hat in Amberg Geld für Beton ausgegeben. Jetzt muss er in die Köpfe investieren. Damit ein Umdenken stattfindet, damit psychische Erkrankungen nicht länger tabu bleiben. Betroffene müssen sich in der Gesellschaft angenommen und integriert fühlen, nicht ausgeschlossen und verstoßen. Nur so können sie die Hilfe erhalten, die sie brauchen.

uli.piehler@oberpfalzmedien.de

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