Spektakuläres Konzept am Gymnasium
So würde Max Reger heute klingen

Maria-Anna Feldmeier-Zeidler, Musiklehrerin am Max-Reger-Gymnasium (rechts), hat sich für ihr Projekt mit Christof Weiß und Katrin Klose zwei ehemalige MRG-Absolventen ins Boot geholt. Mit dem Schulorchester vertonen sie Reger-Werke und machen sie zu zeitgenössischer Kunst. Bild: Huber

100 Jahre nach dem Tod von Max Reger wagen zwei ehemalige Absolventen des Max-Reger-Gymnasiums ein außergewöhnliches Projekt. Wie klingt der romantische Komponist als zeitgenössischer Künstler, präsentiert von einem Schulorchester?

Am 11. Mai jährte sich zum 100. Mal der Todestag des Oberpfälzer Komponisten Max Reger. Maria-Anna Feldmeier-Zeidler, Musiklehrerin am Max-Reger-Gymnasium, nahm den Jahrestag zum Anlass, mit Katrin Klose und Christof Weiß, zwei ehemaligen Schülern des Gymnasiums, das Projekt zu starten.

Wie kam das Vorhaben zustande?

Feldmeier-Zeidler : Nachdem Reger viel für Orchester komponiert hat, aber für unser Schulorchester nichts Machbares, kam die Idee, dass wir zum Jahrestag Stücke vom Namensgeber unserer Schule entweder neu komponieren oder instrumentieren. Meine Idee war: Ich spreche ehemalige Schüler an, die jetzt fertige Komponisten sind und frage sie um Rat und ob sie mitmachen wollen.

Christof Weiß: Zunächst mal haben wir uns gefunden, Katrin Klose und ich. Wir haben beide in Würzburg studiert, haben also kompositorisch nicht nur durch das Max-Reger-Gymnasium, sondern auch durch die Hochschulausbildung einen ähnlichen Hintergrund. Die Idee war, nicht ein großes, episches Werk zu schreiben, wie es ja Reger oft selbst gemacht hat. Wir haben eine ganz andere Herangehensweise gewählt, um nicht dem Reger'schen-Orchester-Duktus noch eins draufzusetzen, was ohnehin schwierig wäre. Daher haben wir kleine kammermusikalische, ja fast intime Werke hergenommen. Die Wahl fiel auf Klavier-Zyklen von kurzen Charakterstücken, die relativ klein angelegt sind, aber als Zyklus ein interessantes Gesamtwerk ergeben. Nach einiger Suche sind wir bei den "Losen Blättern" gelandet, man kann sagen ein Jugendwerk, 1893 komponiert, zum Alter der Schüler noch besser passend. Daraus haben wir Orchesterstücke gemacht. So, wie man sie 2016 machen kann.

Was assoziieren Sie als Komponisten mit Reger und wie spiegelt sich dies in der Musik wider?

We iß: Die Vorlage ist zunächst mal direkt "der Reger". Die Herangehensweise eines Komponisten ist, zu reflektieren und etwas Eigenes hinzuzufügen. Wir haben die Stücke in einer Weise instrumentiert, die auch von den Klängen der Neuen Musik, der zeitgenössischen Musik inspiriert ist und diese auch verwendet.

Katrin Klose: Wir haben mit den "Losen Blättern" auch bewusst Klavierstücke gewählt, die eine sehr einfache Struktur haben, die von der Setzung sehr einfach sind, damit wir in der Instrumentation etwas hinzufügen können. Der bestehende Satz wird instrumentiert, dann kommt oft noch eine Schicht dazu, zum Beispiel Obertöne, Klangflächen, Nebenstimmen. Bestimmte Stimmen werden herausgeholt oder Stimmen entstehen im Orchester, die eigentlich so nicht im Klavierstück drin sind.

Weiß: Die Hauptidee bei den meisten Stücken war es, eine sehr farbige Klanglichkeit entstehen zu lassen, das heißt, eine Melodie, die im Original eine Klangfarbe hat, nämlich die des Klaviers, wird verteilt auf sehr viele Klangfarben: Vom Vibrafon über die Harfe, bis zu den Holzbläsern, Streichern und an besonderen Momenten sogar auch am Originalinstrument Klavier, was dann immer eine spezielle Rolle spielt. So entstehen teilweise Klangbänder, Melodiebänder, die durch das gesamte Orchester wandern, bei denen sich die Musiker gegenseitig die Klinke in die Hand und die Melodie weitergeben.

Ein Werk zu zweit zu komponieren ist doch sicher eine Herausforderung. Wie geht man da künstlerisch heran?

Klose: Wir haben aus den "Losen Blättern" von Reger fünf Einzelsätze ausgewählt. Dadurch konnte jeder von uns erst einmal mit Sätzen angefangen, die nicht aufeinanderfolgen. Als wir dann das erste Ergebnis vom jeweils anderen gesehen haben, konnten wir aufeinander Bezug nehmen und wir haben dann auch einen Satz praktisch im Übergang instrumentiert. Wir machten genau das, was die Schüler dann im Konzert machen müssen: Wir geben uns kompositorisch die Klinke in die Hand.

Klingt das jetzt nach Reger oder klingt das nach Klose und Weiß?

Feldmeier-Zeidler: Wenn man das Stück kennt, das Original auf dem Klavier - und so haben wir das auch oft geprobt, mit dem Originalstück auf dem Klavier - dann bekommt man mit, dass Reger dahintersteckt. Hätte ich das ohne Klavier geprobt, dann wäre es für das Schulorchester auch wesentlich schwieriger gewesen, da auch Reger zu erkennen. Es ist viel Neues mit dabei. Letztendlich ist es gelungen, dass auch die Schüler aus der Probe rausgehen und zum Beispiel die Melodie vom "Moment Musical" singen, obwohl wir das auch so in dieser Instrumentierung geprobt haben. Aber die Melodie ist im Kopf, das ist ein großer Erfolg.

Wie geht ein Schulorchester mit so einem neuen Werk um?

Feldmeier-Zeidler: Es ist nicht einfach. Der Zusammenhang, wie die Stimmen jetzt hier bei den Instrumentationen zusammengesetzt sind, ist für die Schüler schwer zu hören. Was tut sich jetzt da eigentlich? Ich darf jetzt nur drei, vier, fünf Töne spielen, dann habe ich Pause, und dann komme ich wieder mit einem wichtigen Ton, der wird dann wieder zurückgenommen. Da muss man den Schülern zeigen, wie der Zusammenhang ist, und nicht aufgeben und immer wieder auch verschiedene Stimmen herausgreifen und dann auch das Original hören.

Weiß: Man kann das besondere Format mit einer Bleistift-Zeichnung vergleichen, wo zunächst nur die Konturen in Schwarz-Weiß vorliegen. Man könnte nun diese Zeichnung im romantischen Gestus ausmalen und eine Landschaftsmalerei draus machen. Man könnte aber auch wie ein Surrealist arbeiten und Strukturen herausstellen, die nicht so offensichtlich sind, und dann wird plötzlich der Baumstamm blau und die Baumkrone rot und der Himmel gelb. Das wäre sehr ähnlich zur Einzelstimme der Musiker. Die ergibt für sich nicht mehr so schnell Sinn, wie es vielleicht die Einzelstimme bei Mozart tun würde. Wenn man aber plötzlich das Ganze sieht, tauchen diese Konturen wieder auf. Bei unseren Stücken muss man aufeinander hören. Darin liegt die Chance, dass die Schüler vom Projekt auch jenseits von Reger was mitnehmen.

KonzertterminDas Konzert beginnt am Donnerstag, 16. Juni, um 19.30 Uhr im Stadttheater. Eventuell gibt es eine Einführung. Das ist das dritte Frühjahrskonzert des Gymnasiums, heute und morgen sind die Festsaalkonzerte. Los geht's jeweils um 19.30 Uhr
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