Prozess gegen Asylbewerber nach vier Stunden eingestellt
Lagerkoller vor Gericht

Kleiner Sitzungssaal, großes Gedränge: 20 Tage hätte der Prozess gegen vier syrische Asylbewerber dauern sollen. Doch schon nach vier Stunden endete die Verhandlung mit einer Verfahrenseinstellung. Bild: hou

20 Prozesstage hätte es bis zum September geben sollen. Doch schon nach vier Stunden war alles vorbei. Mit einer völlig unerwarteten Entscheidung: Das Verfahren gegen vier offenbar gewalttätig gewordene Syrer wurde eingestellt. Sie konnten gehen.

Amberg/Schwandorf. So einen Aufwand hatte das Amberger Jugendschöffengericht vorher nie betrieben. Terminierung bis zum Herbst, Zeugenladungen zuhauf. Als das Verfahren gestern begann, saßen 30 Leute im Sitzungssaal: Vier Angeklagte, vier Dolmetscher, sechs Verteidiger, eine Staatsanwältin, ein Professor als Gutachter, das dreiköpfige Schöffengericht nebst zwei eigens bestellten Ersatzschöffen, eine Protokollführerin und acht Polizisten als Gefangeneneskorte.

Ein Mammutprozess schien begonnen zu haben. Doch er endete nach einem sogenannten Rechtsgespräch, das die Richter mit den Prozessbeteiligten führten, mit einem Ergebnis, das so wohl keiner auf der Rechnung hatte.

Keine Anklage verlesen


Nach vier Stunden (davon 27 Minuten reine Verhandlungsdauer) wurde das Verfahren gegen die vier der gefährlichen Körperverletzung beschuldigten syrischen Asylbewerber eingestellt. Eine Begründung dafür gab es von seiten des Jugendschöffengerichts nicht. Die Anklageschrift blieb unverlesen, auch das Ergebnis des Rechtsgesprächs wurde nicht mitgeteilt.

Die Syrer im Alter zwischen 20 und 31 Jahren, seit fünf Monaten in U-Haft, hatten am 1. Dezember letzten Jahres in einem Asylbewerberheim am Schwandorfer Weinberg zu Knüppeln gegriffen, um zwei Landsleute körperlich zu misshandeln. Auch ein Messer soll im Spiel gewesen sein. Der Übergriff sorgte für mehrere dicke Leitzordner an Ermittlungsakten. Darin soll allerdings auch stehen, dass die Opfer nicht ganz unschuldig waren. Sie hatten offenbar schon vorher für Terror in der Unterkunft gesorgt und sich ihrerseits Stuhlbeine zur Attacke bereit gelegt. Gegen sie wird momentan noch ermittelt.

All das wurde nicht weiter diskutiert. Die Angeklagten konnten gehen und wurden per Taxi nach Schwandorf gebracht. Allerdings nicht mehr in ihr damaliges Obdach. Denn das hätte zu weiteren Auseinandersetzungen führen können. Bis die Formalitäten mit der Ausländerbehörde geregelt waren, vergingen Stunden. Im Gegenzug mussten die Syrer auf eine Haftentschädigung verzichten. Sie atmeten auf - und fast schien es so, als ob dies auch die Richter taten.
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