Selbsthilfegruppen: Fachtag in Amberg
Gesundheitsministerin würdigt Arbeit

"Mit dem Rauchen aufzuhören, ist gar kein Problem, das habe ich schon 100 Mal geschafft": Chefarzt Dr. Ulrich Kemper zitiert beim Selbsthilfetag "Sucht und Gesundheit" Mark Twain zum Thema Rückfälle. Bild: Hartl

Freilich war das ein guter Anlass: Eine Fachtagung der Selbsthilfegruppen in einer Region, die noch gar keine Koordinierungsstelle hat. Logisch, dass man hier ein wenig rudert - allerdings in die gleiche Richtung.

Während Gesundheitsministerin Melanie Huml noch auf der Autobahn im Stau steckte, trafen sich 150 Teilnehmer zum bayernweiten Selbsthilfefachtag im Kongresszentrum. "Gesunde Anteile stärken - Un-Abhängigkeit fördern" lautete das Thema, zu dem Dr. Ulrich Kemper, Chefarzt der Bernhard-Salzmann-Klinik aus Gütersloh, das Impulsreferat mit dem Titel "Immer wieder aufstehen - mit Rückfällen leben" gab. Beim Pressegespräch vorab stellten die Beteiligten fest, dass eine Selbsthilfekontaktstelle auch Amberg gut stehen würde. Circa 1000 Euro Förderung zahlen die gesetzlichen Krankenkassen an eine Selbsthilfegruppe pro Jahr, informierte Lisbeth Wagner von der zentralen Selbsthilfekontaktstelle Regensburg. Eine normale Gruppe sei mit der Antragstellerei überfordert. Auch hier würde eine Anlaufstelle helfen. Die Fachtagung war ausgebucht. In fünf Workshops arbeiteten die Experten an Themen wie psychische Widerstandsfähigkeit, Stabilisierungstechniken oder Lebenszufriedenheit. Gesundheitsministerin Huml würdigte die Selbsthilfegruppen: "Sie sind eine starke Stütze in unserem Versorgungssystem." Allein in Bayern gebe es etwa 11 000 Selbsthilfegruppen mit etwa 500 000 Mitgliedern zu knapp 900 Themen. Die Ministerin unterstrich: "Der Weg aus der Sucht endet nie - umso besser ist es, Selbstbetroffene an seiner Seite zu wissen." Dass sich die Anstrengungen für die Suchtprävention lohnen, zeigen Entwicklungen: "Das Rauchen der unter 12- bis 17-Jährigen ist heute so selten wie noch nie seit den 70er Jahren. Das zeigt, wir sind auf dem richtigen Weg." (Hintergrund)

HintergrundIn der Oberpfalz gibt es lediglich in Regensburg eine für die Stadt und den Landkreis Regensburg zuständige Koordinierungsstelle für Selbsthilfegruppen. Auf Initiative ihres Stadtrats Rupert Natter stellte die CSU-Fraktion einen Antrag, eine ähnliche Einrichtung auch in Amberg zu schaffen. "Wir stehen dem positiv gegenüber", informierte Bürgermeister Martin Preuß bei einem Pressegespräch am Rande der Fachtagung im ACC. Allerdings sei dies nur in Zusammenarbeit mit dem Landkreis machbar. "Wir könnten uns vorstellen, die Selbsthilfekoordinationsstelle unter dem Dach der Freiwilligenagentur einzurichten", wurde Preuß konkreter. Politische Beschlüsse stünden allerdings noch aus. Klaus Grothe-Bortlik, Vorstand der Selbsthilfekoordination Bayern (Seko), sagte, dass es in Bayern 31 Standorte gebe. (roa)


Amberg ist eine aufstrebende Region. Eine Selbsthilfekoordinationsstelle würde ihr gut stehen.Lisbeth Wagner, zentrale Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe, Regensburg


30 bis 40 Prozent der Betroffenen beenden eine begonnene Behandlung wegen einer Suchtstörung nicht planmäßig. Das macht mich traurig.Gesundheitsministerin Melanie Huml
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