Streit um Zurückschneiden einer Hecke
Auf den Busch gehauen

Ihm gehe es weniger ums Geld als ums Prinzip, erklärte ein 35-jähriger Biobauer aus dem Landkreis vor Gericht. Er wollte ein Bußgeld nicht bezahlen, nachdem er eine Hecke gestutzt hatte.

-Sulzbach. Der vor ihr sitzende Mann hatte "eine Hecke auf Stock gesetzt". Was das denn bedeute, wollte Amtsrichterin Kathrin Rieger wissen und erfuhr: "Wenn man Büsche und anderes Gehölz bis unten hin abschneidet." Es ging um 100 Euro, verhängt vom Landratsamt wegen einer Ordnungswidrigkeit. "Wir sind da an den untersten Rand gegangen", sagte bei Gericht eine Beauftragte der Naturschutzbehörde.

Einspruch eingelegt


Doch der beschuldigte Landwirt, 35 Jahre alt und mit seinem Hof im nordwestlichen Landkreis ansässig, ließ sofort erkennen: Hier gehe es weniger um Geld. Viel mehr schon ums Prinzip. Der Bio-Bauer hatte im letzten Jahr größere Teile einer zu seinem Grund gehörenden Hecke "auf Stock gesetzt". Das bedeutete: Bis hinab zum Boden gekürzt, aber - und das spielte bei dem Verfahren eine Rolle - keineswegs gerodet. Durfte er das? Das Landratsamt und die dort angesiedelte Untere Naturschutzbehörde vertraten die Auffassung, dass der Eingriff so nicht statthaft war. Also bekam der Landwirt einen Bußgeldbescheid. Diese Ahndung verdross den 35-Jährigen. Deshalb legte er mit seinem Anwalt Dr. Günther Schatz Einspruch ein. Worauf man sich beim Amtsgericht traf und die Sache nahezu eine Stunde lang detailliert erörterte. "Mir wäre ein Ortstermin weitaus lieber gewesen", argumentierte der Biobauer und legte Bilder vor, denen sich entnehmen ließ: Die fragliche Hecke, rund 150 Meter lang und drei Meter breit, ist unterdessen zügig nachgewachsen.

Es gab noch weitere Umstände, die ins Gewicht fielen. Der 35-Jährige hatte sich nach eigenem Bekunden beim Landwirtschaftsamt erkundigt und dort erfahren, man dürfe vor dem 1. März zur Heckenbeschneidung schreiten. Er befragte offenbar auch weitere landwirtschaftlich orientierte Organisationen und bekam von dort ähnliche Auskünfte. "Er hätte aber mit uns reden sollen", warf die Vertreterin der Unteren Naturschutzbehörde in die Diskussion.

Von Bedeutung war auch: Der Mann musste unmittelbar an der Hecke einen Weidezaun errichten. Das, ließ er wissen, sei ohne Zurückschneidung der Gehölze nicht zu machen gewesen, hätte aber andererseits zu versicherungstechnischen Problemen führen können. Plausible Erklärungen also, die der Richterin einleuchteten. Eher nebensächlich erschien der Hinweis des Bauern, dass es in seiner Wohngegend diverse Heckenrodungen gab. "Aber die", warf er in die Waagschale, "konnte man von der Straße aus nicht wahrnehmen." Seine Hecke aber schon. Und da sei wahrscheinlich jemand vom Amt vorbeigekommen und habe den Eingriff bemerkt.

Im Naturpark


"Können wir die Sache einstellen?", wurde von der Richterin nach längerer Debatte gefragt. "Wir haben nichts dagegen", begrüßte Anwalt Schatz diesen Vorschlag. Die Vertreterin des Landratsamts war anderer Ansicht: "Das wäre ein fatales Zeichen." Zumal sich, wie sie betonte, die fragliche Hecke im Gebiet eines von Franken aus herein reichenden Naturparks befinde und man auch an Tiere denken müsse, die sich durch das Abholzen ein neues Quartier hätten suchen müssen. "Die nächste Hecke ist nur 70 Meter weit entfernt gewesen", hielt Verteidiger Günther Schatz dagegen.

Kurz darauf stellte Richterin Rieger das Bußgeldverfahren ein. Offen blieb eine genauere Erörterung folgender Umstände: Nach dem Bundesnaturschutzgesetz kann eine Hecke in den Wintermonaten und vor dem 1. März jeden Jahres gekürzt werden. Nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz aber allem Anschein nach nicht.
Das wäre ein fatales Zeichen.Eine Vertreterin der Unteren Naturschutzbehörde zum Vorschlag, das Verfahren einzustellen.
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