Stadttheater Amberg: Wir lieben und wissen nichts
Auf der Suche nach dem Passwort

Einen großen Theaterabend in Amberg bescherten Helmut Zierl (Zweiter von rechts) und seine Schauspielkollegen mit dem Stück "Wir lieben und wissen nichts". Bild: Wolfgang Steinbacher

Vier Typen und ein ganzer Kosmos an Gefühlen steckt im Bühnenknüller "Wir lieben und wissen nichts". Alle sind miteinander vernetzt. Doch der Schlüssel zu wirklicher Nähe ist das nicht. Zu einer wunderbaren Inszenierung im Stadttheater Amberg allerdings schon.

Wie heißt der PIN? Vier Menschen begeben sich auf die Suche nach dem richtigen Benutzerkennwort im Bühnenstück "Wir lieben und wissen nichts". Zwei Paare treffen beim berufsbedingten Wohnungstausch auf Zeit zusammen. Völlig konträre Lebensentwürfe knallen aufeinander: Karrierefrau Hannah (Katharina Friedl: flexibel und vielschichtig) will nach Zürich, um als Zen-Coach gestresste Bankmanager zum richtigen Atmen zu bekehren. Ihr Lebensgefährte, der schrullig-melancholische Kulturhistoriker und Technikverweigerer Sebastian (Helmut Zierl: sensibel und selbstverliebt), soll sie begleiten. Will aber nicht. In seinen vergammelten Hosen ist er der typische Mann Marke "weltfremder Stubenhocker".

Bühne wie Aquarium


Ein ganz anderes Kaliber ist Roman (Uwe Neumann: laut und dynamisch). Er will nun mit seiner Frau, der Tier-Therapeutin Magdalena (Teresa Weißbach: einfühlsam und naiv), und viel technischem Equipment in die Wohnung einziehen. Die Bühne ist wie ein leeres Aquarium, die Wände türkisblau, ein paar Regale anskizziert, am Boden Büchertürme, viele Kisten und Koffer. Später kommt noch ein Beamer dazu, der einen Raketenstart direkt in die Wohnung überträgt. Das ist die Spielwiese, die sich Marcus Ganser, verantwortlich für das Bühnenbild, ausgedacht hat. Hier lässt Regisseur Rüdiger Hentzschel die vier ausgezeichneten Darsteller von der Leine, genehmigt Eigenständigkeit, unterstreicht Besonderheiten und verdichtet die literarische Vorlage zu aussagekräftiger Theaterkunst.

Die Darsteller ihrerseits zeigen, was sie können. Sie illustrieren die Geschichte, verkörpern die vier Charaktere, denen man zum einen lachend, aber auch merkwürdig betroffen in ihren Gedankenverirrungen, Gefühlswallungen und Offenbarungen folgt. Im ersten Teil gibt es keine Längen, nach der Pause ein paar. Es wird mit der geladenen Duellpistole "Napoleon Le Page" herumgefuchtelt. Es werden tiefschürfende Fragen erörtert wie "Nehm' ich den Nietzsche nun mit oder nicht?" und Briefe gelesen, die das Leben verändern. Da hat Roman alles im Griff - außer vielleicht seine Triebe, die ihn zu Hannah navigieren. Magdalena fühlt sich vom Prosecco und von Sebastian angezogen und lässt sich die Sex-Masche der Bonobo-Affen erläutern.

Treffende Allegorie


Das Stück ist ein Volltreffer und eine treffende Allegorie auf das Hier und Heute. Das richtige Passwort öffnet zwar den Weg ins World-Wide-Web, aber nicht unbedingt zum Partner. "Alles ist miteinander vernetzt, aber die Entfernungen zwischen den Menschen werden immer größer", sagt Sebastian zu Roman. Das Publikum applaudiert für dieses Stück der Konzertdirektion Landgraf lange.
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