Stadt Amberg könnte älter sein, als bislang gedacht
Archäologischer Vorstoß zu Ambergs Wurzeln

Archäologe Dr. Mathias Hensch und Anne-Kathrin Kluth vom Stadtplanungsamt inmitten der Grabungsstelle auf dem ehemaligen Bürgerspital-Gelände: Hier könnte Ambergs älteste Siedlung gewesen sein. Bild: Hartl

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Amberg 1034. Gut möglich, dass die Stadt aber noch viel älter ist. Hinweise darauf haben Archäologe Dr. Mathias Hensch und sein Team bei Grabungen auf dem ehemaligen Bürgerspital-Gelände gefunden. Dabei haben ihre Arbeiten dort gerade erst begonnen.

Auf dem Areal an der Bahnhofstraße sollen eine Tiefgarage, Wohnungen, ein Lebensmittelmarkt und weitere Gewerbeflächen entstehen. Zuvor, so die Auflage des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, muss es aber archäologisch untersucht werden. Das tun Dr. Hensch und seine Mitarbeiter seit einer Woche. Der Fachmann spricht von Oberbodenabtrag, der Laie sieht Bagger, die vorsichtig Erdreich wegschaufeln, und Mauergrundrisse sowie Gruben, die die Archäologen freigelegt haben. Dass sie hier fündig werden würden, hatte Dr. Hensch nach Sondierungen erwartet. Dass aber "so viel archäologische Substanz" zutage kommen würde, hat ihn doch überrascht.

Die Mauern, die die Fachleute direkt im Anschluss an den Eckert-Bau ausgegraben haben, sind laut Hensch Reste des 1319 von König Ludwig dem Bayern gegründeten Spitals. Erste, schon recht zahlreiche weitere Funde datiert Hensch auf das 13. Jahrhundert, zwei Scherben sogar deutlich älter. Obwohl die Untersuchungen noch am Anfang stehen, ist Hensch zuversichtlich: "Wir sind hier wieder einmal in der Lage, vielleicht ein Stück Geschichte, über die man eigentlich nichts weiß, zu erhellen." Sollte man dabei "wirklich so weit zurückkommen", wie es die Keramikstücke vermuten lassen, "dann sind das hier Ambergs Wurzeln."

Älter als gedachtNoch spannender als die Reste steinerner Mauern sind für die Archäologen Funde, die sie in den Erdschichten entdeckt haben. Die jüngeren von ihnen stammen nach Ansicht von Grabungsleiter Dr. Mathias Hensch aus dem 12./13. Jahrhundert: "Nach unten hin werden sie älter. Und es sind tatsächlich zwei, drei Scherben dabei, die in die Zeit vor 1000 datieren. Das ist keramikmäßig das Älteste, was wir bisher in Amberg kennen."

Sollte sich das durch noch folgende, genauere Untersuchungen und die weiteren Grabungen bestätigen, könnte genau an dieser Stelle die älteste Amberger Siedlung gewesen sein.

Vielleicht stoße man sogar auf Nachweise für einen Amberger Königshof, der bis ins 8./9. Jahrhundert zurückreichen könnte. Der ist laut Hensch bislang - trotz begründeter Hinweise - nur "eine Vermutung": Wenn es ihn aber an dieser Stelle der Stadt gegeben habe, "bin ich mir sicher, wir können das in irgendeiner Art archäologisch fassen". (eik)
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