Neue Landefläche für Rettungshubschrauber am Klinikum St. Marien stört Nachtruhe kaum
Heli fliegt nur ein Mal nachts

Die großen Black-Hawk-Hubschrauber der amerikanischen Armee müssen zwar noch Anflüge in der Dunkelheit trainieren, aber das soll im November geschehen, wenn es schon sehr früh dämmert. Dadurch können diese Anflüge schon am frühen Abend stattfinden und müssen nicht erst zu nachtschlafender Zeit erfolgen. Bild: Hartl
 
Prof. Dr. Karl-Heinz Dietl. Bild: Hartl

Ja, der Rettungshubschrauber ist im August und September doppelt so oft am Klinikum gelandet wie jeweils in den Vergleichsmonaten von 2012 bis 2015. 42 Mal flog er an, davon aber nur dreimal zwischen 20 und 22 Uhr und ein einziges Mal zur "echten" Nachtzeit gegen 3 Uhr. Die teils befürchtete Ruhestörung hielt sich also in Grenzen.

Dieses Thema flatterte am Freitag in der Verwaltungsratssitzung des Klinikums auf den Tisch, wobei Vorstand Manfred Wendl betonte, dass es sich bei dem Nachtanflug um einen "absoluten Notfall" nach einem schweren Verkehrsunfall handelte, über den auch die AZ Mitte September berichtet hatte. Eine vierköpfige Familie, die mit ihrem Pkw auf der Heimfahrt vom Urlaub war, wurde auf der B 85 bei Königstein von einem entgegenkommenden Transporter frontal gerammt. Die 29-jährige Mutter am Steuer erlitt lebensgefährliche Verletzungen und wurde deshalb mit dem Rettungshubschrauber ins Amberger Klinikum gebracht.

Notfälle akzeptieren


Keine Frage für Wendl und den Verwaltungsrat, dass dieser Transport zur Nachtzeit unbedingt notwendig war. "Da braucht man nicht zu diskutieren", warb Oberbürgermeister Michael Cerny um Verständnis für solche unvorhersehbaren Einsätze auch zu nachtschlafener Zeit. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass aber "kein Regelnachtbetrieb" auf der erst Ende Juli in Betrieb genommenen neuen Dachlandefläche herrscht. Vor allem wenn die Zahl etwa so bleibt wie bisher, "dass jedes Vierteljahr nur einer nachts kommt", sei das "unabdingbar zu akzeptieren".

Das unterstrich auch Stadträtin und Bundestagsabgeordnete Barbara Lanzinger (CSU), die dafür plädierte, mit diesem Thema "offensiv umzugehen und den Leuten das so zu sagen". Der OB empfahl potenziellen Beschwerdeführern, "mal den Standpunkt zu wechseln und sich in den Patienten hineinzuversetzen", der schwerverletzt im Hubschrauber liegt. Auch SPD-Vorsitzende Hannelore Zapf fand, dass man das "der Bevölkerung klarmachen kann". Dabei ist die Stadtverbandschefin selbst Anwohnerin am Klinikum, der nach eigener Auskunft bei Dunkelheit die Befeuerung der Landefläche sogar in die Wohnung scheint. "Aber mich persönlich stört das nicht", brach sie gleichsam eine Lanze für manchen notwendigen Nachtflug.

Nur bis Sonnenuntergang


Wendl hob in diesem Zusammenhang hervor, dass der für Amberg zuständige Helikopter Christoph 80 in der Regel nur von Sonnenauf- bis -untergang eingesetzt wird. Was die Rettungshubschrauber der US-Armee betrifft, die ihre möglichen Nachtanflüge erst noch trainieren wollen, informierte der Vorstand, dass diese Probephase auf November gelegt wurde. Und zwar, weil es in diesem Monat früher dunkel wird, so dass der Testbetrieb schon in den frühen Abendstunden und nicht wirklich nachts durchgezogen werden kann.

"Notwendig, zu wachsen"Die Leistungsentwicklung am Klinikum St. Marien geht positiv weiter. Bis einschließlich September ist die Zahl der behandelten Fälle heuer im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 639 oder rund 3,19 Prozent gewachsen. Das gab Vorstand Manfred Wendl in der Sitzung des Verwaltungsrats bekannt. Auch die sogenannten Case-Mix-Punkte sind nach seiner Auskunft um 653 oder 3,27 Prozent gestiegen. "Somit sind beide Zahlen wiederum ein Höchstwert für unser Klinikum", sagte Wendl, der insgesamt von einer "sehr erfreulichen Entwicklung" sprach. Oberbürgermeister Michael Cerny sah darin einen "Vertrauensbeweis ins Klinikum, in seine medizinischen und pflegerischen Leistungen". "Das ist das Entscheidende", meinte der OB, dankte dafür und hoffte, dass es so weitergeht. Denn vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklung sei es für Krankenhäuser "notwendig, zu wachsen".

Weidens Chefarzt in Amberg InterimschefDie Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie in St. Marien hat einen neuen kommissarischen Leiter. Es ist der Chefarzt der identischen Abteilung der Kliniken Nordoberpfalz AG aus Weiden, Professor Dr. Karl-Heinz Dietl . Er übernimmt diese Aufgabe in Amberg vorübergehend mit, so lange der Nachfolger für den im Juli ausgeschiedenen Prof. Dr. Georg Späth noch nicht feststeht.

Wie berichtet, war dafür eigentlich schon ein Wunschkandidat gefunden worden, der seine Zusage jedoch kurzfristig zurückzog. Daraufhin musste die Chefarztstelle neu ausgeschrieben werden und es entstand eine zeitliche Lücke, die der Leitende Oberarzt Dr. Georg Brugger bisher vertretungsweise füllte. Bis endgültig eine Entscheidung für den neuen Mann an der Spitze getroffen ist, soll er mit Prof. Dietl als Interimschef "Hand in Hand arbeiten", wie es in der Sitzung des Verwaltungsrats hieß. Dort stellte sich der Weidener Chefarzt nun offiziell vor. Er soll laut Klinikum zwei Mal wöchentlich Patienten mit Erkrankungen unter anderem der Verdauungsorgane, der Drüsen, Lunge und des Brustfells in Amberg operieren.

Dietl selbst sah darin eine gute Lösung, zwischen den Kliniken Nordoberpfalz und St. Marien "die Gravitation zu erhöhen". Er sprach davon, dass die Krankenhäuser "außerhalb der großen Zentren durch Kooperationen Boden gutmachen müssen". Sich in der "Peripherie gegenseitig klein zu machen, bringt nichts" - im Gegenteil müsse man sich gemeinsam positionieren, um im Wettbewerb mit den Großstädten zu bestehen. Das sahen Klinikumsvorstand Manfred Wendl und OB Michael Cerny genauso. Letzterer sprach sogar davon, dass der jetzt eingeschlagene Weg "mehr sein kann, als eine Übergangslösung - ein Katalysator, um die Zusammenarbeit unserer Kliniken zu stützen".

"Wir werden verlieren, wenn wir uns nur als Konkurrenten sehen", meinte Oberbürgermeister Cerny mit Blick auf die Großräume und lobte diese "Kooperationsphase, aus der man lernen und etwas Optimistisches gestalten kann".
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