Psychologe beklagt fehlendes Gesetz und schildert traurige Lage
150 Demenzkranke zwangseingewiesen

Referenten und Organisatoren an einem Tisch (von links): Diplom-Psychologe Heiner Dehner, Sega-Chef Dr. Klaus Gebel, Heidi Himmelhuber, Vorsitzende des Regionalen Steuerungsverbundes Amberg-Sulzbach, Prof. Dr. Christine Brendebach vom Institut für Pflegeforschung, Gerontologie und Ethik an der Evangelischen Hochschule Nürnberg, und Sega-Geschäftsstellenleiterin Jutta Streher. Bild: Uschald

"Brennpunkte in der Demenzversorgung": Das war das zentrale Thema der neunten Fachtagung des Vereins zur Förderung seelischer Gesundheit im Alter (Sega) und der Gerontopsychiatrischen Koordinierungsstelle der Oberpfalz.

Viele Themen, 200 Besucher


Dabei wurden kritische Situationen in der Pflege Dementer, Hilfsangebote der Ärzte, Erkrankungen aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen sowie Demenz und Depressionen im Alter aus dem Blickwinkel der chinesischen Medizin beleuchtet.

Die rund 200 Besucher waren vorwiegend Fachleute, die in der Alten- und Gesundheitshilfe wichtige Aufgaben haben: Pflegekräfte und Mitarbeiter von Einrichtungen der Altenhilfe, von Krankenhäusern und ambulanten Diensten, Therapeuten, Sozialpädagogen sowie Mitarbeiter von Behörden und Institutionen und ehrenamtliche Helfer. Sie kamen vornehmlich aus der Oberpfalz, aber auch aus anderen Bezirken. Für die Moderatorin des Seminars und Vorsitzende des Regionalen Steuerungsverbundes Amberg-Sulzbach, Heidi Himmelhuber, war der Zuspruch ein Beweis dafür, dass die Auswahl der Themen stimmte. Mit im Boot war Georg Pilhofer von der Gerontopsychiatrischen Koordinierungsstelle Oberpfalz.

Aggressivität und Unruhe


Sega-Vorsitzender Dr. Klaus Gebel, Neurologe und Psychiater in Sulzbach-Rosenberg, beleuchtete zunächst Verhaltensauffälligkeiten bei Erkrankten, wie Aggressivität, sexuelle Drangphasen, Unruhe und Schlafstörungen, aber auch Weglaufen, nächtliches Herumgeistern und vor allem Depressionen, Wahn und Halluzinationen. Der Referent erläuterte Möglichkeiten therapeutischer Interventionsformen und zeigte gleichzeitig Grenzen und Einschränkungen ärztlichen Handelns auf.

Nach den Worten von Prof. Dr. Christine Brendebach vom Institut für Pflegeforschung, Gerontologie und Ethik an der Evangelischen Hochschule Nürnberg ist das von ihr behandelte Thema "Brennpunkt Familie: Demenzerkrankungen aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen" in Deutschland noch nicht so präsent. Zwei Drittel der Betroffenen, etwa 1,5 Millionen Menschen, würden von ihren Familien betreut. Das heiße, dass bei dem hohen Altersdurchschnitt viele Enkelkinder den Zustand ihrer Großeltern mitbekämen. Deshalb müsse der Perspektive der Kinder und Jugendlichen innerhalb des Pflegesystems mehr Beachtung geschenkt werden.

Der chinesische Ansatz


Dr. Stefan Hager, Ärztlicher Direktor der TCM-Klinik Bad Kötzting, erläuterte Depressionen im Alter aus Sicht der chinesischen Medizin und die in Kötzting angewandten Therapiemethoden aus dem Reich der Mitte wie Arzneimitteltherapie, Akupunktur und Qigong. Er skizzierte Ergebnisse dazu und stellte das Psychosomatik-TCM-Lebensstil-Konzept seiner Klinik vor. (Im Blickpunkt)

HintergrundEin politisches Thema sprach der frühere Psychiatriekoordinator der Stadt Nürnberg, Diplom-Psychologe Heiner Dehner, in seinem Vortrag "Informationen zum neuen Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz unter besonderer Berücksichtigung der Demenz und der Gerontopsychiatrie" an. Demnach sind Bayern und Hessen die letzten Bundesländer, die noch kein solches Gesetz haben. Das habe zur Folge, dass der Freistaat sowohl im Zuge des Unterbringungsgesetzes als auch nach dem Betreuungsgesetz einsamer Spitzenreiter beim Zwangsunterbringen sei.

Allein das Amtsgericht Amberg habe im Vorjahr 150 Zwangseinweisungen verfügt. Damit in der Praxis ambulante Hilfen im Vordergrund stehen, müssen nach Überzeugung Dehners verschiedene psychiatrische Kriseninterventionsangebote, etwa flächendeckende Dienste dafür, vorhanden sein. Mittlerweile sei das Gesetzesthema in Bayern nach vernetzten Vorstößen verschiedener Akteure aus Fachverbänden, Betroffeneninitiativen, Parteien, Fachgesellschaften und einzelnen Bezirken im Landtag angekommen.

Der Eckpunkteentwurf drohe aber in einer Schublade zu vergammeln, befürchtet Heiner Dehner. Sein Eindruck: "Offenbar hat die Regierung in München Angst vor den Kosten." (usc)
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