Oberstufen-Schulspielgruppe des Erasmus-Gymnasiums zeigt "Halb auf dem Baum": Ausbrechen aus ...
Der Lebensstil macht noch keinen ganzen Menschen

Das Stück "Halb auf dem Baum" zeigte mit oftmals bissiger Situationskomik und hintergründigem Humor, dass der Lebensstil, gleich in welcher Form, eben keinen ganzen Menschen macht und Erfüllung etwas mit Authentizität zu tun hat - oder wie es Fitzbutress ausdrückt: "Ich war eben auch nur halb auf dem Baum". Bild: Steinbacher

Von Christine Kleinert

Amberg. Samstag, 8. April 1967, im Hause der Familie Fitzbutress in Fleet. Vater und halbwüchsiger Sohn stehen sich gegenüber, zum ersten Mal seit vier Jahren, in denen der Vater als General ehrenvoll seinem Land gedient hat. "Du bist...gewachsen?!" Mehr der Worte sind ihm unmöglich - alle weiteren Umstände, die sich in seiner Abwesenheit verändert haben, rauben ihm sichtlich den Atem (überzeugend auf die Bühne gebracht von Lukas Jakob): Sohn Robert ist nicht nur gewachsen, sondern hat die Schule geschmissen und lebt auf Pump, wie es sich für einen langhaarigen Hippie-Rebellen gehört (Luca Baumgärtner).

Tochter Judy (naiv-rebellisch gespielt von Lena Czarnec) ist schwanger, aber nicht verheiratet oder verlobt, sondern verkracht mit all jenen, die als Vater in Frage kommen könnten. Fitzbutress nimmt all das in "General-Manier" mit fassungsloser Fassung zur Kenntnis. Er ahnt bis zu diesem Zeitpunkt nicht, dass seine in jeder Situation die englische Contenance wahrende Frau Lady Doris (Johanna Scheuck) in seiner Abwesenheit regelmäßig nächtlichen Besuch erhielt, ausgerechnet vom langjährigen Freund der Familie, Brigadegeneral "Tiny" (Timo Schmid).

Fitzbutress selbst toppt in "Halb auf dem Baum", das die Oberstufen-Schulspielgruppe des Erasmus-Gymnasiums bei den Schultheatertagen aufführt, den ganzen Zirkus. Er steigt aus beziehungsweise auf einen Baum, den er zu seinem neuen Zuhause erklärt, trägt ab sofort Patchwork-Pumphosen samt grob gestrickter Leinen-Decke als Oberbekleidung, die Gitarre unterm Arm, umgeben von einer Wolke Pferdedung und geht selbstverständlich barfuß. Das norwegische Au-pair-Mädchen Helga (Helena Wesnitzer), bietet ihm unverhohlen seine Liebesdienste an, die er ablehnt - allerdings mit einem Tick Verzögerung.

Spätestens an dieser Stelle wird ihm die ganze Absurdität seines Daseins vor Augen geführt. Nun, da er aus allen Konventionen ausbricht und sich im Grunde den Wünschen der "neuen wilden Generation" fügt, stößt er auf noch größere Missbilligung, gar Entsetzen über seinen Sinneswandel. Doch schließlich gibt es eine Art Happy End: eine Doppelhochzeit der Kinder, die nun doch den Wert einer gutbürgerlichen Familie zu schätzen gelernt haben, wobei Dominik Wirsching den Auserwählten von Judy spielt. Der Vikar (Julian Prechtl), der als eine Art bibelfester Moderator durch die Akte führte, beschwichtigt erhaben die erhitzten Gemüter: "Tut das, was man bei einer Hochzeit tut: Lächeln." Die Schüler brachten das Stück mit Stil und Liebe zum Detail auf die Bühne, ihre Spielfreude war spürbar, die Zusammenarbeit mit dem Regie- und Technikteam (Nina Mc Allister, Timon Kleierl, Maximilian Kreuzer, Bastian Pfab und Sebastian Kistenpfennig) hervorragend. Regisseur Peter Seidl hatte gekonnt Kürzungen vorgenommen, was dem Zuschauer einen kurzweiligen und tiefsinnigen Abend bereitete.
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