"Rocky Horror Show" im ACC
Publikum lässt es erst später krachen

Manchmal braucht es einfach ein bisschen Zeit. Oder ein Gläschen Prosecco. Dann springt der Funke zwar langsam, aber sicher über. Bei der Nacht der Musicals im ACC war das spätestens bei der "Rocky Horror Show" der Fall und das Publikum ließ sich richtig mitreißen. Sogar zu einem kleinen Tänzchen in den Stuhlreihen.

. An den Künstlern kann es nicht gelegen haben, dass die Zuhörer im gut gefüllten ACC etwas verhalten in die Nacht der Musicals starteten. Die vier ausgebildeten Sänger, begleitet von acht Tänzern, stellten von Anfang an unter Beweis, dass sie absolute Profis auf ihrem Gebiet sind. Mit ihren unglaublich ausdrucksstarken Stimmen und dem beeindruckenden Bühnenspiel nahmen sie die Zuschauer mit auf eine zweieinhalbstündige Reise durch mehr als ein Dutzend klassischer und brandneuer Musicals.

Die ausgefeilte Licht- und Tontechnik tat ihr Übriges, um weltberühmten Klassikern wie "Memory" aus Cats oder "Don't cry for me Argentina" aus Evita den richtigen Boden zu bereiten. Daneben standen auch das Phantom der Oper, Tanz der Vampire und Elisabeth auf dem Programm. Doch auch bei Liedern aus neueren Musicals ließ es das zwölfköpfige Team auf der Bühne sprichwörtlich krachen. Songs aus dem ABBA-Film Mamma Mia übertrugen die ausgelassene Stimmung der Künstler schon deutlicher auf das Publikum. Vereinzelt wurde mitgesungen.

Bei so vielen Darbietungen aus immer wieder neuen Musicals war es aber nicht verwunderlich, dass sich die Stimmung erst allmählich steigerte. Es braucht ein bisschen Zeit, in die Welt der Musicals mit dem überwältigenden Gesang, den Licht- und Showeffekten gepaart mit ausdrucksstarkem Tanz in knallbunten Kostümen einzutauchen.

Das Ensemble reagierte darauf nach der Pause mit der sprichwörtlichen Flucht nach vorn. Eine kleine Comedyeinlage von Michael Ewig, einem der vier Gesangssolisten, der später auch in die Rolle von Udo Lindenberg schlüpfte, trug wesentlich dazu bei, die Begeisterung von der Bühne vollends ins Publikum schwappen zu lassen. Er spielte den glamourösen Transvestiten Frank N. Furter aus der Rocky Horror Show. Nach der temporeichen Nummer richtete er das Wort ans Publikum: "Wollt ihr mich veräppeln? Oh Kinder, so geht das nicht. Seid ihr alle wach?" Und dann ließ er sich von der Bühne heben. Ein paar Provokationen und freche Frage-Antwort-Spiele später, klatschten, stöhnten und brummten die Gäste im Saal auf sein Kommando und die Show gewann deutlich an Fahrt.

Bei Stücken wie "Ich war noch niemals in New York" oder "We are the champions" übernahm streckenweise das Publikum das Singen und alle gaben sich der ausgelassenen Stimmung hin. So verwunderte es auch nicht, dass am Ende der legendäre "Time warp" aus der Rocky Horror Show alle von den Stühlen riss. Gemeinsam mit den Akteuren auf der Bühne streckten die Zuschauer die Arme in die Höhe, bewegten die Hüften und hüpften singend im Takt. Und da sag mal noch einer, die Amberger seien reserviert.
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