Soldaten derPanzerbrigade 12 bauten ein "Wartezentrum"
Stadt für Flüchtlinge

Einen ungewöhnlichen humanitären Einsatz der Panzerbrigade 12 beschrieb deren stellvertretender Kommandeur Oberst Maximilian Lindner vor Reservisten: ihr Engagement in der Flüchtlingshilfe im Herbst 2015.

Der Vorsitzende der Reservistenkameradschaft (RK) Amberg, Werner Koller, freute sich, dass er Lindner als hochkarätigen Referenten für die Monatsversammlung gewonnen hatte.

Lindner betonte, dass das Thema Flüchtlingshilfe zwar derzeit nicht im Fokus der Öffentlichkeit stehe, vor gut einem Jahr sei die Situation aber noch eine ganz andere gewesen. So wurden im Oktober 2015 allein in Bayern über 200 000 Flüchtlinge entlang der deutsch-österreichischen Grenze aufgegriffen, die es zu registrieren, zu versorgen und weiterzuleiten galt. Da diese Mammutaufgabe nicht nur mit Organisationen zu bewältigen war, die hauptsächlich ehrenamtlich getragen sind, erhielt die Bundeswehr den Auftrag, Amtshilfe zu leisten. Sie sollte nicht nur mit Personal unterstützen, sondern auch Unterkunftsmöglichkeiten in Kasernen bereitstellen.

Die Panzerbrigade 12 wurde ab September 2015 in die Hilfsmaßnahmen mit eingebunden. Sie musste an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Soldaten für Registrierungsarbeiten abstellen und "schnelle Unterstützungskräfte" für kurzfristige Einsätze bereithalten.

Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit lag aber darin, bei der Errichtung und dem Betrieb eines Wartezentrums in der Gäuboden-Kaserne im niederbayerischen Feldkirchen mitzuwirken. In einem Wartezentrum verbleiben die Flüchtlinge nach ihrer Registrierung längstens drei Tage, bis sie innerhalb Deutschlands weiterverteilt werden.

Die Aufgabenstellung war klar vorgegeben. Die Einrichtung sollte über eine Aufnahmekapazität von 5000 Personen, auch während der Wintermonate, verfügen. Die Leitung lag in den Händen des BAMF, der Aufbau erfolgte als Gemeinschaftsleistung von Bundeswehr und Technischem Hilfswerk, den Betrieb stellte das Deutsche Rote Kreuz mit Unterstützung der Bundeswehr sicher. "Wir bauten eine kleine Stadt", erläuterte Lindner den Zuhörern die Vorgehensweise, zu der auch der Bau von Kanalisation und Elektroinstallationen gehörte.

Nachdem in einer ersten, eher provisorischen Phase 400 relativ einfache Zelte aufzubauen waren, mussten für die Wintermonate geeignete Leichtbauhallen errichtet werden. Die Zusammenarbeit mit den beteiligten Organisationen verlief laut Lindner problemlos. Besonders den freiwilligen Kräften des Technischen Hilfswerks zollte der Oberst für deren Engagement großen Respekt. Viele Informationen aus den Erfahrungen und Erlebnissen im Alltagsbetrieb machten den Vortrag sehr aufschlussreich und lebendig.

Aufgrund des EU-Türkei-Abkommens, das einen Rückgang der Flüchtlingszahlen bewirkte, steht das Wartezentrum momentan leer. Ein Abbau des Lagers, von dem es noch ein zweites in Erding gibt, scheint nicht ausgeschlossen. Für die Soldaten war der Einsatz eine Herausforderung. "Sie haben dabei viel menschliches Leid gesehen", sagte der Referent.

Wir bauten eine kleine Stadt.Oberst Maximilian Lindner


Sie haben dabei viel menschliches Leid gesehen.Lindner über die Soldaten
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