Prost Amberger Bier:
Vier Zutaten fürs fünfte Element

Krüge, aber auch viele andere Exponate rund um Bier und Braukunst sind derzeit im Stadtmuseum zu bewundern. Die Ausstellung ist außerdem ein Streifzug durch die Wirtshausgeschichte. Bilder: Steinbacher (2)
 
"Hawadere! Mogst a Bier?": David Pickel erzählte vom Gang ins Wirtshaus.

Sonntagvormittag, 11 Uhr: Für Bürgermeister Martin Preuß ist dies beste Frühschoppen-Zeit. Nur musste er feststellen, dass der Bierkrug vor ihm auf dem Rednerpult leer war. Eine trockene Angelegenheit blieb die Eröffnung der Sonderausstellung "Prost Amberger Bier" im Stadtmuseum aber dennoch nicht.

Früher mit Ruß und Pech


Preuß hieß sie alle willkommen, die Bierliebhaber, die Bierkenner, die Biertrinker, die Bierallergiker und die Abstinenzler. Das bayerische Reinheitsgebot, das heuer 500 Jahre alt wurde, sei das älteste und immer noch gültige Verbraucherschutzgesetz. Es schreibt vor, dass zur Bierherstellung nur Wasser, Malz, Hopfen und Hefe (die kam allerdings erst später hinzu) erlaubt seien. Preuß zählte auf, was im Mittelalter so alles hineingemischt wurde: Stechapfel, Binsenkraut, Tollkirschen, Ruß und Pech. "Vergiftungen, auch tödliche, bleiben bei dieser Panscherei nicht aus." Das Stadtarchiv gab das Büchlein "Flüssige Zeiten" heraus, in der Stadtgalerie ist die Ausstellung "Bierig" zu sehen, gestern wurde "Prost Amberger Bier" im Museum eröffnet: Die Stadt nimmt damit laut Preuß ihre eigene Bierkultur unter die Lupe. Bereits 1366 ist die erste Braustätte in Amberg nachgewiesen.

Um 1900 gab es 28 Brauer, bis in die 1970er-Jahre waren es noch zehn Brauereien, heute sind es sechs. "Wer mit vier Zutaten hervorragende Biere brauen kann, der versteht sein Handwerk", lobte Preuß und kam auch auf Wirtshaus- und Biergartenkultur zu sprechen. Dort werde zwar immer noch gegessen, "im Regelfall aber nicht mehr geraucht, geschnupft, gekegelt, Finger gehakelt oder gerauft". Die Besucher forderte er auf, einzutauchen in die Welt der Amberger Bierkultur und das fünfte Element der Bayern näher kennenzulernen.

Kurioses und Raritäten


Der Dank von Museumsleiterin Judith von Rauchbauer galt den Leihgebern. Sie ist stolz darauf, dass zum Beispiel aus einer großen Sammlung ein "Michael-Schießl-Krug" gezeigt wird, "den der Herr Schießl selbst gar nicht hat". Raritäten, aber auch Kuriositäten wie ein 0,9-Liter-Krug, Etiketten, Postkarten längst nicht mehr existierender Wirtshäuser, die digital gezeigt werden, und vieles, was "made in Amberg" ist: All dies ist bei der Ausstellung zu sehen. Aber noch etliches mehr, denn Bier und Brauen, Wirtshäuser und Biergärten haben eine lange Tradition. (Angemerkt)

Zünftig unterhaltenSo richtig zünftig gestalteten junge Menschen die Eröffnung der Sonderausstellung "Prost Amberger Bier" gestern Vormittag im Stadtmuseum. Zum Auftakt sang Vox Aeterna, ein erst im vergangenen Jahr gegründetes Vokalensemble aus ehemaligen Schülern des Max-Reger-Gymnasiums. Und wie es sich für selbstbewusste Bürger des Freistaats gehört, trugen sie noch "Bayern, des samma mia" vor. Das P-Seminar des Gregor-Mendel-Gymnasiums hatte Stimmen zum Amberger Bier eingefangen, die nach der offiziellen Eröffnung auf Leinwand übertragen wurden, passend dazu gab es Leberkäs-Semmeln - und natürlich Bier. Humorvoll legte Gymnasiast David Pickel dar, wie es ist, wenn ein Mensch, der nicht zwei bayerische Elternteile hat, in Amberg in ein Wirtshaus geht. (san)
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