Patentingenieurwesen an der Technischen Hochschule
Das unbekannte Studium

Wir können die Nachfrage nicht bedienen.

Patentingenieurwesen ist ein Alleinstellungsmerkmal der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Amberg. Absolventen haben klasse Berufsaussichten: Die OTH kann die Nachfrage der Firmen nach ihnen gar nicht befriedigen. Dennoch ist das Studium jenseits der Grenzen der Region kaum richtig bekannt.

"Es ist durchaus ein exotischer Studiengang." Professor Jürgen Koch gibt das zu. Nicht jeder könne sich für die Mischung der Themen begeistern: Es gebe junge Leute, die mit der juristischen Materie nicht zurechtkämen und lieber Umwelttechnik studierten. Gleichzeitig könnten einige mit der technischen Seite nichts anfangen.

Koch bezeichnet die Gegenüberstellung von juristischen und technischen Inhalten als Spannungsfeld. Doch das sei auch das Faszinierende am Patentingenieurwesen, gibt der Student und Studierendenvertreter Alexander Röckl zu verstehen. Er freut sich bereits auf die Inhalte der nächsten Semester: Die Studenten lernen die rechtlichen Grundlagen für Gerichtsprozesse und Verwaltungsentscheidungen (Verfahrensrecht), Management und Patentrecherche. Bereits in den ersten Semestern vermittelten die Dozenten technische Grundlagen, etwa der Elektrotechnik, Mechanik, Informatik und Werkstofftechnik sowie des Privatrechts und des öffentlichen Rechts.

Extra Dozenten engagiert


Hinzu kommen Exkursionen: zum Beispiel zum Bundespatentgericht nach München. Organisiert hat das ein Lehrbeauftragter des Studiengangs. "Seit Präsidentin Andrea Klug ausgeschieden ist, brauchen wir neue Dozenten", erläutert Professor Koch. Die Begleitung der externen Lehrbeauftragten ist deshalb eine der wichtigsten und aufwendigsten Aufgaben für den Studiengangsleiter. "Den Betreuungsaufwand stemmen wir selber. Wir holen uns die juristischen Kapazitäten von Notaren, aus Kanzleien und aus dem Europäischen- und Deutschen Patentamt." Die Dozenten könnten aus der beruflichen Praxis erzählen und brächten oft gute Fallbeispiele mit. Das ist meist sehr anschaulich für die Studenten, betont Koch. Über die Vorlesungen von Dr. Tobias Wuttke berichtet Röckl: "Er hat erklärt, was es bedeutet, ein Patent zu haben, ein Patent zu verteidigen und ein anderes anzugreifen." Das habe ihn und andere Kommilitonen fasziniert. "Wir hoffen, er kommt wieder."

Koch erklärt, Lehrbeauftragter werde man aus Idealismus. "Organisatorisch ist es zum Teil der Wahnsinn. Da muss man die Terminplanung hinbekommen. Die Dozenten arbeiten in Vollzeit, kommen von weither." Man müsse auch immer nachfragen, ob sich die Lehrbeauftragten mit ihrem Kurs wohlfühlten, sagt Koch. Man wolle ja, dass sie im nächsten Jahr wiederkommen. Vor interessierten Firmen könnten sich die Studenten kaum retten: "Wir können die Nachfrage nicht bedienen." Jeden Monat könne er zwei Studenten an Unternehmen vermitteln, berichtet Koch. Trotz der guten Berufsaussichten studieren insgesamt nur etwa 60 junge Leute Patentingenieurwesen an der OTH. Koch würde sich doppelt so viele wünschen. "Das Alleinstellungsmerkmal ist auch unser Problem. Außerhalb Bayerns erreichen wir die Interessierten nicht mehr." Das sei eine Herausforderung für die Vermarktung. Die bayerische Staatsregierung vergibt keine Mittel für Werbung. "Man wird kreativ. Das hängt viel am Engagement."

Werbung im Kino Nürnberg


Die OTH habe verschiedene Aktionen gestartet. Unter anderem im Kinozentrum Cinecitta in Nürnberg. "Da sagen uns die Leute: ,Wie? Amberg hat eine Hochschule?'" Sinah Käfferlein kann das bestätigen. Sie war in Nürnberg auf der Fachoberschule und studiert jetzt Patentingenieurwesen in Amberg. "Ich dachte, in der Oberpfalz gibt's nur Regensburg und dann nichts mehr. Für mich hat sich das Bild total umgedreht, seit ich in Amberg bin."
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