Oliver Endres aus Amberg packt in Simbach mit an
Tränen der Rührung im Schlamm

Eines von vielen Bildern, das Oliver Endres aus Simbach am Inn mitgebracht hat. Helfer legen ein von der Schlammlawine überrolltes Auto frei. Bild: hfz

Amberg/Simbach am Inn. Er hat einfach sein Auto mit Spenden vollgepackt und ist losgefahren: Oliver Endres (39) aus Amberg war einer von mehr als 3000 Menschen, die nach der Unwetterkatastrophe in Simbach am Inn beim Aufräumen geholfen haben. Zwei Tage hat der Oberpfälzer zusammen mit den Einheimischen Trümmer weggetragen und Schlamm geschaufelt. Müde, aber mit vielen ergreifenden Eindrücken, ist Endres mittlerweile wieder nach Amberg zurückgekehrt. Simbach war in den vergangenen Tagen hermetisch abgeriegelt, um Schaulustige fernzuhalten. Endres durfte den Kontrollpunkt am Stadtrand natürlich passieren. Der Bereitschaftspolizist, der ihn durchgelassen hat, stammte aus Wolfsbach in der Gemeinde Ensdorf. Erste Anlaufstation war der Bauhof der Stadt, dort wurde die Freiwilligen-Hilfe koordiniert.

Zusammen mit einer Gruppe anderer Helfer hat Endres unter anderem einen 82-jährigen, alleinstehenden Herrn besucht. "Im Keller und Erdgeschoss schufteten fünf ihm fremde Leute. Auch die Nachbarmädels. Er hatte kein Essen mehr. Kein Wasser", berichtet der Amberger. "Ich habe ihm im Lärm der Pumpen ins Ohr gebrüllt: I kumm aus Amberg. I hätt a Bier, a Wurscht und Brot dabei. Da strahlte er mich an."

In der besonders betroffenen Gartenstraße verteilte Endres Wurstsemmeln, Bier und Limonade an die Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks. "Das war moralische Unterstützung für die Truppe. Einer Frau standen die Tränen in den Augen, als wir erzählten, von wo ich extra hergekommen bin." Bei der Sturzflut in der vergangenen Woche war die Wasserhöhe im ansonsten ruhig dahinplätschernden Simbach binnen sieben Minuten auf fünf Meter angewachsen.

"Dabei riss das Wasser große Teile eines Sägewerks mit Schnittholz mit. Die Balken wurden zu Geschossen und verursachten in der Flut-Schneise die größten Schäden." So wie an einer Garage. Endres half mit, ein völlig demoliertes Auto aus der Schlammlawine auszugraben. Der Eigentümer war auch dabei. "Schade, jetzt hat mir der Baum auch noch die Seitenscheibe eingedrückt", habe dieser selbstironisch gesagt. Auf die Feststellung, dass das Fahrzeug doch nur noch Schrott sei, sagte der Einheimische: "Nein, das richte ich wieder her. Dem fehlt doch quasi nichts". Und er lachte dazu fröhlich. Der Mann war per Hubschrauber aus den Fluten gerettet worden, sein Wohnhaus steht nicht mehr.

Bemerkenswert sei auch die Hilfsbereitschaft der Nachbarstädte. Aus dem österreichischen Braunau am Inn kämen täglich Helfer herüber. "Es wird noch lange dauern in Simbach und Umgebung, bis es wieder ein normales Leben gibt", bilanziert Endres. "Mich haben diese zwei Tage sehr bewegt und aufgewühlt. Liebe Simbacher, ihr wisst: You'll never stand alone. Wir Bayern, wir stehn zamm!"

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Die gesammelten Eindrücke der Hilfsaktion im Internet: www.onetz.de/bildergalerie

Mich haben diese zwei Tage sehr bewegt und aufgewühlt. Liebe Simbacher, ihr wisst: You'll never stand alone. Wir Bayern, wir stehn zamm!Oliver Endres
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