Staatsarchiv sammelt alte Dienststempel
Drei Siegel schreiben Geschichte

Künftig werden ausgediente Dienstsiegel wie die vom Vermessungsamt nicht vernichtet, sondern im Staatsarchiv an der Archivstraße in Amberg aufgehoben. Von links: Archivdirektorin Dr. Maria Rita Sagstetter, Vermessungsingenieur Maximilian Kronen, Archivamtsrat Erwin Stoiber und Vermessungsamtsleiter Kurt Beyerlein. Bild: Steinbacher

Eigentlich hütet das Staatsarchiv Geschichte. Mit der Übergabe von drei ungültigen Dienstsiegeln vom ehemaligen Vermessungsamt schreibt es selbst eine: Künftig werden die hölzernen Knäufe nicht vernichtet, sondern aufgehoben. Viele Behörden sollen ihre ausgedienten Stempel nun nach Amberg schicken.

Der Griff ist hölzern, rund und schlicht. Er zeigt das bayerische Staatswappen und die Schrift "Bayerisches Vermessungsamt". Noch bis 2014 waren diese drei ähnlichen Dienstsiegel im Einsatz. Dann wurde die Behörde in "Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung" umgetauft und die stets im Tresor aufbewahrten Präge-Exemplare wertlos.

In der Vergangenheit kam dies ganz oft vor: Die ausgedienten Siegel wurden dann stets nach München ins Hauptmünzamt geschickt und dort vernichtet. Für Kurt Beyerlein war das unverständlich. Der Leiter des Amtes wälzte für das 175-jährige Jubiläum der Katasterbehörde die Akten. Allerdings fand er Dienstsiegel nur als Abbildung. Die Originale waren für die Nachwelt verschwunden. Für den Freund historischer Dokumente unverständlich. Gemeinsam mit Archivdirektorin Dr. Maria Rita Sagstetter initiierte er, dass diese historisch einmaligen Gegenstände künftig aufgehoben werden. Den Beginn machte Beyerlein gleich selbst: Am Donnerstag übergab er die drei ausgedienten Dienstsiegel des Vermessungsamtes an das Staatsarchiv. Zum Dank dafür erhielt er ein Faksimile von König Ludwig II., mit dem er Bürger in den Adel erhoben hatte. Ein Geschenk, das ihn sprachlos mache, wie er gegenüber Dr. Sagstetter betonte. Schon bisher seien in ihrem Hause alte Personalakten aus dem Vermessungsamt aufbewahrt worden. Zum Beispiel die von August von Fabris, der 1841 zum 1. Bezirksgeometer ernannt worden war. Sein Vermessungseifer füllt einen ganzen Ordner. Sagstetter blätterte in dem Geheft, das auf den ersten Blick ein Gewirr von akribisch feinen Strichen zeigt. Ähnlich plastisch, also Geschichte zum Anfassen, soll künftig die Archivierung der Dienstsiegel sein. "Dies ist nunmehr erstmals in Bayern möglich", sagte Bayerlein.
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