Nicht jeder Patient ein Fall für die Notaufnahme
Notfallpraxis als eine Option

Das Klinikum St. Marien erweitert seine Notaufnahme, so dass nach Abschluss der Maßnahmen, also Anfang des Jahres 2019, dann die doppelte Anzahl an Behandlungszimmern, neue Schockräume und eine verbesserte Zufahrt zur Verfügung stehen werden. Bild: Steinbacher
 
"In meinen Augen wären kassenärztliche Notfallpraxen sehr sinnvoll." Zitat: Dr. Harald Hollnberger, ärztlicher Direktor

Bundesweit verstopfen Millionen Patienten mit leichten Erkrankungen die Notaufnahmen von Krankenhäusern: Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des Instituts Aqua. So pauschal will das Dr. Harald Hollnberger, Ärztlicher Direktor des Klinikums, allerdings nicht stehenlassen.

Auf Nachfrage teilt er mit, dass die zentrale Notaufnahme von St. Marien pro Jahr rund 26.000 Menschen durchlaufen. "Darunter sind sehr viele, die auch dringend dorthin gehören und nur wenige, die eine Behandlung dort nicht bräuchten", unterstreicht Hollnberger.

Wohin am Wochenende?


Problem sei, dass viele Menschen nicht wüssten, wohin sie sich wenden sollten, beispielsweise Mittwochnachmittags, wenn die Hausarzt-Praxis geschlossen ist, sowie an Wochenenden und Feiertagen. In Hollnbergers Augen sehr sinnvoll wäre es, sogenannte Notfallpraxen, die niedergelassene Ärzte betreiben, einzurichten. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) plant laut Hollnberger, rund 110 bis 120 Krankenhäuser im Freistaat mit diesen Notfallpraxen zu versehen. Da die zentrale Notaufnahme in Amberg gerade umgestaltet wird, gäbe es im Moment noch keine Kapazitäten dafür. Nach Abschluss der Maßnahme sähe es allerdings anders aus: "Mit der Inbetriebnahme der neuen zentralen Notaufnahme wäre es dann möglich."

Im Prinzip funktioniert das System so: Die Patienten würden wie bisher in die Notaufnahme kommen. Sollte sich allerdings herausstellen, dass der Betroffene nicht so schwer erkrankt ist, dass er gleich dort behandelt werden muss, würde er an diese Praxis, die niedergelassene Mediziner betreiben, verwiesen. Wie Hollnberger erklärt, erfolgt in einer Notaufnahme eine sogenannte Triage, also eine ärztliche Sichtung der Patienten. Danach wird entschieden, ob ein Patient sofort behandelt werden muss, weil er schwer oder lebensbedrohlich verletzt beziehungsweise erkrankt ist, oder ob er nicht vorrangig versorgt werden und warten kann.

Gespräche mit Netzwerken


Von der Struktur her würden für die kassenärztliche Notfallpraxis die niedergelassenen Mediziner gebraucht, erklärt Dr. Harald Hollnberger und erwähnt Gespräche, die mit Ärzte-Netzwerken wie beispielsweise UGOM geführt werden. Im Prinzip könnte auch eine Klinik selbst diese Praxis betreiben, bräuchte aber laut Hollnberger dafür eine Zulassung.

In meinen Augen wären kassenärztliche Notfallpraxen sehr sinnvoll.Dr. Harald Hollnberger, ärztlicher Direktor


Neue NotaufnahmeIm Juli, als St. Marien die Helikopter-Plattform in Betrieb nahm, war Spatenstich für die Erweiterung der Notaufnahme. Laut Klinikumsvorstand Manfred Wendl laufen derzeit Abbrucharbeiten und vorbereitende Maßnahmen. Als nächstes steht die Überdachung der Liegendkranken-Anfahrt an: Das Stahldach soll noch heuer realisiert werden. Weitere Ausschreibungen laufen, "so dass wir dann zügig weitermachen können". Zwei Bauabschnitte sind geplant: erst Erweiterung, später Sanierung des Altbestands. Der Abschluss der Maßnahme ist für 2019 vorgesehen, dann steht die doppelte Kapazität an Behandlungszimmern, neue Schockräume und eine bessere Zufahrt zur Verfügung. Veranschlagt sind nach Angaben des Klinikumsvorstands rund zehn Millionen Euro inklusive Parkplätze und Außenanlagen. (san)
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