Strafzettel erst nach zehn Minuten
Kulanz nicht großzügig genug [Aktualisiert]

Ist die Zeit abgelaufen, darf das Auto noch zehn Minuten stehenbleiben. Wer keinen Parkschein hat, wird ebenfalls nicht gleich aufgeschrieben. Dabei handelt es sich aber nicht um ein Gesetz, sondern um ein Entgegenkommen der Stadt, teilt Pressesprecherin Susanne Schwab mit. Bild: tk

Zehn Minuten können unheimlich lang sein. Zum Beispiel, wenn der Zahnarzt bohrt oder beim Fußball ein 1:0 über die Zeit gerettet werden muss. Zehn Minuten können aber auch wahnsinnig schnell vorbei sein - für Kunden, die in der Innenstadt nur kurz etwas besorgen wollen, nicht gleich einen nahe gelegenen Parkplatz finden und im Laden Leute vor sich haben. Zehn Minuten - diese Kulanz räumt die Stadt allen Autofahrern ein, die kein Kleingeld zur Hand haben, das Bezahlen per Handy nicht kennen und ihren Wagen ohne Parkschein hinterlassen.

"Wir haben öfter das Problem, dass diese zehn Minuten zu kurz sind", berichtet Helmut Kaltofen, Inhaber des Amberger Foto-Expresses in der Bahnhofstraße: "Die Leute stehen in der Schlange, gehen wieder und kommentieren das entsprechend." Vielen wäre mit fünf Minuten mehr schon geholfen, denn "der Weg zum Auto kommt ja auch mit dazu".

Selvent Duran vom gleichnamigen Obst- und Gemüseladen in der Steinhofgasse hat mitgezählt. Mindestens 20 Stammkunden habe sie schon verloren, weil sie zusätzlich zum Einkauf 15 Euro für den Strafzettel zahlen mussten: "Dann ist ihnen das natürlich zu teuer." Immer mehr bevorzugt würden die Lebensmittelabteilungen der Discounter und Supermärkte, weil das Parken gratis ist.

Die sollten den Leuten, die noch in der Innenstadt einkaufen, zehn Euro geben.Astrid Fuchs von Zigaretten Fuchs

Erst seit gut einem halben Jahr ist Michael Gutekunst in Amberg, wo er sich in der Georgenstraße mit dem Laden Bio Organic 56 selbstständig gemacht hat. Dass die Verkehrsüberwacher zehn Minuten lang die Augen zudrücken, war dem Inhaber so gar nicht bekannt: "Das ist das erste Wort, das ich da höre." Er würde es natürlich befürworten, wenn die Kunden aus Furcht vor einem Knöllchen nicht immer so gehetzt wären: "Das beobachten wir regelmäßig."

Die Leute stehen in der Schlange, gehen wieder und kommentieren das entsprechend.Foto-Express-Inhaber Helmut Kaltofen

Astrid Fuchs, die in der Altstadt Tabakwaren und Zubehör verkauft, findet deutlichere Worte. Die Stadt sollte darlegen, wie viel sie für den Verkehrsüberwachungsdienst ausgibt und wie viel sie durch die Strafzettel einnimmt: "Das ist doch längst bekannt, dass das ein Draufzahlgeschäft ist." Am liebsten wäre der Ambergerin dieses Modell: "Die sollten den Leuten, die überhaupt noch in der Innenstadt einkaufen, zehn Euro geben" - und nicht in Form einer Strafe kassieren.



Das sagt die Stadt"Es ist nicht daran gedacht, die zehn Minuten Kulanz-Zeit zu verlängern", teilte Ambergs Pressesprecherin Susanne Schwab am Donnerstag auf Nachfrage mit. Die Begründung: Es handle sich um ein Entgegenkommen, das es in anderen Städten nicht gibt, in Amberg den Autofahrern aber eingeräumt wird. Dennoch gebe es im Rathaus Überlegungen, einen speziellen Tarif für Kurzzeitparker einzuführen. Bisher müssen mindestens 30 Minuten bezahlt werden. Selbst, wenn der Aufenthalt kürzer dauert. (tk)
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