Seit FC-Stadionbau keine Genehmigung für Anschluss des alten Zuschauer-WCs
Kanal 40 Jahre illegal

Stilles Örtchen mit stillem Geheimnis: Vermutlich seit Bau des FC-Stadions hatte das Klo an der Nordseite der Zuschauertribüne (braune Tür im Hintergrund) einen illegalen Kanalanschluss. Aufgetaucht ist der erst, als neue WC-Container angedockt werden soll-ten. Bild: Steinbacher

Das alte WC im FC-Stadion stank tatsächlich zum Himmel. Sein Kanalanschluss tat es im übertragenen Sinn auch. Er war nicht genehmigt, existierte über 40 Jahre illegal im Untergrund, ohne dass die Stadt davon wusste. Entdeckt wurde das nur durch Zufall, als die neuen Klocontainer angeschlossen werden sollten.

Das bestätigte die Stadt auf Nachfrage der AZ, nachdem der FC Amberg als Stadionbetreiber inzwischen gehandelt und den Bau einer neuen Kanalanbindung veranlasst hat. An diesen Kosten und der neuen WC-Anlage soll sich Amberg nun mit rund 84 000 Euro beteiligen. Darüber will der Stadtrat in seiner Sitzung am Montag beschließen; der Hauptausschuss hatte jüngst eine einstimmige Empfehlung für diesen Zuschuss abgegeben. Im schriftlichen Sachstandsbericht der Verwaltung standen zur Erläuterung des Hintergrunds jedoch andere Dinge im Mittelpunkt (Hintergrund). Die Geschichte mit dem nicht genehmigten Kanal wurde darin nicht erwähnt.

Seit Stadionbau unbekannt


Sie ist zugegeben etwas kompliziert, aber eben auch ein Grund, warum der neue Anschluss notwendig wurde, für den jetzt Geld fließen soll. Als der FC seine WC-Container aufstellte und an den nächstgelegenen Schacht andocken wollte, stellte sich laut Tiefbauamt heraus, dass diese Leitung gar nicht bekannt war. Behördenleiter Norbert Füger spricht von einem "ungenehmigten zweiten Toilettenanschluss des FC-Stadions, der bereits beim Bau des Stadions 1972 entstanden sein dürfte".

ESV und TC mussten ändern


Bis auf die fehlende städtische Erlaubnis war diese Leitung über 40 Jahre an sich unproblematisch. Denn sie lief zu einem Mischwasserkanal aus den 1920er-Jahren, der seinen Inhalt nur rund 100 Meter weiter zum einst an der Bruno-Hofer-Straße gelegenen alten Klärwerk transportierte. Das war laut Füger solange in Ordnung, solange dieser Kanal uneingeschränkt in Betrieb war, später auch das Theuerner Klärwerk bediente. 2014 jedoch sei er nach einer Kamerabefahrung teils abgehängt worden. Für den ebenfalls angebundenen TC am Schanzl und den ESV bedeutete das, dass ihre Schmutzwasserleitungen auf einen neueren Kanal umgebunden wurden. "Den Altkanal zu sanieren, wäre wasserwirtschaftlich unsinnig gewesen und hätte bedeutet, die Rasenspielfläche und Tartanbahn des Stadions aufzubaggern", erläuterte der Tiefbauamtschef, der 2015 die Überraschung mit dem bis dahin unbekannten Toilettenabfluss des Stadions erlebte.

Klar, dass diese Leitung nicht weiter bleiben und auch nicht für die neue Container-WC-Anlage benutzt werden durfte. Schmutzwasser hatte schließlich in dem nur mehr für (sauberes) Regenwasser genutzten Kanal nichts zu suchen. "Im Sommer wurde der Fehlanschluss entdeckt und nun mit einer Anbindung an einen Schmutzwasserkanal im Bereich des Dultplatzes durch den FC Amberg behoben", teilte Füger mit, der deutlich machte, dass es nur um den Toilettenabfluss des Stadions geht - der Kanalanschluss von Gaststätte und FC-Heim waren von jeher genehmigt und in Ordnung.

Umgang lax, aber verjährt


Wie es seinerzeit zur illegalen Einleitung kam, lässt sich nach seiner Ansicht nur mehr schwer nachvollziehen. Zumal in den Siebzigern generell laxer mit Umwelt-Themen umgegangen worden sei und sich wohl kaum mehr klar feststellen ließe, ob beispielsweise FC-Vertreter davon wussten oder vielleicht Bauverantwortliche auf diesen Trichter kamen. Spielt aber auch keine große Rolle mehr, meint Füger, denn nach über vier Jahrzehnten sei das Thema eh längst verjährt und niemand mehr zu belangen. (Angemerkt/Hintergrund)
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