Öffentliche Führung über Bürgerspital-Ausgrabung
Königliches Vermächtnis

Auf überraschend großes Interesse stieß die von dem Archäologen Dr. Mathias Hensch (innerhalb der Absperrung) angebotene Führung zu den Ausgrabungen auf dem Bürgerspital-Areal. Das zuletzt freigelegte Pferde-Skelett war jedoch wegen weiterer wissenschaftlichen Untersuchungen bis auf den Beckenknochen nicht mehr da. Bild: Hartl

Eines steht jetzt schon fest: Das für die nächsten Jahrzehnte wichtigste Innenstadt-Projekt wird nicht annähernd so lange überdauern, wie das, was am Anfang da war.

Da können die Planer noch so viel hochwertigen Beton in den Boden des Bürgerspital-Areals gießen, sechs-, siebenhundert Jahre wird das garantiert nicht halten. Das steht für den Archäologen Dr. Mathias Hensch unweigerlich fest. Diese Anmerkung hinterließ am Freitagnachmittag spontan durchaus einen Anflug von Zivilisationskritik im Sinne der Schnelllebigkeit dessen, was im Hier und Jetzt als ach so zukunftsweisend erachtet wird.

Dieser oder ein ähnlicher Gedanke dürfte in diesem Augenblick nicht wenigen Ambergern in den Sinn gekommen sein. Erstaunlich viele waren zu einer öffentlichen Führung über das derzeitige Ausgrabungsgelände mitten in der Altstadt gekommen. Wegen der Weitläufigkeit des Areals zwischen der Bahnhofstraße und dem Ringtheater war eine Schätzung schwer. 150 bis 200 Leute dürften sich aber schon dafür interessiert haben, was Alteingesessene in ihrer Erinnerung maximal als das Altenheim Bürgerspital kennen.

Dieser Bau wurde zwar schon länger geräumt, aber erst in den vergangenen zwei Jahren ist er restlos verschwunden. Geblieben sind jedoch unter der einstigen Kellersohle des abgerissenen Komplexes die Mauerreste der baugeschichtlichen Vergangenheit. Ambergs gesamte Altstadt steht unter Denkmalschutz, betonte Hensch einführend. Die Konsequenz: "Jeder, der in der Innenstadt ein größeres Loch gräbt, braucht eine denkmalschutzrechtliche Erlaubnis."

Zeichnet sich ein Bodendenkmal ab, dann ist als freiberuflicher Archäologe Hensch oder einer seiner Kollegen am Zug. Durchaus Erstaunliches (wir berichteten) hat er bei seinen Grabungen im Auftrag der Stadt auf diesem Areal zutage gefördert. Die Geschichte rund um das Bürgerspital und die dazugehörige kleine Kirche muss deshalb nicht umgeschrieben werden. Sie wird jedoch plastischer, vorstellbarer und für die Wissenschaft eindeutiger verifizierbar.

Stattlicher Massivbau


Erstes markantes und historisch gesichertes Datum: 1317, Ludwig der Bayer (1282/86 bis 1347) stellt das Grundstück für eine Spitalstiftung zur Verfügung. Es lag außerhalb des eigentlichen Siedlungsgebiets, die Zweckbestimmung entsprach jedoch der bis zur letzten Nutzung. Sie war sozial geprägt und blieb den Armen und Schwachen vorbehalten. Über die Jahre entstand hier Zug um Zug bereits im 14. Jahrhundert ein durchaus stattlicher, massiver Bau mit den Zirka-Abmaßen 30 mal 15 Meter.

Alle für die ursprüngliche Zweckbestimmung notwendigen Einrichtungen (unter anderem Feuerstelle, Kachelofen, Zisterne, Werkstätten) konnte Hensch mit seinen Mitarbeitern archäologisch nachweisen und er fand zudem Hinweise, dass im Umfeld der Spitalkirche wohl auch vor 1317 bereits ein Bau - allerdings in Holzbauweise - gestanden sein dürfte. Eine Postkarte von 1902 zeigt noch rund 600 Jahre später das auf die Ursprünge zurückgehende Spital, das genaue Abrissdatum ist aber nicht überliefert.

Ab 2018 wird gebaut


An dessen Stelle trat in den 60er Jahren das Bürgerspital, wie es viele Amberger noch kennen. 50, 60 Jahre später ersetzte es ein Neubau an der Zentrumsperipherie. Nach dem Abriss des Altbaus soll 2018 ein Komplex zur geweblichen und Wohnnutzung mit Tiefgarage entstehen. Die von Hensch freigelegten Funde (zuletzt ein skelettiertes Pferd) werden also wieder verschwinden, und "die Dokumentation tritt an die Stelle des Denkmals".

Die Dokumentation tritt an die Stelle des Denkmals.Dr. Mathias Hensch,


Jeder, der in der Stadt ein größeres Loch gräbt, braucht eine denkmalschutzrechtliche Erlaubnis.Dr. Mathias Hensch
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