Raigeringer Kirwa will Weltkulturerbe der UNESCO werden
Raigeringer Kirwa will Weltkulturerbe werden

Raigering. Die deutsche Brotkultur ist schon drin. Die schwäbisch-alemannische Fastnacht ebenfalls. Da darf natürlich der rheinische Karneval mit all seinen lokalen Varianten nicht fehlen. Die Passionsspiele in Oberammergau genauso wenig. In die Liste des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO wollen sich jetzt auch die Raigeringer einreihen - und zwar mit ihrer Kirwa. Warum die so besonders ist, erklärt Burschenvereins-Vorsitzender Stefan Nübler (22), der in Stuttgart Bauingenieurwesen studiert.

Wie kam's dazu, dass sich die Raigeringer Kirwa auf der Auswahlliste für die bayerischen Vorschläge befindet?

Stefan Nübler: Wir haben uns Ende Oktober vergangenen Jahres dafür beworben, weil wir finden, dass die Raigeringer Kirwa einzigartig ist. Sie ist die älteste der Oberpfalz, es gibt sie seit Ende des 19. Jahrhunderts. Seit 1907 richtet der damals gegründete Burschenverein sie aus. Eine Unterbrechung gab es nur während des Krieges. Nach Kriegsende wurde die Tradition wieder aufgenommen, die Kirwa gibt es bis heute.

Was ist das Besondere an der Raigeringer Kirwa?

Nübler: Gepflegt werden alten Traditionen wie das Baumaufstellen. Der 40-Meter-Baum wird von Hand aufgestellt, als Hilfsmittel werden lediglich Schwalben eingesetzt.

Das tun andere aber auch ...

Nübler: Ja, aber sehr häufig ist da ein Traktor dabei. Dann haben wir noch die Schnoderhüpfln, auch ein Brauch, der von früher ist. Unsere Kirwa besteht aus Ursprünglichem. Außerdem binden wir viele junge Leute mit ein. Bei der Kirwa mitmachen als Bursche kann jeder Raigeringer, der 16 Jahre alt ist.

War das bei Ihnen so?

Nübler: Ich wurde drei Wochen vor der Kirwa 16 Jahre alt und bin gleich beim Burschenverein eingetreten. Das ist etwas, worauf jeder Raigeringer hinfiebert. Aber auch die Älteren helfen mit, das verbindet die Generationen, das schweißt zusammen.

Wie schätzen Sie die Chancen ein?

Nübler: Zunächst geht es darum, dass auf Landesebene vier ausgewählt werden, die dann nach Berlin gemeldet werden. Unter den Bewerbern ist auch die Kerwa in Fürth. Aufgrund unserer langen Geschichte und unserer Traditionen bin ich sehr positiv gestimmt. Ich kann mir schon vorstellen, dass wir gute Chancen haben werden.

Was würde sich ändern?

Nübler: Generell würde sich für uns nichts ändern. Aber vielleicht würde der traditionelle Aspekt wieder mehr Anerkennung finden. Es ist ja geradezu ein Kirwa-Hype im Landkreis spürbar. Kirwa ist nicht nur ein dreitägiger Ausnahmezustand, sondern hat einen traditionellen Hintergrund. Unserer Burschenverein feiert im nächsten Jahr sein 110-Jähriges. Für uns ist das eine Bestätigung: Der Burschenverein ist nach wie vor aktuell, er ist aktiv, er lebt. Für die 110-Jahr-Feier im Juli 2017 wäre es natürlich toll, wenn unser Paradestück Weltkulturerbe wäre. (Themen des Tages)
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