Schwarzmarktwert von 10000 Euro
Drei Pfund Gras von Paul

Symbolbild: dpa

Wer ist Paul? Ein Mann mit diesem Vornamen soll drei Pfund Marihuana geliefert und dafür kein Geld genommen haben. "Ich hätte das abstottern sollen", erzählte der Käufer nun vor dem Schöffengericht. Immerhin rund 10.000 Euro.

Er war, wenn man so will, sein bester Kunde. Täglich fünf Gramm Eigenbedarf und ein voller Sack mit Marihuana gleich neben dem Bett. Heuer im März schellte es an der Tür des 31-jährigen Ambergers und herein traten zwei Drogenfahnder der Kriminalpolizei. Einer der Beamten erinnerte sich jetzt als Zeuge vor Gericht: "Die ganze Wohnung hat nach dem Zeug gerochen."Weshalb kamen die Polizisten so unverhofft? Sie hatten einen Tipp aus dem Kundenkreis des 31-Jährigen bekommen, kannten den alleinstehenden Mann als Konsumenten und sahen sich um. Das Ergebnis war sehr bemerkenswert: In einer sogenannten Plombe und in mehreren randvoll gefüllten Dosen befanden sich 1077 Gramm Marihuana. "Von besserer Qualität" wie der seinerzeit in U-Haft genommene Arbeitslose nun Richter Markus Sand erzählte.

"Es war so"


Das Geständnis fiel kurz und bündig aus: "Es war so", gab der 31-Jährige zu. Doch der Vorsitzende hatte diverse Fragen. Zum Beispiel diese: "Woher stammte das Marihuana?". Daraufhin gab es eine eher seltsame Erklärung, die in engem Zusammenhang mit einem gewissen Paul stand. Paul also (Nachname unbekannt) soll seinen späteren Großabnehmer bei einer Feier in Amberg kennengelernt und dabei satte drei Pfund Marihuana angeboten haben.

Rund 10 000 Euro


Das Gras, wie man die heiße Ware im Dealerjargon nennt, wurde kurz darauf übergeben. Eine Lieferung im Schwarzmarktwert von rund 10.000 Euro. Doch seltsamerweise wollte Paul zunächst nichts Bares haben. Von Abstottern war die Rede und auch davon, "dass wir uns nächsten Samstag wieder treffen". Ab dann kam es bei dem 31-Jährigen zum umfangreichen Eigenverbrauch und auch bei anderen, die er belieferte, qualmte der Joint. Wie sich herausstellte, hatte das Schöffengericht einen Mann vor sich, der nach Meinung der medizinischen Sachverständigen Dr. Anna Wunder-Lippert (Nürnberg) "eine Therapie dringend nötig hat". Zweieinhalb Jahre Haft forderte Staatsanwältin Michaela Frauendorfer für den einschlägig vorbestraften Amberger. Der Anordnung einer Langzeittherapie widersetzte sie sich dabei nicht und befand sich im Meinungseinklang mit Verteidiger Michael Schüll. Auch er riet den Richtern, seinen Mandanten in eine Entzugsklinik zu schicken.

Haft und Entzug


Das Schöffengericht verhängte zwei Jahre und drei Monate Gefängnis. Außerdem ordnete es die Unterbringung in einem Drogenfachkrankenhaus an. Wer Paul ist, blieb ungeklärt. Doch fest steht: Wenn er tatsächlich Ratenzahlungen gewährte, muss er sich mit Blick auf seine 10.000 Euro wohl lange gedulden.
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