Ratgeber Gesundheit im Klinikum
Harnstein muss nicht sein

Dr. Ralf Weiser sieht sich das CT eines Patienten mit Harnstein an. Bild: Stephanie Gräß/Klinikum
 
Dr. Ralf Weiser sieht sich das CT eines Patienten mit Harnstein an. Bild: Stephanie Gräß

Notaufnahme Klinikum. Ein Mann krümmt sich, ihm ist übel. Die Schmerzen sind krampfartig seitlich am Bauch und ziehen bis in die Leiste. Typische Symptome für Harnsteine. Jedes Jahr erkranken in Amberg und im Landkreis etwa 2300 Menschen neu daran. Steinerkrankungen der Niere und der Harnwege sind mittlerweile zur Volkskrankheit avanciert.

Amberg. (tk) Beim Ratgeber Gesundheit klärte Dr. Ralf Weiser, Chefarzt der Urologischen Klinik in St. Marien laut einer Presse-Info auf: "Harnsteine sind Ablagerungen verschiedener Stoffwechselprodukte wie Oxalat, Harnsäure oder Kalziumphosphat. Diese Ablagerungen bilden sich vor allem in Niere und Harnleiter und verhindern, dass der Urin abfließen kann, was bei den Betroffenen die kolikartigen Schmerzen verursacht." Harnsteinleiden haben sich laut der Info in den westlich geprägten Industrieländern in den vergangenen 25 Jahren verdreifacht. Ralf Weiser: "Je reicher eine Nation ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Menschen Steine bilden. Denn Ursachen für Harnsteinleiden sind unter anderem die falsche Ernährung, zu wenig Bewegung und daraus resultierendes Übergewicht." Die Diagnose beginne mit einem ausführlichen Arzt-Patienten-Gespräch.

"Hatte der Patient schon einmal einen Stein, weiß er meistens selbst, dass er wieder einen hat", wird der Experte zitiert. Die Schmerzen seien so typisch, dass die Betroffenen oft schon selbst mit der Diagnose ins Krankenhaus kommen. Nach dem Gespräch folge die Untersuchung. Dazu gehörten Abtasten der Schmerzregion, eine Urinprobe und eine Ultraschalluntersuchung. Oft ist zusätzlich ein Röntgen nötig. Alternativ dazu könne eine Computertomographie gemacht werden. Dr. Weiser: "Das ist noch wesentlich genauer als Röntgen. Wir können im CT auch schon die Härte der Steine bestimmen und so verschiedene Therapieformen schon ausschließen."

Viele Harnsteine gehen von selbst ab. Der Arzt kann Schmerzmittel und Medikamente geben, die die Ausscheidung beschleunigen. "Das wäre für den Patienten die ideale Lösung", sagte der Urologe. "Klappt das nicht, müssen wir weiter behandeln. Je nach Art, Lage, Größe, Zusammensetzung und Anzahl der Steine gibt es unterschiedliche Möglichkeiten."

Eine Variante ist die ESWL (Extrakorporale Stoßwellen-Lithotripsie), durch die die Steine berührungsfrei zertrümmert werden können. "Das funktioniert ambulant und ohne Narkose. Der Stein wird durch gezielte Energiewellen zerstört und muss dann von selbst abgehen. Der Nachteil dieser Methode ist, dass häufig mehrere Behandlungen nötig sind." Der größte Eingriff bei Harnsteinen ist die PNL (Perkutane Nephrolitholapaxie): "Bei größeren Steinen in der Niere kommt diese Methode zum Einsatz, bei der wir die Niere, in der die Steine sitzen, punktieren. Wir legen mit einer Nadel einen dünnen Kanal in die Niere, durch den wir den Stein zertrümmern und entfernen können." Der Nachteil: Die Patienten müssen mit vier bis fünf Tagen Krankenhausaufenthalt rechnen, und der Eingriff wird unter Vollnarkose gemacht. Der Vorteil: Auch große Steinmengen können gut mit einem Eingriff entfernt werden.

Die Zusammenfassung des Experten: "Wer möglichst schnell steinfrei werden möchte, muss Narkose und Krankenhausaufenthalt in Kauf nehmen - wer das nicht möchte, muss oft viel Geduld mitbringen, denn die Steinbehandlung ohne Eingriff dauert meist mehrere Monate." Weisers Fazit ist Warnung zugleich: "Harnsteine sind vor allem eine Wohlstandserkrankung." Seine Tipps: Mindestens zweieinhalb Liter über den Tag verteilt trinken, vor allem Wasser und Fruchtsäfte mit Säuren. Nicht zu viel Fleisch und Milchprodukte essen, dafür viel Gemüse und Obst. So können Risikofaktoren wie Übergewicht reduziert werden.
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