OTH sucht nach Gründen für Durchfaller-Quote
Gemeinsam nachrechnen

Die Matheprüfungen an der Ostbayerischen Technischen Hochschule bilden oft die Grundlage für ein erfolgreiches ingenieur- oder naturwissenschaftliches Studium. Bild: Hartl

Die Studenten der Ostbayerischen Technischen Hochschule schwitzen: Heute werden die Prüfungsergebnisse bekannt gegeben. Manche müssen wiederholen, für einige ist das Studium vorbei: durchgefallen. Viele brechen aber auch ihr Studium ab, ohne durchzufallen. Die OTH sucht nach Gründen.

Weiden/Amberg. Eine nicht bestandene Prüfung: eine niederschmetternde Nachricht. Umsonst gelernt, der ganze Stress beginnt von vorne. Etwa 50 Prozent der Studierenden haben in den Jahren 2003 bis 2010 ihr Studium des Maschinenbau, der Medienproduktion und -Technik oder der Umwelttechnik in Amberg vorzeitig abgebrochen. Das ergab eine Studie, die Prof. Dr. Horst Rottmann und Bernd Rager im Auftrag der Technischen Hochschule zur Verbesserung der Lehrqualität durchgeführt haben (wir berichteten).

Der Berufsschullehrer Peter Brunner hat einige der Studienabbrecher persönlich kennengelernt: "Die kommen dann zu mir in den Unterricht", sagt er. Einer wollte unbedingt studieren. Der hätte vor Wut in seiner Klasse geheult: "Nur wegen dem sch... Mathe!" Für Schüler ohne Abitur seien die Anforderungen trotz Vorbereitungskursen zu hoch: "Das hat sich immer wieder auf den Punkt Mathematik konzentriert", sagt Brunner.

"Mathe ist nicht zu schwer"


Ist Mathe an der OTH zu schwer? "Nein" meinen Studierende: "Im ersten Semester ist 70 Prozent Stoff wiederholt worden, den ich schon aus der Schule kannte", sagt Felix Wieser. Er hat in Amberg den Bachelor in Maschinenbau gemacht. Es werde eher wenig Mathe vermittelt, sagt der Fachabiturient: "Man muss sich die Sachen später selbst aneignen, wenn man noch etwas braucht." Mathe sei in jedem Fall nicht schwerer als andere Fächer. Ein weiterer Student stimmt dem zu, sagt aber, Mathe bilde die Grundlage, zum Beispiel für Thermodynamik. "Wenn man in Mathe Probleme hat, ist es schon ein Grund, das Studium abzubrechen."

Prof. Dr. Harald Schmid sieht keinen Grund, vor einem naturwissenschaftlichen Studium zurückzuschrecken. Der Mathematikprofessor leitet den Vorbereitungskurs für angehende Studierende. "Wir beginnen bei der Mittelstufe", sagt Schmid. "Wir besprechen noch einmal den Umgang mit Formeln und Funktionen und wiederholen Begriffe und Zusammenhänge." Während des Semesters können die Anfänger Tutorien besuchen, die von älteren Studierenden gleitet werden, sagt Schmid. Die OTH habe auch extra die "Lernwerkstatt Mathematik" eingerichtet, um die Studenten individuell zu beraten und zu fördern.

Die Abbruchquote von 50 Prozent für die Jahre 2003 bis 2010 ergibt sich nicht nur aus Studenten, die ihre Prüfungen nicht geschafft haben. Es gibt auch eine Vielzahl anderer Gründe, die diese Zahl so in die Höhe treiben (Infokasten ). Warum Studenten aufgeben, das will die OTH jetzt besser untersuchen: Die Präsidentin der OTH, Professor Dr. Andrea Klug, bezeichnet die Gruppe der Abbrecher aus "sonstigen Gründen" als die "interessanteste". "An die wollen wir ran. Wir wollen diese Leute noch besser begleiten." Die OTH sei eine Hochschule, die sich dieser Problematik gestellt hat, sagt Klug.

Studierende befragt


Bereits seit Längerem werden regelmäßig die Studierenden über ihre Zufriedenheit befragt. "Wir werden in einem nächsten Schritt die Studierenden befragen, die sich nicht rückmelden. An den Gründen, die wir beeinflussen können, setzen wir an", sagt Dr. Wolfgang Weber, Leiter Grundsatzangelegenheiten und Hochschulentwicklung. Die ganze Erhebung sei eine mathematische Herausforderung. "Wir haben viel in Beratung investiert", ergänzt Klug. Die Verbesserung der Studienbedingungen liegten der Präsidentin am Herzen: "Ich will diese Programme unbedingt weiter führen. Wir investieren dort sehr viel. Das wird sonst nirgends gemacht."

Statistik: Der Teufel steckt im DetailWoher kommt die hohe Zahl der Studierenden, die ihr Studium zwischen 2003 und 2010 ohne Abschluss beendeten? Bei den Abbruchzahlen der Amberger Studiengänge Maschinenbau, Medienproduktion und -Technik und Umwelttechnik lohnt ein Blick auf die Details: Der Schwund bezieht sich nämlich sowohl auf Studierende, die eine Prüfung endgültig nicht bestanden haben, als auch auf solche, die nur innerhalb der Hochschule das Fach wechselten - und auf solche Studierende, die sich aus völlig unbekannten Gründen von der Hochschule abgemeldet haben. Sind für diese die Prüfungen zu schwer gewesen? Gab es private Probleme? Die Gründe sind unklar. Klar ist aber: Zu keiner Zeit lag die Zahl der Studierenden, die prüfungsbedingt das Studium beenden mussten, bei 50 Prozent. (dko)
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