Nur ein Geständnis rettet Angeklagten vor längerer Haft
Im Auto wollte er plötzlich Sex

Symbolbild: dpa

Die Sexualattacke endete erst kurz vor der Vergewaltigung. Weil er sich in seinem Auto an einer wehrlosen jungen Frau vergriff, bekam ein 28-Jähriger zwei Jahre zur Bewährung. Nur ein Geständnis rettete ihn vor einer längeren Haft.

Die Zeiten haben sich geändert. Heute chattet man im Internet, tauscht Vertrauliches aus, trifft sich oft schon nach relativ kurzer Zeit zu einem, wie es neudeutsch heißt, ersten Date. Wichtig für den Mann muss dabei sein: Wenn eine Frau "Nein" sagt, dann bedeutet das auch ganz selbstverständlich die Ablehnung jeglicher Annäherung.

Die damals 19-Jährige und der in Amberg stationierte Zeitsoldat aus dem Osten Deutschlands hatten sich über ein Internetportal kennengelernt. Bereits dabei gab der 28-Jährige Anzüglichkeiten von sich, schickte auch schamlose Bilder. Doch die Frau ging auf seine Einladung ein, stieg in das Auto des Soldaten. Die Tour, gestartet im Dezember 2014, führte zunächst ziellos durch Amberg. Dann stoppte der Mann an abgelegener Stelle bei Speckmannshof. Er verriegelte die Türen, nahm seiner Beifahrerin das Handy weg und begann mit einer Sexualattacke.

DNA-Spuren gefunden


"Ich habe sie nur an den Hals geküsst", ließ der 28-Jährige jetzt vor dem Schöffengericht wissen. Doch das, so wurde ihm sofort deutlich gemacht, sei wohl anhand vorliegender Angaben des Opfers in den Bereich der Fabel zu verweisen. Was in den Akten stand, war heftig: Der Soldat schritt vehement zur Tat, wurde zudringlich und handgreiflich, ignorierte die Abwehrhaltung seines Opfers. In der Unterwäsche der 19-Jährigen wurden später nach polizeilich angeordneten Auswertungs-Analysen eindeutige DNA-Spuren des Mannes gefunden. "Sie kommen hier nicht um einen längeren Haftaufenthalt herum", machte Staatsanwältin Michaela Frauendorfer deutlich. Auch Gerichtsvorsitzender Markus Sand insistierte: "Ein Kuss auf den Hals kann wohl nicht alles gewesen sein."

Der Angeklagte besprach sich mit seinem Anwalt Gerd Zirovnik (Regensburg). Dann gab er die Sexualattacke im Auto zu. Damit ersparte der 28-Jährige seinem bis heute traumatisierten Opfer eine Aussage vor Gericht. Nach längerer Diskussion erklärte er sich auch bereit, der heute nicht mehr in Amberg wohnenden Frau 5000 Euro zu zahlen. Seine Entschuldigung nahm die jetzt 20-Jährige zwar zur Kenntnis, akzeptierte sie aber nicht.

Nur sein sehr spätes Geständnis bewahre ihn nun wohl vor dem Gefängnis, unterstrich Staatsanwältin Frauendorfer in ihrem Plädoyer und verlangte zwei Jahre Haft mit Bewährung für den bis dahin nicht vorbestraften Täter. "15 Monate sind genug", ließ Anwalt Zirovnik wissen. Das Schöffengericht verhängte zwei Jahre mit Bewährung und machte dem Angeklagten die Zahlung von 5000 Euro an das Opfer zur Auflage. "Sie waren sexuell interessiert, orientiert und sind zudringlich geworden", sagte Richter Sand. Der von dem 28-Jährigen anfänglich geschilderte Kuss an den Hals war im Übrigen ein heftiger Biss. Darüber hinaus gab es weitere Verletzungen am Ober- und Unterkörper, die im Klinikum bei der Frau festgestellt wurden. Sie hätten durch einen als Zeugen geladenen Oberarzt genauer beschrieben werden sollen. Doch der Mediziner erschien nicht.

Angst um den Job


Das anfängliche Leugnen des 28-Jährigen war offensichtlich nur seinem weiteren Verbleib als Zeitsoldat bei der Bundeswehr geschuldet. Nach der Verurteilung muss er nun um seinen noch bis 2020 laufenden Vertrag bangen. Sollte man ihn entlassen, stünde der Mann vor dem beruflichen Ruin. Etwas anderes als den Dienst an der Waffe hat er nicht gelernt.

Angemerkt: Ordnungsgeld für OberarztRichter, Anklagevertreterin und zwei Anwälte warteten eine Viertelstunde. Dann kam es zu einer Sanktion, die einem Oberarzt des Klinikums St. Marien nun an den Geldbeutel geht. Weil der Mediziner trotz fristgemäßer Ladung nicht als Zeuge vor dem Schöffengericht erschien, muss er 300 Euro Ordnungsgeld zahlen oder ersatzweise drei Tage in Haft gehen. Damit setzte die Justiz ein Zeichen. Denn auch Akademiker können sich geltender Bürgerpflicht nicht entziehen. Dabei hätte das Schöffengericht durchaus auch die Möglichkeit gehabt, den Mann von seiner Arbeitsstelle holen und durch Polizeibeamte vorführen zu lassen.

Worum ging es? Der Oberarzt war wohl seinerzeit im Dienst, als eine junge Frau erschien und wissen ließ, sie sei einem sexuellen Übergriff zum Opfer gefallen. Er untersuchte die damals 19-Jährige, schrieb danach einen Bericht. Der lag nun zwar in schriftlicher Form vor. Doch nach der Strafprozessordnung muss ein Zeuge auch dann erscheinen, wenn er vorher seine Angaben zu Papier gebracht hat. Egal, ob er das selbst tut oder vor Vernehmungsbeamten. Denn letztlich könnte es sein, dass es ergänzende Nachfragen gibt.

In dem Prozess hatte es zunächst durchaus danach ausgesehen. Doch dann kam nach anfänglichem Leugnen ein Geständnis des Täters. Von daher war die Sexualattacke, geschehen im Auto des Mannes, in ihren teilweise sehr heftigen Einzelheiten erwiesen. Dass der Angeklagte zunächst log, war - wie sich herausstellte - der Angst um seine weitere Laufbahn als Zeitsoldat bei der Bundeswehr geschuldet.

Das aber konnte der, wie es im Amtsdeutsch heißt, "Sachverständige Zeuge" nicht wissen. Er ignorierte die Ladung und schuf damit eine Situation, die durchaus kein Ausnahmefall ist. In der Vergangenheit hatte es bei Gerichten in Amberg und Schwandorf wiederholt Situationen gegeben, bei denen Ärzte glaubten, sie könnten über ihr Erscheinen vor der Justiz selbst befinden. Berufliche Anforderungen können da nicht als Gründe gelten. Denn auch der Bauarbeiter muss seine Schaufel aus der Hand legen, wenn es das Ringen um Wahrheit und Gerechtigkeit erfordert.

redaz@zeitung.org
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