Prozessbeginn nach Brandanschlag auf Hirschauer Asylbewerberheim
Anklage wegen Mordversuchs

(Foto: dpa)

Die neun Asylbewerber schliefen, als plötzlich ein Brandsatz in ihre Unterkunft flog. Was am 7. Februar dieses Jahres in der Stadt Hirschau geschah, wertet die Staatsanwaltschaft nun als Mordversuch. Sie lässt deswegen einen 25-Jährigen aus der U-Haft vor das Schwurgericht führen.

Der Übergriff ereignete sich am Faschingssonntag um 1.33 Uhr morgens. Neun Menschen verschiedener Nationalitäten, darunter auch zwei Kinder, lagen zu dieser Zeit in ihren Betten, als plötzlich eine Bierflasche gegen das Hirschauer Asylbewerberheim krachte. Der Glasbehälter durchschlug ein Fenster im ersten Stockwerk und landete auf dem Nachtlager eines schlafenden Mannes. Danach herrschte helle Aufregung, es kam die Polizei.

Bei der Flasche handelte es sich um einen sogenannten "Molotowcocktail". Wie sich bei späteren Untersuchungen ergab, war der Behälter mit einem Gemisch aus Weizendoppelkorn und Bremsenreiniger gefüllt. Danach hatte der Täter ein Stück Vliesstoff in die Flaschenöffnung gestopft und es angezündet. Der Pfropfen aber brannte wohl eher schlecht, die Flamme ging aus. Deshalb kam es nach dem wuchtigen Wurf auch zu keinem Brand in dem Gebäude.

Molotowcocktail nachts in Garage gebastelt


Unter Federführung des Leitenden Oberstaatsanwalts Joachim Diesch begannen umfangreiche Ermittlungen einer Sonderkommission, die sich den Namen "07.02." gab. Sie führten zehn Tage später zu einem nicht weit von der Unterkunft entfernt wohnenden Mann und zu dessen Festnahme. Nach Ansicht der Fahnder hatte der 25-Jährige erst kurz vor dem Flaschenwurf den "Molotowcocktail" in seiner Garage gebastelt. Das soll zwischen 0.45 und 1.15 Uhr an diesem Sonntagmorgen gewesen sein. Vor Vernehmungsbeamten legte er nach anfänglich hartnäckigem Leugnen ein
Geständnis ab, widerrief es aber später teilweise. Der Mann will, so hieß es damals in einer Darstellung der Behörden, aus Verärgerung gegenüber Asylsuchenden gehandelt haben.

Nach neunmonatigen Nachforschungen hat der Leitende Oberstaatsanwalt Anklage zum Schwurgericht beim Landgericht Amberg gegen den verheirateten Mechatroniker erhoben. Sie wurde zur Hauptverhandlung zugelassen. Am Dienstag, 8. November, beginnt nun der vorläufig auf fünf Tage angesetzte Prozess, bei dem die Ermittlungsbehörde schweres Geschütz gegen den jungen Familienvater auffährt. Sie hält den Tatbestand des Mordversuchs für erfüllt, geht ferner von versuchter schwerer Brandstiftung unter Inkaufnahme von Todesfolgen aus und hat außerdem gefährliche Körperverletzung in ihre Anklageschrift geschrieben.

In dem Verfahren, zu dem es bisher kein vergleichbares Beispiel im Kreis Amberg-Sulzbach gibt, soll noch ein weiterer Sachverhalt geklärt werden. Dabei hält die Staatsanwaltschaft dem 25-Jährigen vor, dass er im Juli 2015 in Hirschau eine leere Bierflasche von sich schleuderte und dabei einen Radfahrer traf. Das Schwurgericht hat zum Prozess zahlreiche Zeugen geladen. Darunter befinden sich auch Sachverständige. Einer von ihnen soll darüber Auskunft geben, ob die Steuerungsfähigkeit des mutmaßlichen Täters womöglich beeinträchtigt war.

Kein Zusammenhang mit Fall in Bruck


In der gleichen Nacht war in Bruck (Kreis Schwandorf) eine leere Bierflasche gegen eine Ausländerunterkunft geworfen worden. Die Polizei, deren Ermittler vor dem Haus Zettel mit fremdenfeindlichen Parolen fanden, vermutete zunächst einen Zusammenhang. Doch die Duplizität der Ereignisse war reiner Zufall. Der Täter von Bruck, später ebenfalls ermittelt und in U-Haft gebracht, wurde im August dieses Jahres vom Amberger Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Er konnte
anschließend das Gefängnis verlassen.

Einen Brandschlag mit schwerwiegenden Folgen hatte es 1988 in der Stadt Schwandorf gegeben. Damals starben drei türkische Staatsbürger und ein Deutscher beim vorsätzlich gelegten Großfeuer in einem Mehrfamilienhaus. Es war, wenn man so will, der Auftakt zu einer dann folgenden Serie von Verbrechen in Deutschland, bei denen Ausländerhass das Motiv darstellte. Der rechtsradikal gesinnte Täter wurde später von einer Strafkammer in Amberg zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Er ist unterdessen längst wieder auf freiem Fuß.
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