Studenten der OTH und der Nationalen Yurij-Fedkowitsch-Universität drehen gemeinsamen Film
Heimatgefühl rührt zu Tränen

Studierende der OTH und der Nationalen Yurij-Fedkowitsch-Universität aus Tscherniwzi produzierten gemeinsam den Kurzfilm "Flucht und Heimat". Er schildert exemplarisch Beweggründe, aber auch die Integrationsbemühungen ukrainischer Betroffener. Bild: gf

"Flucht und Heimat": So heißt ein Film über ukrainische Flüchtlingsgenerationen, den Studenten der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden (OTH) und der Nationalen Yurij-Fedkowitsch-Universität aus Tscherniwzi/Czernowitz gemeinsam gedreht haben.

Das Projekt ging im Zuge der Deutsch-Ukrainischen Jugendbewegung über die Bühne und wurde nun im Siemens-Innovatorium am Kaiser-Wilhelm-Ring vorgestellt. Das Auswärtige Amt und die Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft förderten die Produktion, an der 28 Studierende der OTH und der Fedkowitsch-Uni beteiligt waren.

Film voller Ästhetik


Bei der Präsentation betonte Kanzler Ludwig von Stern, dass sich die jungen Leute mit dem Film "Flucht und Heimat" an ein schweres Thema herangewagt hätten, eines, das psychologische, soziale, kulturelle, migrationspolitische, ökonomische, wirtschaftliche und eine Vielzahl weiterer Dimensionen habe. Vor allem würden menschliche Fragen angesprochen, die sich mit dem Recht auf Heimat, mit Respekt untereinander befassten. Ästhetisch, technisch und journalistisch einwandfrei hätten die Studierenden ein in die Zeit passendes Problem bearbeitet.

Projektleiterin Anna Wiesmeier vom Zentrum für Sprachen, Mittel- und Osteuropa an der OTH betonte, dass alle Medienberichte 2014 voll waren mit Kriegsmeldungen aus der Ukraine, und das Jahr 2015 habe sich mit Tausenden Flüchtlingen eingeprägt. Viele Deutsche, Polen, Rumänen und Ukrainer, die in den 40er-Jahren gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen, seien nach Jahrzehnten mit Tränen in den Augen vor ihrem ehemaligen Elternhaus gestanden. Denn das Gefühl der Heimat sei tief verwurzelt und lebe in Erinnerungen lange fort.

So wurde laut Wiesmeier die Idee des Dokumentarfilms geboren, in dem Menschen gezeigt würden, die Verluste erleiden mussten, die aber die Endgültigkeit der Trennung und die Hoffnung auf ein Wiedersehen verbinde. Viel Arbeit hätten die Studierenden beider Häuser in das Projekt investiert, neue Kontakte geknüpft, diskutiert und dabei Erkenntnisse über die Bedeutung der einfachen Worte Heimat und Flüchtling gewonnen.

Zwei Ehepaare interviewt


Anmoderiert wurde der Kurz-Dokumentarfilm von Katharina Schmer und Andrij Radkwa, die die Geschichte der Eheleute Meier aus Braunschweig und Peniuk aus Wetzlar als noch lebende Zeitzeugen der Vertreibung schilderten. Die Betroffenen, alle bereits im hohen Alter, haben in Deutschland eine neue Heimat gefunden, sich integriert, nutzten aber auch die Gelegenheit, die Orte ihrer Kindheit aufzusuchen.

Seit der Annektierung der Krim habe es durch kriegerische Auseinandersetzungen geschätzt 10 000 Tote, außerdem gut 1000 Gefangene oder Vermisste gegeben. Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass 2015 weltweit gut 70 Millionen Menschen auf der Flucht vor Kriegen in ihrer Heimat waren.

HintergrundOTH-Studierende waren mit ihrem Equipment in die Ukraine gereist, Kameras sicher im Bekleidungskoffer verstaut, so Max Wiechmann, um vor Ort Zeitzeugen zu interviewen. Ausgesprochen kooperativ war die ukrainische Universität, hob Svitlana Stoliar hervor. Denn schon vor zwei Jahren seien die Parlamentswahlen zusammen mit der Uni Regensburg aufgegriffen worden. Heuer habe man dann mit "Flucht und Heimat" die ukrainische Flüchtlingsgeneration aufgearbeitet. Weitere gemeinsame Projekte sind laut Stoliar sicher nicht ausgeschlossen. (gfr)
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