Opfer war 13 Jahre alt, der Täter 19
„Keinerlei Zweifel“ an Vergewaltigung

Symbolbild: dpa

Das Verbrechen war übel, die Strafe dafür liegt eher im unteren Bereich. Weil er auf der Kräuterwiese eine 13-Jährige brutal vergewaltigte, muss ein junger Mann sechs Jahre in Haft. Im Urteil findet sich auch eine zweite schwere Sexualstraftat wieder.

Drei Tage wurde hinter verschlossenen Saaltüren verhandelt. Nur die Urteilsverkündung war öffentlich. Nahezu eine Stunde lang befasste sich dabei der Vorsitzende der Jugendkammer, Landgerichtspräsident Harald Riedl, mit dem Hergang einer Tat, die bisher nur andeutungsweise von den Behörden öffentlich gemacht worden war.

Am Rande einer Party


In der Nacht zum 25. Juli vergangenen Jahres feierten über 40 junge Leute eine Geburtstagsparty auf der Kräuterwiese. Unter ihnen, so ließ Riedl nun anklingen, befand sich auch eine 13-Jährige aus dem Kreis Schwandorf. Sie hatte ihrer Mutter erzählt, bei einer Freundin übernachten zu wollen. Stattdessen erschien sie in Amberg und trank, wie alle anderen auch, Alkohol. Das führte dazu, dass die Schülerin müde wurde und sich allein auf eine Bank beim Parkdeck setzte.

Die 13-Jährige wurde von zwei jungen Männern hochgehoben, fortgetragen und auf eine Tischtennisplatte gelegt. "Dabei fiel das russische Wort für Schlampe", sagte Riedl. Einer der Männer zog sich zurück, der andere wollte ein sexuelles Abenteuer. "Er nahm sie, brachte das Mädchen in ein 24 Meter entferntes Gebüsch und vergewaltigte es dort", hieß es in der Urteilsbegründung. Vorher noch hatte sich der Täter nach dem Alter seines Opfers erkundigt und es wahrheitsgemäß erfahren.

Das Opfer leistete Gegenwehr, hatte aber keine Chance gegen den damals 19-Jährigen. Nach dem Übergriff blieb die 13-Jährige weinend und schluchzend im Gebüsch liegen. "Der Täter zog sich die Hose hoch und ging zurück zur Party." Kurz darauf erfuhr die abseits vom Tatort weiter feiernde Gesellschaft von dem bis heute nachhaltig traumatisierten Mädchen: "Ich bin vergewaltigt worden." Wer dafür verantwortlich war, stellte sich sofort heraus.

Angeklagter schwieg


Bei den Ermittlungen ergab sich eine DNA-Spur, die nach Worten des Vorsitzenden mit absoluter Sicherheit auf den nun bald 20 Jahre alt werdenden Mann als Sexualtäter hinwies. "Es gibt keinerlei Zweifel", unterstrich Riedl die Überzeugung der Richter, "dass dieses Verbrechen so ablief, wie es uns die damals 13-Jährige hier schilderte." Der Angeklagte hatte während des gesamten Prozesses geschwiegen und lediglich seine Beteiligung zurückgewiesen.

Täter unbeeindruckt


Jetzt muss der bereits vorher bei den Behörden als Sexualtäter bekannt gewordene 19-Jährige sechs Jahre in Haft. "Eine Vorahndung hat ihn nicht beeindruckt", sagte der Gerichtsvorsitzende. Zu seinen Gunsten spreche allenfalls der von ihm konsumierte Alkohol. Doch der habe die Steuerungsfähigkeit nicht beeindruckt.

Was Verteidiger Dr. Georg Karl (Regensburg), Staatsanwältin Michaela Frauendorfer und Nebenklagevertreter Jörg Jendricke in ihren Plädoyers verlangten, blieb unerwähnt. Es unterlag der Schweigepflicht eines nichtöffentlichen Verfahrens.

Urteil macht sprachlos


Angemerkt von Wolfgang Houschka

Der Mann ist unberechenbar. Erst fiel der Gelegenheitsarbeiter über eine 17-Jährige her, dann vergewaltigte er eine Schülerin im Kindesalter auf der Kräuterwiese in übelster Weise. Trotz seiner erst knapp 20 Lebensjahre muss er als Sexualtäter qualifiziert werden, der seine Triebe erbarmungslos umsetzt.

Richtig ist: Für Jugendliche und Heranwachsende gelten im Strafrecht besondere Regeln. Gewiss ist aber auch: Der junge Mann hatte nach seinem ersten Übergriff eine Milde erfahren, die sich Prozessbeobachter nicht erklären konnten. Damals gab man ihm Bewährung im Vertrauen darauf, dass er wohl durch den richterlichen Wink mit dem Zaunpfahl "fortan ein straffreies Leben führen wird".

Vier Monate später vergewaltigte er eine 13-Jährige. Aus einer Laune heraus und in der Meinung, er könne das tun. Ein Verbrechen, das sprachlos macht und den in seiner Steuerungsfähigkeit nicht beeinträchtigten Täter als unbelehrbar identifiziert. Frauen dürfen kein Freiwild sein. Auch nicht für einen Heranwachsenden. Von daher machen die jetzt verhängten sechs Jahre ebenfalls sprachlos. Zumal die Ahndung aus der ersten Tat in das Urteil einbezogen wurde.

redaz@derneuetag.de

Zuvor 17-Jährige missbrauchtVier Monate vor dem Vergewaltigungs-Verbrechen auf der Kräuterwiese hatte der Angeklagte zwei Jahre zur Bewährung wegen eines ähnlichen Übergriffs erhalten. Die damals unter einem anderen Vorsitzenden tagende Jugendkammer des Landgerichts war zu der Überzeugung gelangt, dass er zusammen mit einem Mittäter eine 17-Jährige durch Alkohol willenlos machte und sie in einem Zimmer missbrauchte. Davon wurden auch Videoaufnahmen angefertigt.

Die Strafe, die seinerzeit Verständnislosigkeit auslöste, wurde nun in das Urteil von sechs Jahren Haft einbezogen. "Die damalige Ahndung war in den Wind gesprochen", schrieb Landgerichtspräsident Harald Riedl dem 19-Jährigen jetzt ins Stammbuch. Gleichwohl werden nun auch die verhängten sechs Jahre Diskussionen auslösen. Denn sie liegen im absolut unteren Bereich.

Zu Beginn des Prozesses hatte Anwalt Dr. Georg Karl den Ausschluss der Öffentlichkeit verlangt und darauf verwiesen, dass dabei auch Einzelheiten aus dem Intimleben seines Mandanten diskutiert werden könnten. Als sich die Saaltüren gegen den Widerstand der Staatsanwaltschaft tatsächlich schlossen, machte der 19-Jährige von seinem Schweigerecht Gebrauch.
1 Kommentar
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diana auerbacher aus Amberg in der Oberpfalz | 21.04.2016 | 20:42  
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