Stadtbau in Startlöchern
Das Kind hatte sogar schon einen Namen

Die Stadtbau stand in den Startlöchern. Sie verfügte über weit gediehene Pläne zur Gestaltung des Bürgerspital-Areals. Doch es kam ganz anders. Aber wie, weiß bisher auch noch keiner.

Es war eine Randnotiz von Maximilian Hahn. Auf Seite neun seines Geschäftsberichts der Stadtbau war plötzlich von "Kaiser-Ludwig-Höfen" die Rede. Dazu gab es ein Bild (siehe oben). So stellte sich der kommunale Bauträger die Entwicklung der im Altsstadtkern gelegenen Bürgerspital-Brache vor. Da staunten selbst einige Stadträte in der Sitzung am Montag still und leise vor sich hin. So richtig nachhaken wollte jedoch keiner.

Auch Hahn blieb in seiner Darstellung nüchtern und knapp: "Gescheitert sind wir, wie Ihnen bekannt ist, mit unserer Planung", merkte er eher nebenbei zu diesem wohl größten Projekt der zurückliegenden Jahre an. Doch so richtig präsent, wie weit die Stadtbau mit ihren Überlegungen in Sachen Bürgerspital eigentlich schon war, schien es vielen nun auch nicht gewesen zu sein. "36 Wohnungen mit Dachterrassen und Balkonen sowie 751 Quadratmeter Gastronomie-, Gewerbe- und Dienstleistungsflächen sowie 58 Bewohnerstellplätze und 93 Quartiersstellplätze", umfasste das Projekt "Kaiser-Ludwig-Höfe". So sollte es heißen.

Wieder völlig offen


"Wir sind gespannt, was der Wettbewerb bringen wird", fügte der Stadtbau-Geschäftsführer noch in Anspielung auf das ausgelobte und derzeit laufende Investoren-Dialogverfahren an und blätterte weiter. Der stadtpolitische Schwenk, das Bürgerspital-Areal konzeptionell noch einmal völlig neu anzugehen, dürfte den kommunalen Bauträger also einiges Geld gekostet haben. Derart konkrete Pläne eines Architekten gibt es nicht umsonst. Einen Tag später meinte Hahn am Telefon, dass dieses Projekt wohl noch tiefer als nur in der Schublade verschwunden sei. Bei den "Kaiser-Ludwig-Höfen" habe die Ausrichtung noch viel eindeutiger auf qualitativ hochwertiges Wohnen in der Altstadt abgezielt, verdeutlichte der Stadtbau-Geschäftsführer. Nun stehe der Aspekt der Innenstadtbelebung im Vordergrund. Hahn gibt den "Kaiser-Ludwig-Höfen" offenbar keine Chance mehr.

Da war doch was


"Bürgerspital, das ging mir nun doch etwas zu schnell", hakte einzig Uli Hübner (SPD) nach. Obwohl er auch im Bauausschuss sitzt, schien ihm angesichts dieser Darstellung noch einiges neu zu sein. Eine erschöpfende Auskunft, beispielsweise wie viel Geld da in die Hand genommen worden ist, bekam er zumindest im öffentlichen Teil der Sitzung nicht. Außerdem hatte Hübner noch das Stichwort für ein anderes Innstadt-Projekt gegeben, das auch schon recht heftig diskutiert wurde (nebenstehender Artikel).
Bürgerspital, das ging mir nun doch etwas zu schnell.Uli Hübner, SPD-Stadtrat

Amberg. (zm) Noch knapper als das Projekt "König-Ludwig-Höfe" (nebenstehender Artikel), handelte Stadtbau-Geschäftsführer Maximilian Hahn in seinem Bericht vor dem Stadtrat das Thema Parkhaus gegenüber dem Bahnhof ab. Dazu gab es diesen Satz: "Die Planungsüberlegungen auf dem Multifunktionsplatz mit Feinschmeckermarkt und Hochgarage liegen derzeit auf Eis."

Auch das überraschte SPD-Stadtrat Uli Hübner: "Was heißt hier, ,liegt auf Eis'", fragte er. Danach herrschte etwas Verwirrung bei der Stadtspitze, und Bürgermeister Martin Preuß (CSU) machte sich in seinem Laptop auf die Suche nach der aktuellen Beschlusslage. Es dauerte einige Zeit, bis sich jeder durch seine Unterlagen gewühlt und für das Thema eine gemeinsamen Sprachregelung gefunden war. Sollten diese stadtplanerischen Überlegungen gänzlich gestorben sein, so spiele die SPD da nicht mit, hatte Hübner zuvor die Sozialdemokraten positioniert.

Demnach sieht die Situation dort derzeit so aus: Das Projekt wurde in seinen Dimensionen als zu ausladend und voluminös eingestuft, soll aber in einer kleinteiligeren Fassung planerisch fortgeführt werden.
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