Oberpfalz an der Spitze der Waffenzulassungen
Unter Beschuss

Waffenbesitzer, die ihre Gewehre zu Hause lagern, müssen ihre Schusswaffen getrennt von der Munition in spezielle Schränke schließen. Bild: dpa
 

Unterschleichach, Silvester 2015: Ein 53-Jähriger schießt "aus Wut" in eine Personengruppe, verletzt eine Elfjährige tödlich. Der Täter hatte legalen Zugang zu Waffen - wie viele Sportschützen und Jäger. In der Oberpfalz gibt es bayernweit mit Abstand die meisten Waffenscheininhaber. Doch warum ist das so?

Amberg/Weiden. Die Schützenvereins- und Jagdkultur blüht in der Oberpfalz. Seit vergangenem Jahr zeichnet sich ein neuer Trend ab. Die Nachfrage nach Schreckschusswaffen steigt enorm, Pfefferspray ist in vielen Geschäften ausverkauft. Auch im Landkreis Schwandorf wurden ungewöhnlich viele Anträge für den kleinen Waffenschein gestellt.

20 500 zugelassene Schusswaffen waren 2015 im Landkreis registriert. Bei 144 000 Einwohnern kommen 142 Waffen auf 1000 Personen. "Gemeldet werden müssen erlaubnispflichtige Kurz- und Langwaffen", erklärt Hans Prechtl, Pressesprecher des Landratsamtes Schwandorf. Die Zahl der Waffenbesitzer sei in den vergangenen Jahren rückläufig. "Ein Grund liegt darin, dass eine Weitervererbung von Waffen nur noch an Berechtigte wie Sportschützen oder Jagdscheininhaber möglich ist."



Ich kann nachvollziehen, dass Menschen Spaß an diesem Sport haben. Aber wenn es um den sportlichen Aspekt geht, dann können sie auch mit Druckluftwaffen schießen.Roman Grafe, Sprecher der Initiative "Keine Mordwaffen als Sportwaffen"

Angestiegen seien die Anträge für den kleinen Waffenschein - wie auch in den Landkreisen Tirschenreuth, Neustadt/WN, der Stadt Weiden und Amberg. Das Papier erlaubt den Inhabern, erlaubnisfreie Waffen wie Schreckschusspistolen in der Öffentlichkeit mit sich zu führen. "2014 hatten wir 30 Anträge, 2015 waren es 73 und 2016 sind schon 60 Anträge bei uns eingegangen." Warum das so ist, ahnt Peter Krämer, Pressesprecher der Polizeiinspektion Amberg. "Bei den Menschen herrscht eine gewisse Unsicherheit. Sie wollen Schreckschusspistolen mitnehmen, um sich im Notfall verteidigen zu können."

Deutlich "unter Landkreisniveau" liegt die Stadt Weiden. 2015 waren insgesamt 3132 Waffen, davon 1145 Kurz- und 1987 Langwaffen, gemeldet, erklärt Reinhold Gailer von der Stadt Weiden. Aktuell wohnen 622 Inhaber eines entsprechenden Scheines im Stadtgebiet. "Um festzustellen, ob ein Antragssteller in der Lage ist, eine Waffe zu besitzen, prüfen wir die persönliche Zuverlässigkeit und Eignung - durch das Bundeszentralregister, dem Verfahrensregister und fragen bei der Polizei nach." Zudem muss eine Prüfung über Sachkunde-Kenntnisse abgelegt werden. "Wichtig ist, dass ein Bedarf nachgewiesen wird, insbesondere die Mitgliedschaft in einem schießsportlichen Dachverband oder die Vorlage eines gültigen Jagdscheins", betont Gailer. Auch die Kontrolle liege bei der Stadt. Verstöße gegen das Waffengesetz seien im vergangenen Jahr kaum zu verzeichnen gewesen. Die Zahl der Waffenbesitzer habe in den vergangenen Jahren um ein Drittel abgenommen.

13 529 erlaubnispflichtige Waffen sind im Landkreis Neustadt/WN registriert - das entspricht rund 142 Waffen pro 1000 Einwohner. "Alle Schusswaffen gehören Jägern oder Sportschützen", erklärt Alfred Kett, Mitarbeiter der Abteilung Waffenrecht am Landratsamt. Seit Jahren seien die Zulassungen weder gestiegen noch gesunken.

Im Landkreis Tirschenreuth gibt es mit 10 595 registrierten Waffen - rund 144 Waffen pro 1000 Bürger - die höchste Dichte in der Oberpfalz. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Waffenbesitzer deutlich zurückgegangen, erklärt Rita Hammer, Mitarbeiterin der Abteilung Waffenrecht im Landratsamt. Die meisten Registrierten seien zwischen 50 und 80 Jahre alt.

Das Schlusslicht unter den Landkreisen bildet Amberg-Sulzbach. Mit 12 807 registrierten Schusswaffen kommen 125 Waffen auf 1000 Bürger. "Unser Landratsamt überprüft Inhaber waffenrechtlicher Erlaubnisse in regelmäßigen Abständen - mindestens alle drei Jahre", erklärt Christina Hollederer, Pressesprecherin des Landratsamtes. Die Behörde arbeite eng mit der Polizei zusammen, "zum Beispiel bei der Fachberatung und der Begutachtung von Waffenräumen".

Striktes Verbot von Waffen


Die Initiative "Keine Mordwaffen als Sportwaffen!" setzt sich für ein striktes Verbot von scharfen Waffen im Schießsport ein. "Seit 1990 starben mehr als 200 Menschen durch die Waffen von Sportschützen. Darin sind die Suizid-Fälle nicht mit eingerechnet", erklärt Roman Grafe, Sprecher der Initiative, die sich am Abend des Amoklaufs von Winnenden im März 2009 gründete.

Die anschließenden Neuerungen des Waffengesetzes, die strengeren Kontrollen der Waffenlagerung ermöglichen, seien unzureichend. "Mehr als 90 Prozent der Tötungen werden von den Vereinsmitgliedern begangen, nicht von Familienangehörigen, die Zugang zu Waffen haben." Die einzige Lösung sei ein striktes Verbot von tödlichen Sportwaffen. "Die Mehrheit der Bevölkerung verdrängt die Gefahr. Wenn etwas passiert, denken sie kurz darüber nach, die Forderung nach Gesetzesänderungen wird laut - genauso schnell ist der Konflikt wieder vergessen. Deshalb werden Vorfälle wie in Winnenden oder Erfurt wieder passieren." Viele Sportschützen würden Waffen nicht in erster Linie als das sehen, was sie seien, "nämlich Mordwaffen". "Ich kann nachvollziehen, dass Menschen Spaß an diesem Sport haben. Aber wenn es um den sportlichen Aspekt geht, dann können sie auch mit Druckluftwaffen schießen."

Peter Krämer von der Polizeiinspektion Amberg sieht keinen Grund zur Sorge. "Ich glaube nicht, dass die legalen Waffen das Problem sind, eher die illegalen Waffen." 99,9 Prozent der berechtigten Inhaber würden mit ihren Waffen "absolut verantwortungsvoll" umgehen. Problematisch sei die vermehrte Nachfrage an Schreckschusspistolen - vor allem für Polizeibeamte. "Sie sehen aus wie echte Waffen. Auch wenn sich ein Schuss löst, kann man das Geräusch nicht von einem richtigen Schuss unterscheiden." In einer Notlage solle man sich defensiv verhalten und die Polizei informieren, "dass ist besser, als sich zu bewaffnen", betont Pressesprecher Krämer.
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Alexander G. aus Ursensollen | 22.01.2016 | 20:31  
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