Rockabilly-Fans räumen historische Frisierstube aus
Andrang beim Retro-Friseur

So dicht gedrängt standen die Autos beim "Stirl"-Boder in Raigering in den vergangenen 30 Jahren nicht mehr. Am Mittwochabend verschenkten die neuen Eigentümer das historische Inventar. Bild: upl
Amberg: Friseursalon Weiß |

Zum Abschluss gab es noch einmal einen richtigen Ansturm: Rockabilly-Fans aus der ganzen Region standen Schlange, um das Inventar des alten Friseursalons in Raigering unter sich aufzuteilen. In die Haare gerieten sie sich dabei nicht.

Die neuen Eigentümer, Michael und Simone Donhauser, hatten vorgesorgt: Mit Currywurst und Bier empfingen sie am Mittwochabend alle, die sich für die mehr als 60 Jahre alten Drehstühle, Trockenhauben und Waschbecken interessierten. Dem alten "Stirl"-Boder in Raigering hatten die beiden quasi eine Zwangsräumung verordnet. Die aus den 50er Jahren stammende Einrichtung musste weg, weil die Donhausers die ehemalige Frisierstube demnächst zu einem Imbiss-Lokal umbauen wollen.

Mulmiges Gefühl


"Ich habe heute Nacht gar nicht gut geschlafen", bekannte Michael Donhauser. Denn die Absicht, das Inventar am Mittwochabend an Interessenten, die vorbeikommen, einfach zu verschenken, hatte in Kreisen der Retro-Fans bundesweit für Aufsehen gesorgt. Per Internet und Telefon gingen zahlreiche Anfragen ein. "Drei Leute meldeten sich, die die Einrichtung komplett haben wollten", erzählte Ehefrau Simone. "Einer sagte sogar, er wolle einen hohen Preis dafür zahlen." Gekommen sind die gut betuchten Interessenten dann aber nicht.

Bastler aus der Region


Vielmehr gaben sich Bastler und Rockabilly-Freunde aus der Region sowie eine ganze Schar von Nachbarn die Klinke in die Hand. Ein Mann aus Amberg verstaute zwei der fünf rosafarbenen, voll funktionsfähigen Trockenhauben aus dem Jahr 1954 im Kofferraum seines Autos. "Ich weiß noch nicht, was ich damit mache", sagte er. "Irgendein Gag wird mir schon einfallen." Klaus Schamberger, Chef des Barber-Shops in der Schlachthausstraße, hat einen Kumpel vorbeigeschickt: "Vielleicht nehmen wir die ganze Wand mit den Waschbecken und Spiegeln. Würde gut passen." Für die Theke mit einer hölzernen Einbau-Kasse interessierte sich die Elternschule. "Das wird sich machen lassen", sagte Simone Böhm-Donhauser zu. Das Stadtmuseum hatte eine Übernahme des Inventars abgelehnt. Es verfügt bereits über eine historische Frisierstube.

Ein älterer Herr aus Amberg sicherte sich noch die Schleifsteine, an denen der Friseur früher seine Scheren gewetzt hat. Nur das alte Rasierwasser (Eau de Toilette "Champs-Élysées") wollte nach einer intensiven Duftprobe dann doch keiner haben.


Der vorausgegangene Bericht über die ersten Anfragen findet sich hier
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