Salims Flucht vor Monstern

Salim Aboharash sagt, Syrien ist ein schönes Land. Er wäre geblieben, wenn ihn Bürgerkrieg und IS nicht zur Flucht gezwungen hätten. Jetzt ist er froh, vorübergehend in der Barbaraschule Aufnahme gefunden zu haben. Er hofft, als Asylsuchender bleiben zu dürfen - um seine Familie zu retten, wie er sagt. Bild: Hartl

"Ich will kein Monster werden." Salim Aboharash schüttelt energisch den Kopf, als er diesen Satz sagt. Voller Abscheu denkt er an den IS und ein fast ebenso grausames Regime in seinem Heimatland Syrien. Sie haben Menschen zu Monstern gemacht. Davor floh der 27-Jährige und sitzt jetzt als Asylbewerber in Amberg.

Amberg (August 2015). Es ist ein innerer Kampf, den der junge Syrer führt. Er hat Gewalt nicht mit Gegengewalt beantworten wollen. Weder gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) noch gegen die Regierungstruppen von Alleinherrscher Baschar al-Assad wollte er sich offensiv wenden. Nein, Salim hat mit seinen Eltern und seinen Schwestern in der Stadt Nerabcamp nahe Aleppo nur still gelitten. Seit mittlerweile über vier Jahren tat er das - mit wachsender Angst.

Dauergefahr IS und Aleppo


Vor allem, als die militärischen Auseinandersetzungen von Regierungssoldaten und Rebellen um das umkämpfte Aleppo immer heftiger wurden, steigerte sich die Furcht der Familie ins Unermessliche. Tägliche Truppenbewegungen und Bombenexplosionen aus nur wenigen Kilometern Entfernung zu erleben, warfen immer häufiger die Frage auf: Wann schlägt die Gewalt bei uns ein? Vor allem bei Leuten, die sich politisch neutral zu verhalten versuchen und von daher beiden Seiten "verdächtig" erscheinen. Oder noch schlimmer: Wann stehen die Mordkommandos des IS vor der Tür?

Salim hielt diesen Druck nicht mehr aus, wie er mit niedergeschlagenem Blick sagt. Er traf für sich und seine Familie eine Entscheidung: Er muss fliehen in ein Land, das nicht nur sicher ist, sondern das vielleicht auch die Chance auf ein neues Leben bietet. Dabei denkt der 27-Jährige keineswegs nur an sich selbst. Im Gegenteil hat er seine Eltern und seine Schwestern im Herzen mit nach Deutschland getragen.

Arbeiten für die Familie


Sie konnten aus einem ebenso traurigen wie einfachen Grund nicht mitkommen: Das Geld, das die Familie mühselig erspart hatte, reichte nur für eine Person. Salim geriet an Schlepper, die ihm eine "sichere" Reise nach Deutschland versprachen. Dass der Trip dann lebensgefährlich wurde, ist die andere Geschichte, die der 27-Jährige erzählt (siehe unten). Erst mal will er von seiner Familie berichten, wegen der er eigentlich nach Deutschland gekommen sei.

Täglich denkt er an seine Eltern und die Schwestern und hofft, dass die beschriebenen Gefahren wenigstens noch eine Weile auf sich warten lassen. Denn Salim braucht Zeit. Bis sein Asylantrag hoffentlich genehmigt wird und bis er hier in Deutschland Fuß fassen kann. Damit meint er neben der Anerkennung, in erster Linie Arbeit zu finden. Der gelernte Friseur will nicht vom Geld deutscher Behörden und Bürger leben. Er möchte selber für sich sorgen, arbeiten gehen - ganz egal, was - und eben Geld verdienen. Nicht für sich selbst tut er das, sondern für seine fünf zu Hause gebliebenen Lieben. Sie alle möchte er nach Möglichkeit nachholen - zumindest Schritt für Schritt, wenn das geht. Zuvor aber muss er eben einen Job finden und sparen. Damit er dieses Geld nach Hause schicken kann, das dann den Nächsten die Flucht ermöglicht.

Salim hofft, bald sagen zu können: "Ja, Deutschland ist ein gutes Land. Ich bin hier freundlich aufgenommen worden, kann für mich und meine Familie sorgen." Seine ersten Erfahrungen nach gut zwei Wochen hier sind trotz der durchlittenen Anreiseodyssee "positiv", wozu auch die gute Aufnahme und Versorgung in den Turnhallen von Barbara- und Willmannschule beitragen.

Gute NachrichtSalim Aboharash blieb in Amberg und ist zu einem Musterbeispiel für gelungene Integration geworden. Er lernt nicht nur Deutsch, sondern hat auch eine Arbeit gefunden - durch diesen AZ-Artikel und die Mithilfe der Redaktion. Hier geht es zur Fortsetzung seiner Geschichte im März 2016.
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