"Pokémon Go" erscheint in Deutschland
Kleine Wesen ganz groß

Die Spielwelt folgt dem echten Stadtplan. An den sogenannten Pokéstops (blauer Kreis auf dem Smartphonedisplay) finden Spieler Ausrüstungsgegenstände. "Pokemon Go" ist seit Mittwoch auch in Deutschland erhältlich. Bild: dpa
 
Auf dem Max-Platz in Amberg versteckt sich ein Pummeluff im Gebüsch. Bild: Konrad

Die Augen aufs Smartphone gerichtet, laufen die Spieler durch die Nachbarschaft. Sie möchten kleine Monster aufspüren und einfangen. Millionen US-Amerikaner bewegen sich bereits in der erweiterten Realität von "Pokémon Go". Gestern wurde die App in Deutschland veröffentlicht.

Amberg/Weiden. Jagen und Sammeln: uralte Instinkte des Menschen. Durch den technischen Fortschritt werden diese Triebe nun auf neue Art angesprochen: "Augmented Reality", erweiterte Realität, heißt das Konzept des Spiels "Pokémon Go".

Das grundlegend Neue im Vergleich zu klassischen Computer- und Konsolenspielen: Die Spieler müssen sich jetzt tatsächlich bewegen und nicht nur auf ihren Controllern den Pfeil nach vorne drücken. Sie gehen spazieren, laufen oder fahren Auto durch die Nachbarschaft. Dabei versuchen sie Monster zu fangen, die überall auftauchen können. Ziel ist es, die Wesen zu trainieren und gegen andere Spieler antreten zu lassen. Die Realität wird dabei zur Kulisse für das Spiel, zur Arena für eine große Schnitzeljagd.

Entwickelt hat die App die Google-Tochter "Niantic" zusammen mit dem japanischen Spielehersteller Nintendo. Dessen Aktie stieg seit dem Erscheinen von "Pokémon Go" von 18 auf fast 28 Milliarden Euro an.

Rettung für Nintendo


Es könnte die Rettung für das kriselnde Unternehmen sein, das auf dem klassischen Konsolen-Markt immer mehr Anteile an Wettbewerber Microsoft mit seiner XBox und an Playstation-Hersteller Sony verliert.

Durch Pokémon-Fernsehserie, Gameboy- und Konsolenspiele sowie Sammelkarten löste Nintendo in den 90ern einen regelrechten Hype aus. Das Handy-Spiel übernimmt unmittelbar die bewährten Prinzipien der Pokémon-Gameboy-Klassiker. Das Thema scheint seither nicht viel von seiner Anziehungskraft verloren zu haben: Millionen von US-Amerikanern machen sich bereits mit ihrem Smartphone auf die Jagd. Seit Tagen ist es dort die gefragteste App.

In Deutschland freigegeben


Am gestrigen Mittwoch ist das Spiel auch für deutsche Nutzer freigegeben worden. Einige haben aber Wege gefunden, es schon vor der offiziellen Veröffentlichung zu installieren. So etwa der 30-jährige Christian Thoma. Er hat sich die App vor vier Tagen geholt. "Das Spiel ist ganz witzig, weil es auch die Sehenswürdigkeiten anzeigt", findet der Mitterteicher. Der Reiz liegt für ihn in der Bewegung: "Ich weiß noch, wie ich das früher im Fernsehen angeschaut hab' und dachte: So rumzulaufen wär schon cool. Jetzt so mit dreißig fühle ich mich wieder so, als wäre ich sechzehn." Auch die Schüler des Amberger Gregor-Mendel-Gymnasiums haben die App schon längst auf ihren Smartphones: "Das ging vor fünf bis sechs Tagen los", sagt der 14-jährige Ferdinand Nibler. In seiner Klasse, der 9b, sind von 27 schon zehn bis fünfzehn Schüler im Pokémon-Fieber. Bei jeder Gelegenheit starten sie das Smartphone-Spiel: Wenn die Lehrer nicht im Klassenzimmer sind, oder auch in der Pause. Vor Schulbeginn liefen er und seine Mitschüler immer noch kurz zum Beruflichen Schulzentrum hoch. Dort befindet sich ein virtueller "Pokestop", wo es nützliche Gegenstände für die Pokémon-Spieler gibt.

Der 14-Jährige scheint begeistert von dem Spiel. Den Zehntklässler Maxi Godelmann dagegen interessiert "Pokémon Go" eher weniger: "Die anderen können das schon machen, wenn sie wollen", sagt er. Die App werde aber auch von seinen Klassenkameraden nicht ernst genommen. "Es ist nur ein Gag nebenbei."

Jetzt schon Mega-Trend


Gefragt nach der Beliebtheit von "Pokémon Go", findet der Medienbeauftragte des Gregor-Mendel-Gymnasiums, Andreas Billner, klare Worte: "Des is' mega!" Gleichzeitig gibt er sich in Bezug auf den neuen Trend aber auch gelassen: "Bis jetzt mussten wir noch keine Maßnahmen ergreifen." Die bayerische Staatsregierung habe das Handy an den Schulen ja eigentlich verboten. Dieses Prinzip weiche jetzt aber grundsätzlich auf. "Wir haben im ganzen Haus offenes Wlan. Die Schüler nutzen für die Recherche das Handy. Da geht keiner mehr in den Computerraum." So ließe sich aber auch nicht verhindern, dass sie auf dem Handy spielten. "Wir müssen halt schauen, dass Computerspiele nicht die Überhand gewinnen", so der Medienbetreuer.


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