Projekthilfe Dr. Luppa bohrt lange, aber erfolgreich nach Brunnen
Ambergs Wasserwunder in Togo

Viele Dorfbewohner verfolgten die Bohrungen täglich mit - inständig betend, dass sie Erfolg zeigen und sauberes Trinkwasser in der Nähe ihres Dorfes liefern. Als die Quelle dann sprudelte, standen die Bewohner sofort mit Schüsseln und Kanistern Schlange, um das kostbare Nass aufzufangen. Bilder: hfz (2)
 
Nach Vorgaben eines Geologen und mit professionellem Gerät ließ die Projekthilfe nach Wasser bohren und stieß trotzdem tagelang nur auf Sand. Auch dadurch kostete das Ganze am Ende rund 30 000 Euro. Doch die Beharrlichkeit zahlte sich aus - am letzten Einsatztag.

Die Menschen haben gebetet und gebangt. Groß war die Angst, dass sie wieder kein Wasser finden. Und dass die Hilfsorganisation aus Amberg nach etlichen vergeblichen Tiefbohrungen aufgeben und das arme Dorf in Togo auf dem Trockenen sitzen lassen könnte. Doch die Projekthilfe Dr. Luppa blieb dran, bis das Wunder geschah und Wasser sprudelte.

Tatsächlich nehmen Vorsitzender Dr. Ulrich Siebenbürger und seine Ehefrau Cornelia dieses Wort in den Mund, glauben fast an göttliche Fügung beim jüngsten Projekt der Amberger Entwicklungshilfeorganisation im westafrikanischen Togo. Schon der Beginn des Ganzen durch einen Zufall kommt ihnen im Nachhinein betrachtet so vor.

Ex-Asylbewerber hilft mit


Eigentlich waren Ulrich und Dr. Cornelia Siebenbürger nämlich im Nachbarland Burkina Faso unterwegs gewesen, um das dort gebaute Zentrum für Witwen und Waisen mit seiner Arbeit zu besichtigen (AZ berichtete). Doch das Ehepaar wollte auf dieser Reise auch ein Versprechen erfüllen, das es einem togolesischen Freund gegeben hatte: ihn in seinem Heimatland zu besuchen.

Genauer gesagt ist es seine zweite Heimat, denn der Mann namens David lebt mittlerweile in der Oberpfalz. Er kam vor 15 Jahren als Asylbewerber nach Deutschland, wurde anerkannt und hat sich samt Job und gut erlernter Sprache vorbildlich in Deutschland integriert, berichtet Cornelia Siebenbürger. Dennoch ist der Mittvierziger stolz auf seine Herkunft und wollte seinen Amberger Freunden bei einem Urlaubsaufenthalt Togo zeigen.

Bei einer gemeinsamen Fahrt über Land fielen den Siebenbürgers einige Frauen auf, die am Wegrand auf ihren Webstühlen ganz klassisch bunte Stoffe herstellten. Sie stammten aus einem Dorf, das den Gästen aus Deutschland durch seine Sauberkeit und die fleißig arbeitenden Einwohner auffiel. Tatsächlich waren die Menschen dort mit ihrer Lebenssituation, die sie selbst Schritt für Schritt verbessert haben, soweit zufrieden, sagt Cornelia Siebenbürger. Nur eines plagte sie: fehlendes sauberes Trinkwasser.

Der nächste Brunnen liegt gut drei Kilometer vom Dorf entfernt und bietet nur Brackwasser, das neben dem weiten Transport auch den Nachteil schlechter Qualität hat. Nach einer kurzen Absprache mit dem Vorstand entschied Dr. Siebenbürger, diesem beeindruckend strebsamen Dorf unter die Arme zu greifen. Die Projekthilfe beauftragte mit Hilfe von David eine Bohrfirma und einen Geologen mit der Suche nach einer besseren Wasserquelle in Dorfnähe. Was folgte, waren mehrere vergebliche Schürfungen, die die Bewohner jedes Mal mehr bangen ließen. Sie sahen die fruchtlosen Bemühungen und fürchteten, die Projekthilfe könnte aufgrund steigender Kosten einen Stopp verhängen.

Gottvertrauen und Dynamit


Doch der afrikaerfahrene Verein wechselte den Geologen und machte dessen Honorar vom Erfolg der Aktion abhängig. Auch der neue Fachmann mühte sich einige Tage vergebens - so lange, dass David seinen Aufenthalt samt Urlaubsverlängerung beim Arbeitgeber ausweiten musste, nachdem die Siebenbürgers zwischenzeitlich nach Hause zurückgekehrt waren. Dem gebürtigen Togolesen war die Sache so ans Herz gewachsen, dass er bis zum letzten Tag die Hoffnung nicht aufgab.

Und tatsächlich brachte eine als letzter Versuch veranlasste Sprengung in der Tiefe die Erlösung. Dadurch sprudelte plötzlich Wasser nach oben - "gegen 15 Uhr, bevor David am selben Tag um 23 Uhr seinen Rückflug antreten musste", freut sich Cornelia Siebenbürger über so viel Beharrlichkeit und Gottvertrauen.

1000 Liter täglich für 2000 Menschen

Amberg. (ath) Die beharrliche Brunnensuche in Togo dauerte rund drei Wochen und die Kosten wuchsen am Ende von geplanten 14 000 auf 30 000 Euro. Dennoch hat sich dieser Aufwand gelohnt, betont Vorsitzender Dr. Ulrich Siebenbürger und spricht von einer der schnellsten Projekt-Umsetzungen des Amberger Entwicklungshilfevereins.

Das kam nach seinen Worten durch die persönliche Anwesenheit und Begleitung des Ganzen vor Ort, auch durch den "Dampf", den der landeskundige Projekt-Helfer David - ein gebürtiger Togolese - bei seinen Landsleuten machte. Seinem Einsatz und der nie aufgegebenen Hoffnung bei den Bohrungen ist der Erfolg zu verdanken - "oder einem kleinen Wunder", wie Dr. Cornelia Siebenbürger meint. Denn, wie das Projekt entstand und sich trotz Zweifeln weiterentwickelte, "sollte es wohl so kommen".

Dafür spricht nach ihrer Ansicht auch die Kraft und Reinheit der gefundenen Quelle: Sie liefert 1000 Liter sauberes Wasser pro Tag, mit dem nun 2000 Menschen versorgt werden können - nur 300 Meter von ihrem Dorf entfernt. Was jetzt noch fehlt, sind ein Ablaufbecken und Leitungen für die die Projekthilfe noch ein paar Spenden gebrauchen könnte (www.projekthilfe-luppa.de).
Ein filmreifes Drama.Dr. Ulrich Siebenbürger
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