Périgueux und die EM im eigenen Land
Franzosen feiern noch verhalten

So sehen Sieger aus: Als ihre Nationalmannschaft den Gegner Irland bezwang, feierten die jungen Franzosen auf der Terrasse eines Cafés in der Partnerstadt Périgueux. Obwohl die EM im eigenen Land ist, ist der Enthusiasmus eher noch verhalten. Doch das könnte sich ändern, sollte die Equipe tricolore am Sonntagabend Island bezwingen. Bild: Arnaud Loth/ Sudouest

Die Freude ist noch etwas verhalten. Fahnen an den Häusern und den Autos sind kaum zu sehen. Das EM-Fieber hat Ambergs Partnerstadt Périgueux noch nicht so richtig erreicht - doch das kann sich ändern. Schon mit dem nächsten Spiel. Am Sonntag treffen die EM-Gastgeber auf die Isländer. Und die haben immerhin die Engländer aus dem Turnier gekickt.

Hervé Chassain gibt es gleich unumwunden zu: Ein absolut großer Fußballfan ist der Journalist der in Périgueux erscheinenden Tageszeitung Sudouest nun wirklich nicht. Spiele mit französischer Beteiligung bei der Europameisterschaft schaut er aber dennoch an. Und natürlich schlägt sein Herz für die Equipe tricolore. Klar wie Kloßbrühe, dass er einen Favoriten für das Spiel am Sonntagabend hat: "Wer gewinnt? Natürlich Frankreich!"

Daheim oder bei Freunden


Doch so selbstverständlich ist das nicht, Island könnte der Angstgegner sein, zumal die Insulaner im Achtelfinale die Engländer aus dem Turnier geworfen haben. Hervé Chassain glaubt, dass mit dem nächsten Spiel auch der Enthusiasmus in Périgueux steigen wird. "Viele schauen die Übertragungen der Spiele daheim an oder mit Freunden." Chassain berichtet, dass aber auch einiges in den Cafés und Bars los ist, wenn Frankreich spielt. "Beim Spiel gegen Irland war das so", weiß er. "Da waren einige Leute in der Stadt unterwegs." Deko in den Nationalfarben an den Häusern, Fähnchen an den Autos: Allzu viel hat der Journalist davon noch nicht gesehen. Bordeaux, eine der Spielstätten der EM, in Frankreich, ist rund 60 Kilometer von Périgueux und in ein- bis eineinhalb Stunden zu erreichen. Doch Chassain kennt niemanden, der sich im dortigen Stadion ein Match anschauen wird. "Die Tickets dafür sind rar und sehr teuer." Wenn Frankreich die EM-Überraschung Island bezwingt, die Deutschen gegen die Italiener gewinnen, könnte es zu einer deutsch-französischen Begegnung auf dem Rasen kommen - nur im Halbfinale. "Das wäre es", sagt Hervé Chassain.

Drei Fragen: Der Fußballzwerg Island und die EMEuphorie im Land der EM-Außenseiter

Spätestens seit Fußballzwerg Island die Engländer aus dem Turnier geworfen hat, sind die Insulaner ein ernstzunehmender Gegner bei der EM geworden. In der Heimat sind die Menschen ob des Erfolgs aus dem Häuschen - SPD-Stadträtin Hannelore Zapf hat dies auf ihrer Tour durchs Land der Geysire hautnah erlebt. Hannelore Zapf hat nicht nur Sehenswürdigkeiten wie die Hallgrímmskirkja in Reykjavik (Bild) besichtigt, sondern auch den EM-Freudentaumel nach Islands Sieg über England mitbekommen.

Sind die Isländer im EM-Fieber?

Hannelore Zapf: Und wie!

Wie äußert sich die Euphorie?

In Public-Viewing-Orgien, wo jeder der Nachbar irgendeines Fußballers ist oder einen von früheren Zeiten kennt. Die wenigen Menschen, die man während eines Spiels auf der Straße laufen sieht, tragen Ohrstöpsel und gestikulieren wild.

Wie schätzen die Isländer ihre Chancen gegen Frankreich ein?

Sie sind optimistisch bis euphorisch, auf jeden Fall sehr selbstbewusst. Ein Busfahrer, mit dem ich mich auf dem Weg in die Hauptstadt Reykjavik unterhalten habe, war überrascht darüber, wie die Engländer von den Isländern vom Platz gefegt wurden - er konnte es fast nicht glauben. Wenn es jetzt gegen Frankreich geht, glaubt er nicht nochmals an so ein Wunder. Aber er traut es trotzdem seiner Nationalmannschaft zu. Und hofft.
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