Platz für Wohnungen und Gewerbe
Jesuitenkolleg ab sofort in Privatbesitz

Hans Hornauer (links) und Johann Kiener (rechts) haben das Jesuitenkolleg (im Bildhintergrund) gekauft und stellten OB Michael Cerny ihre Pläne vor. Die Genehmigung vorausgesetzt, soll im Sommer mit der Sanierung der seit 2012 leerstehenden 3580 Quadratmeter begonnen werden. Bild: gf

Die Malteser-Gaststätte belegt 820 Quadratmeter, die Provinzialbibliothek hat sich nebenan auf 450 Quadratmetern einquartiert. Im Rest des Jesuitenkollegs am Malteser aber herrscht gespenstische Ruhe. Die verbleibenden ungenutzten 3580 Quadratmeter machen die historische Stätte zu einem der größten Innenstadt-Leerstände. Dr. Peter Donhauser, Leiter der für den Gebäudekomplex zuständigen Studienseminarstiftung, war seit dem Auszug der Max-Reger-Internatsschüler 2012 auf der Suche nach einem geeigneten Mieter und tat sich sehr schwer. Jetzt kommt Bewegung in die Angelegenheit - am Montagnachmittag präsentierten die Käufer ihre Pläne.

Noch heuer wollen Johann Kiener und Hans Hornauer von der Amberger Gesellschaft Baukonzept mit der Sanierung beginnen. In zwölf Monaten sollen die drei Gewerbeeinheiten, die sich in einem Flügel jeweils über eine komplette Etage erstrecken, ebenso bezugsfertig sein wie die Appartements, die in unmittelbarer Nähe zur Hochschule liegen. Insgesamt entstehen laut Kiener 19 Domizile für Studenten (ab 20 Quadratmetern), hinzu kommen 20 bis zu 130 Quadratmeter große Wohnungen.

Bibliothek bleibt


"Die Bibliothek selbst bleibt, wie sie ist", sagte Kiener und ergänzte, dass auch die Gaststätte Bestand haben wird. Die beiden über ihr liegenden Stockwerke werden laut Hornauer aber ausgebaut. Die Wohneinheiten wollen die Geschäftsführer nicht vermieten, sondern komplett zum Kauf anbieten. Die drei Geschosse, die für Büros reserviert sind, bleiben dagegen Eigentum der Investoren.

Zum Kaufpreis wollten sich Kiener und Hornauer nicht äußern, er sei aber bereits bezahlt und der Vertrag mit der Studienseminar-Stiftung unterschrieben. Deren größtes Problem waren laut Peter Donhauser bisher die Ausgaben. Im Winter mussten alle Räume regelmäßig geheizt werden, auch Strom- und Wassergebühren wurden fällig. Der Stiftungs-Verantwortliche sah nach der gescheiterten Mietersuche bisher als letztes Mittel nur eine Alternative: "Notfalls müssen wir verkaufen." Ein Wertermittlungsgutachten lag bereits vor zwei Jahren vor. Mehr als vier Millionen Euro müsse ein Investor auf den Tisch legen, hatte Donhauser im Oktober 2014 verraten. Die Summe diene aber lediglich der Orientierung.

Innenhof wieder nutzen


Zum Verkauf wollte es Donhauser eigentlich nicht kommen lassen. Nun hat er sich laut OB Michael Cerny dennoch dafür entschieden, da das Konzept überzeugt habe und auch studentisches Leben beinhalte. Cerny freute sich, dass der Leerstand verschwindet: "Wenn wir dieses Denkmal einer Nutzung zuführen können, sind wir sehr froh. Wenn das dann noch ein Amberger Unternehmen macht, ist das nur zu begrüßen." In Gedanken malte sich Cerny die Zukunft schon in den schillerndsten Farben aus. Wenn der Gebäudekomplex saniert ist, könne er sich vorstellen, den Innenhof wieder für kulturelle Veranstaltungen zu nutzen.

JesuitenkollegDie Jesuiten boten ab 1626 jungen Männern die Möglichkeit, sich im 1782 an den Malteserorden übergebenen Komplex einzuquartieren und zu studieren. 1820 wechselte die Zuständigkeit zur eigens geschaffenen Stiftung über, die seither laut Direktor Dr. Peter Donhauser vom Staat zwar verwaltet, aber nicht finanziert wird. Abgesehen von einer durch den Zweiten Weltkrieg bedingten Unterbrechung wurden im sogenannten Kastl teilweise bis zu 140 Schüler untergebracht. Vorwiegend aus Regionen, die kein eigenes Gymnasium hatten. 1979 übernahm das Max-Reger-Gymnasium (MRG) mit seinem Internat die Betriebsführung des Studienseminars. Nach dem Brand vom Januar 1993 wurde auch der Westflügel saniert, in dem sich die 18 Zwei-Betten-Appartements befinden, die das MRG-Internat im Sommer 2012 wegen sinkender Schülerzahlen aufgab. (tk)
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